Gaming und die Umwelt So viel Strom fressen Playstation 5 und Xbox Series X

Sony und Microsoft haben mit der Playstation 5 und der Xbox Series X zwei leistungsstarke Konsolen auf den Markt gebracht. Doch höhere Auflösungen und Bildraten trüben ihre Energiebilanz.
Playstation-5-Spieler: Die Konsole kam im November in den Handel, viele Interessenten gingen bisher aber leer aus

Playstation-5-Spieler: Die Konsole kam im November in den Handel, viele Interessenten gingen bisher aber leer aus

Foto: Katie Collins / PA Images / imago images

Solche Leistungsdaten können sich sehen lassen, meinen viele Spielefans: Die Xbox Series X und die Playstation 5 sind deutlich schneller als ihre Vorgänger und können Videospielgrafik nun in 4K-Auflösung mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde an die Fernseher schicken. Doch jener Fortschritt kommt nicht von ungefähr: Die 400 bis 500 Euro teuren neuen Spielkonsolen sind enorme Energieschlucker, zeigen erste Analysen.

Die Netzteile beider Geräte etwa saugen mehr Energie als alle Vorgänger aus der Steckdose, die maximale Leistung hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt: Sony speist die Playstation 5 mittlerweile mit einem 350-Watt-Netzteil (Playstation 4: 165 Watt), die Xbox Series X nimmt bis zu 315 Watt auf (Xbox One: 135 Watt). Das sind natürlich nur die Maximalwerte. Doch ein Praxistest des Tech-Magazins »Cnet«  hat bereits gezeigt, dass die Grafikkarten, Prozessoren und Kühler in den neuen Geräten sehr gefräßig sind.

Die Playstation 5 zum Beispiel hat bei »Spider-Man: Miles Morales« eine durchschnittliche Energieaufnahme von 197 Watt, bei »Demon’s Souls« sind es »Cnet« zufolge sogar 220 Watt. Die Xbox Series X kommt auf 209 Watt, wenn man den Shooter »Gears 5« einlegt. Sparsam ist das nicht: Die Konsolen brauchen so fast doppelt so viel Energie wie ein durchschnittlicher 55-Zoll-Flachbildschirm.

Ein Spiel, viele Daten

Vor allem beim Online-Shooter »Fortnite« sei der Energiebedarf der neuen Konsolen extrem, heißt es im Testbericht. Die Playstation 5 sei mit durchschnittlich 216 Watt (Playstation 4: 145 Watt) »der größte Übeltäter«, die Xbox Series X lande mit 178 Watt gleich danach auf Platz zwei (Xbox One X: 41 Watt). Eine Nintendo Switch verbrauche für »Fortnite« derweil gerade einmal durchschnittlich 14 Watt. »Ein Verbraucher, der auf seinen CO2-Fußabdruck achtet, würde sich bestimmt diese Zahlen anschauen und sich von den Konsolen der neunten Generation abwenden«, heißt es in dem Text.

Bereits bei der Xbox One X, einem Vorgängermodell der neuen Xbox Series X, hatte das Umweltmagazin »Grist « bilanziert, dass die Konsole dem Hersteller Microsoft bei seinem Versuch, bis 2030 klimaneutral zu werden, im Weg stehe. Nach Angaben des Herstellers  sind allein bei der Produktion und beim Transport einer Xbox One X etwa 150 Kilogramm an Treibhausgasen angefallen. Und allein durchs Spielen mit Konsole kommen jener Übersicht zufolge jedes Jahr etwa 116 Kilogramm hinzu. Nach acht Jahren liegt die Bilanz bei einer Tonne CO2.

Zu seiner neuesten Konsole hat Microsoft noch keine Ökobilanz veröffentlicht. Eine Unternehmenssprecherin teilt dem SPIEGEL mit, dass »wir weiterhin erforschen, wie wir den Einfluss auf die Umwelt eines Produkts während der Lebensdauer reduzieren können – angefangen beim Konzept bis hin zum Design, zur Produktion, zur Verpackung und zu dem Punkt, wenn die Konsole in den Händen unserer Kunden und am Ende ihres Lebens angekommen ist«.

Im Marketing eher irrelevant

Bei der Playstation sieht das ähnlich aus. Das Portal »The Verge« hat ausgerechnet, dass eine Standard-Playstation 4 allein durch Herstellung und Transport etwa 89 Kilogramm CO2 produziert. Bei etwa hundert Millionen verkauften Geräten summiert sich das auf knapp neun Millionen Tonnen – was ungefähr Jamaikas Jahresproduktion an Treibhausgasen entspricht.

Doch Sony nimmt sich bei Umweltzielen auch mehr Zeit als Microsoft: Bis 2050 will das japanische Unternehmen klimaneutral werden, heißt es im aktuellen Nachhaltigkeitsreport (PDF ). Was das konkret für die Playstation 5 bedeutet, dazu wollte sich Sony auf Anfrage des SPIEGEL nicht äußern.

Umweltschutz steht bei Sony offenbar nicht an erster Stelle. Beim Marketing für die Playstation 5 jedenfalls spielt das Thema Energieeffizienz kaum eine Rolle. Lediglich den verbesserten Ruhemodus, der nur noch 1,5 anstelle von 5 Watt bei der Playstation 4 Pro verbraucht, hatte Sony explizit erwähnt , als es sich wie Microsoft für die UN-Klimaschutzkampagne »Playing for the Planet« engagierte.

Was Spieler für die Umwelt tun können

Der Wechsel in den Ruhemodus ist eine der wenigen Optionen, mit denen Next-Gen-Spieler überhaupt zu einer besseren Energiebilanz beitragen können. Noah Horowitz von der Umweltschutzorganisation Natural Resources Defense Council (NRDC) rät jedoch dringend davon ab, den sogenannten Instant-On-Modus der Xbox Series X zu benutzen. Die Idee hinter dem Halbschlafmodus: Spieler können die Konsole schnell wieder aufwecken und pausierte Titel rasch fortsetzen.

Es sei »extrem entscheidend«, dass Spieler auf den Instant-On-Modus verzichten und stattdessen den klassischen Energiesparmodus auswählen, sagt Horowitz dem SPIEGEL. Die Xbox brauche im Instant-On-Modus 12 bis 14 Watt, während im richtigen Energiesparmodus weniger als ein Watt nötig sind. Der Energieexperte des NRDC geht davon aus, dass die Konsolen vieler Spieler jeden Tag 20 bis 22 Stunden im Schlummerzustand verbringen und sich die »überschüssige Energie ordentlich summiert«.

Horowitz warnt außerdem davor, die Playstation 5 und Xbox Series X als externe Mediaplayer zu verwenden. »Videospielkonsolen sollten dafür benutzt werden, Spiele zu spielen, und nicht dafür, Filme und TV-Serien anzuschauen«, sagt er. Konsolen ziehen laut Horowitz durchschnittlich 35 bis 90 Watt, während sie einen Film streamen. Alternative Geräte wie Apple TV, Googles Chromecast und Amazons Fire-Produkte bräuchten im Vergleich lediglich zwei bis vier Watt.

Unklare Aussichten beim Cloud-Gaming

Die Energiebilanzen aus der Konsolenwelt können sich Forschern zufolge noch drastisch verändern, wenn sich eines Tages Cloud-Gaming durchsetzen sollte. Sobald mehr als 90 Prozent der Spieler auf Spielen über Streamingdienste wie Playstation Now oder xCloud umsteigen, könnte sich laut einer Studie  der weltweite CO2-Ausstoß um 30 Prozent erhöhen. Grund dafür seien der Energiebedarf der Rechenzentren und der Dauerdownload, der für die Echtzeitspiele nötig ist. So könnte der Energiebedarf des Gamings insgesamt steigen, selbst wenn etwa die klassische Konsole durch kleinere Empfänger mit geringerem Energiebedarf ersetzt werden könnten, die wie TV-Streaming-Sticks direkt in den Fernseher gesteckt werden.

Bisher ist die Gaming-Welt von jenem 90-Prozent-Szenario allerdings noch weit entfernt, da nur etwa sieben Prozent der Spieler auf die Cloud setzen.

Zudem gibt es auch im Streaming-Markt Bewegung. Microsoft etwa hatte im September sein Cloud-Angebot xCloud gestartet  und angekündigt, dass die genutzten Azure-Server in vier Jahren komplett von erneuerbaren Energien betrieben werden sollen.

Kurz streamen ist besser als downloaden – manchmal

Sonys Dienst Playstation Now gibt es bereits seit sechs Jahren. Nach eigenen Angaben  ist das Streaming bisher nur dann emissionsärmer als ein Spieledownload, wenn ein Titel nach höchstens vier bis fünf Stunden durchgespielt ist. Ab dieser Spieldauer ist es im Vergleich umweltfreundlicher, ein Spiel herunterzuladen, heißt es. Bis man die Ökobilanz einer Disk erreicht, könne man allerdings bis zu 20 Stunden mit einem Spiel bei Playstation Now verbringen.

Das liegt daran, dass Blu-ray-Spiele eine extrem schlechte Ökobilanz haben und im Vergleich zu Downloads, die mehr als 20-fache Menge an CO2 ausstoßen. Laut einer Studie  aus Kanada erhöht allein die etwa 50 Gramm schwere Plastikhülle einer Disc den Treibhausgasausstoß in der Fabrik um rund 250 Gramm.

Über das Thema Discs immerhin kommen auch die Next-Gen-Konsolen noch einmal ins Spiel: Denn sowohl die Xbox Series S, ihres Zeichens der kleine Bruder der Xbox Series X, als auch die Digitalversion der Playstation 5 verzichten auf ein Laufwerk und setzen ausschließlich auf Downloads. Das ist, wenngleich es für Spieler noch einmal ganz eigene Vor- und Nachteile birgt, zumindest ein kleiner Beitrag für eine bessere Umwelt.