»Pandemic: The Board Game« Pandemie-Videospiel aus den App-Stores genommen

Hunderttausende haben über die Jahre die Digitalversion des Brettspielklassikers »Pandemic« gespielt. Kürzlich stoppten die Macher den Verkauf ihrer App. Jetzt erklären sie, warum.
Play-Store-Seite zu »Pandemic: The Board Game«: Die App lässt sich nicht mehr kaufen

Play-Store-Seite zu »Pandemic: The Board Game«: Die App lässt sich nicht mehr kaufen

Foto: Googles Play Store

»Wirst du die Menschheit retten?« Das ist die Leitfrage zur Digitalumsetzung des Brettspielklassikers »Pandemic«. In der Haut von zwei bis fünf Charakteren gilt es in dem Videospiel von Asmodee Digital die Ausbreitung von Seuchen zu verhindern und Heilmittel zu finden. Anders als in der Brettspielvorlage macht man dies jedoch allein, nicht gemeinsam mit anderen Spielerinnen und Spielern.

Für viele Menschen war dieser virtuelle Kampf gegen die Katastrophe gerade in Zeiten einer echten Pandemie ein interessanter Zeitvertreib. Neben Titeln wie »Plague Inc.« zählte auch »Pandemic: The Board Game« zu jener Handvoll von Games, die man durch die Coronakrise plötzlich mit anderen Augen sah.

Vor Kurzem jedoch ist das Spiel nun ohne weitere Erklärung aus den Online-Stores von Apple und Google verschwunden. Auch auf Steam lässt es sich nicht mehr kaufen. In einem Hinweis auf der PC-Spieleplattform heißt es lediglich, »Pandemic: The Board Game« stehe »auf Anfrage des Publishers« nicht mehr zum Verkauf.

Rätselraten über die Gründe

Warum entfernt man ausgerechnet in Pandemiezeiten ein mehrere Jahre altes Pandemie-Videospiel? Über diese Frage rätselte so mancher Fan der App. Gab es Ärger mit den Store-Betreibern? Will man mit einem Nachfolger Geld verdienen? Oder will Asmodee künftige Interessenten lieber auf sein 2021 gekauftes Portal Board Game Arena locken , wo man »Pandemic« zusammen mit anderen online spielen kann?

Eine auf Reddit zitierte Antwort eines Support-Mitarbeiters  brachte mehr Verwirrung als Klarheit. Die Entscheidung, das Spiel aus den Stores zu nehmen, sei »schweren Herzens getroffen« worden, hieß es darin – »aus einer Vielzahl von Gründen, die wir nicht offenlegen können«. Ebenso wurde klargestellt, dass auch die verbliebenen Versionen des Spiels, die Microsoft und Nintendo auf ihren Onlinemarktplätzen anbieten, Ende Januar beziehungsweise Ende Juli aus dem Verkehr gezogen werden.

Am Mittwochabend entschied sich Asmodee Digital, das bald wohl zur schwedischen Embracer Group gehört , schließlich doch noch, offiziell Stellung zu beziehen. Die Erklärung des Anbieters dürfte vor allem langjährige Fans des Spiels überraschen: Angeblich fand Asmodee Digital sein zuletzt 2021 upgedatetes Spiel selbst nicht mehr gut genug.

Das Pandemiespiel hat die Pandemie nicht überlebt

»Die Pandemic-App wurde vor neun Jahren veröffentlicht, und wir sind der Meinung, dass die aktuelle Qualität und Zuverlässigkeit des Spiels nicht mehr dem entspricht, was Pandemic auf digitalen Plattformen verdient«, heißt es in einem Facebook-Post . Es sei an der Zeit, »Platz für die digitale Zukunft von Pandemic zu machen«. Ein Nachfolger oder Ähnliches jedoch wurde nicht angekündigt.

Das Spiel ist damit bis auf Weiteres einfach weg – und in die Games-Geschichte eingehen kann es nun als das Pandemie-Videospiel, das während einer realen Pandemie schlappmachte.

Immerhin: Alle Spielerinnen und Spieler, die »Pandemic: The Board Game« bereits in einem der Stores gekauft haben, sollen es weiter spielen und herunterladen können, schreibt Asmodee Digital. (Der SPIEGEL konnte dies zumindest anhand der Android-App verifizieren.) Wer sich also schon früher aufmachte, die fiktive Pandemie zu bezwingen, wird dies weiter tun können. Alle anderen potenziellen Weltenretter müssen auf Board Game Arena ausweichen – oder eben auf die Brettspielvorlage.

mbö
Mehr lesen über Verwandte Artikel