Online-Spiel "Impetus" Klicken gegen den Weltraum-Tod

"Impetus" hat die erste Nacht überstanden: Bei dem Online-Spiel müssen die Spieler gemeinsam dafür sorgen, dass eine bewusstlose Astronautin am Leben bleibt. Ein soziales Experiment mit ungewissem Ausgang.
Raumfahrerin "Impetus": Noch zehn Sekunden bis zum Ausfall der Systeme

Raumfahrerin "Impetus": Noch zehn Sekunden bis zum Ausfall der Systeme

Eine leblose Raumfahrerin, statisches Knistern, die Reflexion einer blinkenden Warnlampe - und eine Uhr, die auf drei Nachkommastellen genau Sekunden herunterzählt. So sieht das Online-Spiel "Impetus"  aus, das Dominik Johann, Jan Oelze und Jeremy Lonien entwickelt haben. Gespielt wird gemeinsam im Internet.

Das Problem: In zehn Sekunden fallen Systeme aus, Raumfahrerin Impetus wird dann sterben. Mit einem Klick können Internet-Nutzer die ablaufende Uhr zurücksetzen. Zweimal pro Sekunde prüft das Programm, ob jemand geklickt hat. Seitdem das Spiel Montagabend gestartet ist, haben mehr als 25.000 Klicks das Leben der bewusstlosen Astronautin verlängert.

Entstanden ist "Impetus" innerhalb weniger Stunden. Dominik Johann erzählt: "Ich bin Fan von Game Jams. Das sind Wettbewerbe, bei denen ein Thema vorgegeben wird und dann in einer bestimmten Frist ein Spiel entwickelt wird." Bei diesem Wettbewerb, dem 27. Ludum Dare , ist das Oberthema zehn Sekunden. Im Skype-Chat entwickelten sie ihre Idee.

"Wir wollten nicht nur ein Spiel entwickeln, bei dem eine Runde zehn Sekunden dauert, sondern uns von konventionellen Game-Mechaniken lösen", sagt Johann. "Impetus" dauert zehn Sekunden - und ist dann für immer unspielbar. Die spannende Phase sei direkt nach dem Start gewesen, erzählt Johann. Über soziale Medien verbreiteten sie den Link. Nach ein paar Stunden kamen ständig neue Besucher auf die Seite.

Woran wird "Impetus" sterben?

Als musikalische Untermalung empfehlen die Entwickler YouTube-Clips: das Weltraumgeflimmer einer Voyager-Sonde, ein knarzendes Cello aus dem Soundtrack des Films "The Fountain" und Brian Enos "Music for Airports". Die einsamen Klängen verstärken den Drang zusätzlich, auf den Button für den Systemerhalt zu klicken.

"Ich war bis drei oder vier Uhr wach, habe es aber zwischendurch seinem Schicksal überlassen", sagt Johann. "Impetus" sei weniger ein Spiel als viel mehr ein soziales Experiment. "Die spannende Frage ist: Woran stirbt "Impetus"? Oder schreibt vielleicht jemand ein automatisches Script, das das Spiel am Laufen hält, eine lebenserhaltende Maschine?"

Online-Nutzer klicken im Kollektiv, das Konzept erinnert ein wenig an "Curiosity" des britischen Spieleentwicklers Peter Molyneux. Dabei wurde ein riesiger Klotz in seine 60 Milliarden Einzelteile zerklickt, nach Monaten knackte ein einzelner Spieler den letzten Kubus und gewann damit das Spiel. Bei "Impetus"  kann allerdings niemand gewinnen: Der Letzte, der klickt, ist potentiell sogar der Verlierer. Wenn niemand nachkommt, ist das Spiel schließlich endgültig vorbei.

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