Playstation VR Für wen sich Sonys Hightech-Brille lohnt

Am Donnerstag kommt eine Virtual-Reality-Brille für die Playstation 4 auf den Markt. Was kann die Neuheit? Welchen Fehler sollten Käufer vermeiden? Die neun wichtigsten Fakten.

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1. Was ist Playstation VR?

Playstation VR (PSVR) ist ein Virtual-Reality-Headset für Sonys Playstation 4 und die bald erscheinende Playstation 4 Pro. Vom Prinzip her ähnelt das Headset Produkten wie der Oculus Rift und der HTC Vive. Auf den Markt kommt es am 13. Oktober, für 399 Euro. Aufgrund vieler Vorbestellungen könnte es aber schwer werden, als Kurzentschlossener direkt zur Veröffentlichung ein Exemplar zu bekommen.

Mit dem Display direkt vor Augen taucht der Spieler tiefer in die Spielwelten ab, als wenn er in einiger Entfernung vor dem Spielebildschirm sitzen würde. Die Kopf- und zum Teil auch Körperbewegungen werden von einer Kamera erfasst und ins Spiel übertragen.

Einen Überblick über den Virtual-Reality-Markt gibt unsere Fotostrecke:

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Zukunftstechnik: Was ist Virtual Reality?

2. Was bekomme ich für 399 Euro?

Noch nicht alles. Für den Preis bekommt man nur das Headset, eine zusätzliche Prozessoreinheit, jede Menge Kabel plus Kopfhörer und dazu eine Disk mit Demoversionen von acht Spielen (acht weitere VR-Demos lassen sich über das Internet herunterladen).

Im 399-Euro-Paket fehlt Sonys Kamera für die Playstation 4, die es schon länger separat zu kaufen gibt. Diese rund 50 Euro teure Kamera ist Voraussetzung dafür, dass PSVR funktioniert. Auch die sogenannten Move-Bewegungs-Controller fehlen im Paket. Mit ihnen werden viele PSVR-Spiele durch Handbewegungen gesteuert. Zwei Move-Controller werden für zusammen rund 80 Euro angeboten, mit einem einzelnen lässt sich wenig anfangen. Wer noch alte Move-Controller besitzt, kann sie mit Playstation VR wieder benutzen.

Bundles aus Brille, Controllern und Kamera bringt Sony in Deutschland erst einmal nicht in den Handel, einzelne Händler könnten solche Sets jedoch selbst anbieten.

3. Wie wichtig sind die Move-Controller?

Nahezu alle PSVR-Spiele lassen sich auch per Gamepad steuern - das erinnert dann aber mitunter stark ans normale Gaming. Mit den Move-Controllern wird das Spielerlebnis etwa in Shootern deutlich eindrücklicher. Für ein möglichst intensives VR-Erlebnis braucht man also die Move-Controller.

Dass sie Handcontroller hat, machte auch schon die HTC Vive ein Stück weit reizvoller als die Oculus Rift, die ihr Pendant erst im Dezember nachgeliefert bekommt. Anders als die Konkurrenzsteuerungen sind die Move-Controller allerdings nicht speziell für die virtuelle Realität konzipiert worden und können entsprechend weniger.

4. Bald kommt die leistungsfähigere Playstation 4 Pro auf den Markt. Ist das die bessere Konsole für Virtual Reality?

Sony verspricht, dass PSVR auch mit der normalen Playstation 4 gut funktioniert. Wenn man sich aber für VR interessiert und noch keine Konsole besitzt, lohnt es sich vermutlich, zu warten und ab dem 10. November ein Pro-Modell zu kaufen. Die Neuauflage der Konsole bietet mehr Rechenpower, VR-Spiele dürften darauf besser laufen und teils auch besser aussehen.

5. Welche PSVR-Spiele gibt es zum Start?

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Playstation VR: Das kann man in der virtuellen Realität machen

Zum Start soll es rund 30 Spiele geben, darunter das Action-Adventure "Batman: Arkham VR", das rund 20 Euro kostet, aber nur etwas länger als eine Stunde dauert. Die ersten VR-Spiele sind in der Regel kürzer und weniger komplex als klassische Konsolen-Blockbuster. Wer direkt VR-Spiele auf dem Level von "Grand Theft Auto 5" oder "Uncharted 4" erwartet, wird enttäuscht: Die meisten Spiele sind eher als beeindruckende Erlebnisse einzuordnen.

Sonys Minispiel-Sammlung "The Playroom VR" gibt es gratis. Das Weltraumspiel "Eve: Valkyrie", das man von der Oculus Rift kennt, kostet dagegen 70 Euro, genau wie der Multiplayer-Shooter "Rigs". "Until Dawn: Rush of Blood", einen klassischen Arcade-Shooter, gibt es für 23 Euro. Manche PS-VR-Spiele laufen auch ohne Brille, andere nicht.

Seine normalen Playstation-4-Spiele kann man mit VR-Brille auch spielen, auf einer Art Riesenleinwand. Auf dieselbe Art sollen sich DVD- und Blu-ray-Inhalte und zum Beispiel auch YouTube-Videos abspielen lassen.

6. Ist Playstation VR genauso gut wie die Oculus Rift oder die HTC Vive?

Bei Sonys VR-System ist der größte Vorteil auch der größte Nachteil: Es funktioniert mit einer Playstation 4, die man schon für 250 bis 300 Euro bekommt. Man braucht keinen High-End-PC, der schnell mehr als das Doppelte kostet. Dafür ist die Playstation 4 aber weniger leistungsstark: Die optisch eindrücklichsten VR-Spiele wird man bis auf Weiteres auf der Oculus Rift und der HTC Vive spielen können. Außerdem ist das Tracking etwa der Handcontroller bei den teuren Geräten genauer.

Wer sich zwischen den drei Systemen entscheidet, sollte auch bedenken, dass PSVR tendenziell ein weniger offenes System ist als etwa das der Vive: Hier entscheidet am Ende Sony, was gespielt oder geschaut werden kann. Wer also gern obskure Indiespiel-Prototypen oder Sex-Apps aus dem Netz laden und testen will, der ist womöglich auf anderen Plattformen besser aufgehoben.

Ein Vorteil des Sony-Headsets ist der Tragekomfort: Obwohl das Headset das schwerste der drei ist, sagen viele Tester, es sei am wenigsten unbequem, weil das Gewicht durch die Bauweise nicht so sehr auf dem Gesicht lastet. Letztlich wiegt das vielleicht auch auf, dass die Auflösung des eingebauten Displays geringer ist als bei den Konkurrenzmodellen. Denn was bringt die beste Auflösung, wenn das Brillentragen schnell schmerzhaft wird?

7. Wie schlägt sich PSVR im Vergleich zu Handybrillen wie der Gear VR?

PSVR ist Handybrillen wie der Gear VR oder Smartphones, die mit Googles Daydream-Standard kompatibel sind, technisch überlegen. So bietet Sonys System etwa das sogenannte Positional Tracking, das es ermöglicht, sich im Spiel vorzubeugen oder Hindernissen durch kurzes Bücken auszuweichen. Auch Handcontroller auf dem Niveau der Move-Controller gibt es für Handybrillen noch nicht.

8. Wie fallen erste Tests zu Playstation VR aus?

Einige US-Medien konnten die Verkaufsversion bereits testen: Ihre Bewertungen fallen nicht euphorisch, aber meist wohlwollend aus. "The Verge" etwa schreibt, PSVR habe schlechtere Bewegungscontroller als die PC-Konkurrenten, am Ende stehe aber ein VR-System, das "gut genug" sei. Zudem sei das Headset vergleichsweise komfortabel. "Engadget" stört sich am Sichtfeld, das kleiner ausfällt als bei der Vive und der Rift. Titel, die man wirklich gespielt haben muss, fehlten.

Grundsätzlich gute Arbeit bekommt Sony von "IGN UK" bescheinigt. Die getesteten Spiele seien flüssig gelaufen, keinem Probespieler sei übel geworden. Das Tracking mit nur einer Kamera wird von PSVR als Schwachpunkt dargestellt, der den Spielspaß limitieren könne.

9. Für wen lohnt es sich, jetzt zuzuschlagen?

Wenn VR ein Erfolg wird, wird es wohl in einigen Jahren deutlich bessere Headsets und Controller auf dem Markt geben. Die jetzige Generation der Modelle, auch von Oculus Rift und HTC Vive, dürfte dann verramscht werden wie heute alte Rock-Band-Sets oder Tanzcontroller.

Wer keinen High-End-PC, aber eine Playstation 4 besitzt und etwas mehr als 500 Euro ausgeben will, für den ist PSVR vermutlich dennoch ein guter Einstieg in die VR-Welt - vor allem in Kombination mit den Move-Controllern. Wer denkt, Playstation VR werde seinen Spielalltag revolutionieren, sodass man nie wieder zu normalen Spielen zurück will, der erwartet zu viel. Wer jetzt schon VR will, sollte darauf gefasst sein, noch kein rundum perfektes Nutzungserlebnis zu bekommen. Er bekommt aber etwas, was es in dieser Qualität auf Spielekonsolen noch nicht gab - und etwas, was wie einst die Wii garantiert reicht, um selbst Nichtspieler zu beeindrucken.


Hinweis: Während einige US-Medien bereits vor gut einer Woche ihre Testberichte veröffentlichen konnten, haben wir von Sony bis Mittwochmittag noch kein Testexemplar von Playstation VR bekommen. Die Einschätzungen basieren daher auf unseren Erfahrungen mit Vorabversionen des Sets, die wir auf Messen wie der E3 und der Gamescom ausprobieren konnten.



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
cor 12.10.2016
1. Wer billig kauft, bekommt halt billig
960 x 1080 Pixel je Auge und 100 Grad Sehfeld sind eigentlich ein ganz schlechter Witz im Jahr 2016. Vermutlich wird das vielen Spielern erst mal ausreichen, die nicht ganz so viel Geld ausgeben wollen.
MKAchter 12.10.2016
2. Realität
Es muss ja jeder selbst wissen, was er braucht und ihm Spaß macht... Mir reicht jedenfalls die "reale Realität"; ich muss mir nicht auch noch auf diese Weise eine vorgaukeln lassen.
swnf 12.10.2016
3. Beeindruckend
Hatte bisher nur eine Samsung Gear VR auf dem Kopf und fand das Ergebnis höchstens interessant, aber auch nicht mehr! Letzte Woche hatte ich jedoch die Möglichkeit die PSVR für 10 Minuten in einem Sony Laden zu testen und war schwer beeindruckt! Das hat richtig Spaß gemacht! Leider fehlt mir jetzt noch der Vergleich zu Rift und Vive, aber da ich eine PS4 und Move Controller schon zuhause habe, mein Gaming PC für Rift &Co. aufgerüstet werden müsste, fällt die Wahl nicht sonderlich schwer, falls ich mich demnächst dazu entscheiden sollte VR eine Chance zu geben... (mal abwarten, was da an Spielen noch so kommt)
porlox 12.10.2016
4. Etwas für Fan's
Sony hält zur Zeit 399,- EUR für eine magische Zahl, mit der sich angeblich Konsumer leicht anfreunden können. Daher hat man das benötigte Zubehör erst gar nicht preislich benannt. Auch nicht unwichtig ist die Aktionsfläche, die benötigt wird. 2m breit und 3m von der Glotze weg ist nicht viel aber leider auch in vielen Zockerstuben nicht immer umsetzbar. Meine Prognose: Zu Beginn ist alles toll und nur wenig später wird das Teil in der Ecke liegen. In Kürze wird Sony die PS4 Pro auf den Markt bringen. Das Verkaufsargument ist UHD, was das VR-Set nicht unterstützt. Unsinn made by Sony.
ole#frosch 12.10.2016
5. hoffentlich gibt es das bald beim Zahnarzt
Ich denke vr lässt sich dort gut zur Ablenkung bei größeren Eingriffen einsetzen.
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