VR-Brille Oculus Rift Gamer besorgt über Datenschutzregeln

Noch haben erst wenige Spielefans die Oculus Rift in den Händen - doch die Datenbrille sorgt schon für Aufregung. Einige Nutzer befürchten, das Facebook-Gadget könne zu viele Daten abgreifen.

Oculus Rift mit Xbox-One-Controller
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Oculus Rift mit Xbox-One-Controller

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Update, 6. April: Mittlerweile hat sich Oculus zu den Datenschutzbedenken geäußert. In einer Stellungnahme für das Magazin "UploadVR" heißt es, zum jetzigen Zeitpunkt würden keine Informationen mit Facebook geteilt. "Wir haben bislang keine Werbung und Facebook nutzt keine Oculus-Daten für Anzeigen - dies sind aber Dinge, über die wir in Zukunft nachdenken könnten."

Bei manchem Gamer scheint die Vorfreude auf die Oculus Rift verflogen, bevor er die Virtual-Reality-Brille überhaupt bekommen hat. Unter anderem auf Reddit wird seit einigen Tagen über die Nutzungsbedingungen diskutiert, die die Facebook-Tochterfirma Oculus ihrem Gadget zur Seite stellt. Verlinkt sind sie zum Beispiel in Oculus Home, dem zur Brille gehörigen Spiele-Onlineshop.

Tatsächlich dürften die Nutzungsbedingungen für Datenschützer eine Analyse wert sein - wie immer, wenn ein neues Gadget samt eigener Software erscheint. Gleichzeitig sind viele Passagen wenig überraschend, bedenkt man, dass das Gadget von Facebook auf den Markt gebracht wird.

Im Abschnitt "Verbundene Unternehmen" weist Oculus zum Beispiel darauf hin, dass "unter Umständen" Informationen über den Nutzer mit anderen Facebook-Tochterfirmen wie WhatsApp, Instagram und dem Werbenetzwerk Atlas geteilt werden, "um deren Aktivitäten zu erleichtern, zu unterstützen und zu integrieren und um unsere Dienste zu verbessern".

Das klingt auf den ersten Blick vielleicht nach einer Datenschleuder, könnte aber auch ein Weg sein, auf dem sich Oculus für die Zukunft absichert: etwa für neue VR-Chat-Anwendungen, bei denen bestehende Freundeslisten der Nutzer eine Rolle spielen.

Daten zu Bewegungen und Apps von Dritten

Gut zu wissen, aber zum jetzigen Zeitpunkt ebenso schwer auf die Praxis zu beziehen, ist das, was in den Datenschutzrichtlinien steht. Dort wird einerseits erklärt, welche Daten ein Nutzer von Oculus-Diensten selbst weitergibt, von der E-Mailadresse bis eventuell zur eigenen Körpergröße, die beim Konfigurieren der Rift abgefragt wird.

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Anderseits betont Oculus, dass auch automatisch Informationen gesammelt werden könnten, wenn man Oculus-Dienste nutzt. Dafür führt das Unternehmen etwa folgende Beispiele an:

  • "Informationen über Spiele, Inhalte oder sonstige Apps, die auf deinem Gerät installiert sind oder über unsere Dienste bereitgestellt werden, auch solche von Dritten"
  • "Informationen über deine Körperbewegungen und -maße, wenn du ein Virtual-Reality-Headset benutzt"
  • "Informationen über deine Interaktionen mit unseren Diensten, beispielsweise Informationen über die Spiele, Inhalte, Apps oder andere Erlebnisse, mit denen du interagierst, sowie Informationen, die in oder über Cookies, die lokale Speicherung, Pixel und ähnliche Technologien gesammelt werden" (unter "Cookies, Pixel und Technologien" heißt es, dass unter anderem Flash-Cookies zum Einsatz kommen)

Erinnerungen an Facebook-Experimente

Nachdem erneut auf den möglichen Datentausch mit anderen Facebook-Töchtern hingewiesen wird, heißt es: "Wir können außerdem zusätzliche Informationen über dich von Dritten erhalten, beispielsweise Partner, die uns Informationen bereitstellen, die öffentlich oder kommerziell verfügbar sind; diese Informationen können wir mit den anderen über dich gesammelten Informationen kombinieren." Das klingt alles andere als vertrauensfördernd.

Genutzt werden sollen die gesammelten Daten etwa, um die Kommunikation zwischen Nutzern zu erleichtern, und um die Erlebnisse der Nutzer individuell anzupassen. Als weiterer Anwendungszweck werden Studien darüber genannt, "wie die Menschen unsere Dienste verwenden, durchzuführen und aus diesen zu lernen". Ein Satz, der zumindest Erinnerungen an umstrittene Facebook-Experimente mit seinen Nutzern weckt.

Facebook wäre nicht Facebook, würde nicht der Aspekt Werbung noch eine größere Rolle spielen. "Wir nutzen die von uns gesammelten Informationen, um dir Werbemitteilungen und Inhalte zu senden und auf sonstige Weise auf unseren Diensten sowie außerhalb dieser zu vermarkten", heißt es in den Datenschutzrichtlinien.

Die Oculus Rift hilft dem Unternehmen also nicht nur, sich als Anbieter eines technisch spannenden Gadgets zu etablieren, sondern auch, um sein Datengeschäft auszubauen. "Wir dürfen auch anonymisierte oder zusammengefasste Daten mit anderen für jeden beliebigen Zweck teilen", heißt es an anderer Stelle der Richtlinien, ähnlich wie in den Datenschutz-Übersicht der Konkurrenz-Spieleplattform Steam, wo sich Valve das Recht einräumt, "Dritten anonymisierte Daten, die in aggregierter Form vorliegen können aber nicht müssen, zugänglich zu machen".

Jan-Keno Janssen, der die Oculus Rift für das Tech-Magazin "c't" getestet hat, hält die Empörung bei Reddit für ein wenig übertrieben: "Dort tobt ein Fanboy-Krieg zwischen Fans der Oculus Rift und der von Valve mitentwickelten HTC Vive", sagt er, vergleichbar mit den Streits zwischen iOS- und Android-Nutzern. "Anderseits gibt es natürlich einen wichtigen Unterschied. Valve verdient sein Geld mit Spieleverkäufen. Facebooks Geschäftsmodell basiert darauf, Unternehmen die Chance für personalisierte Werbung zu bieten."

Verbindungen zu Facebook-Servern

Einige Rift-Nutzer beunruhigt übrigens auch eine Datenverbindung, die eine Anwendung namens OVRServer_x64.exe zu Facebook-Servern aufbaut - selbst, wenn das Programm Oculus Home nicht geöffnet ist. Welche Daten dabei übertragen werden, ist noch nicht abschließend geklärt. Ersten Einschätzungen zufolge könnte der Dienst aber unter anderem abfragen, ob neue Software-Updates zur Verfügung stehen.

So harmlos die Verbindung also sein könnte, Oculus würde es nicht schaden, solche Dinge besser zu erklären, bevor wilde Theorien die Runde machen - und sei es erst einmal nur als Witz. Attraktiver macht es ein neues Gadget jedenfalls nicht, wenn man sich beim Ausprobieren ständig Gedanken über seine Privatsphäre macht, weil die Nutzungsbedingungen jede Menge Freiraum für Interpretationen lassen.

Firmenchef Palmer Luckey hat sich bislang nicht zur Datenschutz-Diskussion geäußert, sein Unternehmen hat gerade erst Lieferschwierigkeiten eingeräumt. Im Zuge dieser Nachricht hat Oculus angekündigt, als Wiedergutmachung Vorbestellern der Rift die Versandkosten zu erlassen.

Noch immerhin können viele VR-Fans das Thema Datenschutz mit Humor nehmen: "Kein Grund besorgt zu sein", kommentiert ein Leser des Online-Magazins "UploadVR". "Facebook kann gerade nur die ungefähr zwölf Leute ausspionieren, die ihre Rift wirklich schon bekommen haben."



insgesamt 17 Beiträge
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el_zombo 04.04.2016
1. Oh, was für eine Überraschung!
Natürlich sammelt Facebook alle Daten, die man sammeln kann. Damit verdienen die ja ihr Geld, deswegen haben die 2mrd. für das Crowdfunding-Projekt hingeblättert. Immerhin ist die Hardware und Software so offen, wie Hr. Palmer das versprochen hat. Ach ne, moment, ist sie nicht. Immerhin ist das nette, teure Hardware, das Beste, was zur Zeit bezahlbar ist und technisch möglich. Fehlt nur noch 2000€ für einen PC, damit der Brechreiz ausbleibt und man es doch ein paar Minuten mit der gleichzeitigen Reizüberflutung und sensorischen Deprivation erträgt. VR ist immer fast da. Auch diesmal. Das ist bestimmt der Durchbruch. Da werden sich nicht nur Enthusiasten mit beschäftigen. Ganz bestimmt....
tallinn1960 04.04.2016
2. Wenig überraschend?
Das ein VR-Headset dazu verwendet wird, Daten über seine Nutzer zu sammeln, überrascht schon ein wenig.
diskretes Kontinuum 04.04.2016
3. Die Verharmlosung durch die üblichen Kollaborateure
Klar, dass SPON alles verharmlost und es auf einen "Fanboy-Krieg" reduziert. Denn wer sägt schon den Ast ab, auf dem man sitzt? Der freie Journalismus ist gestorben, stattdessen kollaborieren die Medien des ach so freien Westens fast flächendeckend mit den Stalkern, die jegliche Bewegung im Internet unter Umgehung jeder Gegenmaßnahme protokollieren und in einem vor der betreffenden und betroffenen Person geheimgehaltenen Profil kondensiert. Was soll der Verweis auf Reddit? Das ist ein Kindergeburtstag, auf dem sich unwissende Leute gegenseitig Flöhe ins Ohr setzen, bis sie einer Art kollektiver Massenselbsthypnose an die eigenen Wahnvorstellungen glauben. Was dort diskutiert wird, ist so relevant, wie die Lautstärke des Rülpsers im Stammlokal. Stattdessen hätte man einfach nur mit den Fakten arbeiten sollen. Unter anderem mit dem dezidierten Hinweis, dass die Daten, die Oculus automatisch sammelt, dazu dienen soll, personalisierte Werbung anbieten zu können! Bitte? Da zahlt wer 700€ und dann überrascht einen das Gerät mit der Horrornachricht, dass das im Grunde nur ein Trojaner ist, um an die eigenen Seh-, Konsum- und Bewegungsgewohnheiten (!) zu gelangen? Sowas ist hier in Deutschland schlicht illegal! Gegen diese Misere hilft nur eins: Personalisierte Werbung blocken! Wer auch nur indirekt mit dem Handel von illegalen Daten Profit erzielt, muss bestraft werden!
NauMax 04.04.2016
4. @1
Ich habe Oculus mehrfach ausprobiert unddas teilweise mit Spielen, bei denen man besser keine Höhenangst oder Angst vor hohen Geschwindigkeiten haben sollte. Einmal bekam ich ein flaues Gefühl im Magen, aber da habe ich mich in einer Kampfflugsimulation aus 5.000m mit einer alten Propellermaschine auf eine Gegnerstaffel gestürzt. Das fühlte sich dann doch ziemlich echt an...
manfredkaese 04.04.2016
5. Raucher zum Beispiel könnte man so prima erkennen..
und das wäre Krankenkassen unter Umständen viel geld wert. Oder wenn krankgemeldete morgens um vier noch spielen.. liesse sich verkaufen.
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