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17. April 2015, 08:11 Uhr

Spiel "Please, Don't Touch Anything"

Sie sollten doch nichts anfassen!

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Alles eine Frage der Selbstbeherrschung: Im Download-Titel "Please, Don't Touch Anything" muss sich der Spieler zusammenreißen. Und das ist natürlich vollkommen unmöglich. Genau deshalb macht das Retro-Spiel viel Spaß.

Der rote Knopf ist einladend. Aber: Ich darf ihn nicht drücken. Bloß nicht. Der Mensch, der ihn sonst beaufsichtigt, musste mal kurz um die Ecke, nur ein paar Minuten. Und ich bin allein mit dem roten Knopf. Ich schaue ihn an, habe die mahnenden Worte im Kopf. Aber, denke ich, vielleicht. Nur einmal. Wird schon nichts passieren. Ich grübele. Was macht der Knopf? Er könnte für alles Mögliche da sein.

Und klar: Ich drücke ihn. Ist ja nur ein Spiel, warum sollte ich da Selbstdisziplin beweisen. Kann ja nichts passieren. Außer dem Atompilz, der jetzt auf dem Monitor auftaucht. Vor Kurzem war dort eine Stadt. Kann ja mal passieren.

Das aus einem Game Jam, also bei einem Programmierwettbewerb entstandene "Please, Don't Touch Anything" ist erst einmal mehr Experiment als Spiel. Kann man Menschen tatsächlich vor ein pixeliges Bild mit einem leuchtend roten Knopf in der Mitte setzen und von ihnen verlangen, nichts zu tun? Werden sie sich an Anweisungen halten?

Natürlich nicht. Das wäre übermenschlich. Ein Knopf ist ja viel zu spannend. Wo einer ist, muss er gedrückt werden. Kennt man ja von Kindern; Erwachsene haben den gleichen Impuls, können ihn aber besser kontrollieren.

Meistens.

Bei "Please, Don't Touch Anything" aber nicht. Ich bin neugierig. Drücke den roten Knopf wieder. Diesmal einige Male hintereinander, worauf sich diverse Klappen öffnen, weitere Knöpfe erscheinen. Klapphebel, nummerierte Knöpfe, solche, die an den Spieleklassiker "Senso" erinnern. Dazu ein Schraubenzieher, ein Hammer. Und natürlich muss ich alles ausprobieren.

Was passiert, wenn? Ich teste neue Kombinationen, entschlüssele kryptische Anweisungen auf einem Poster und handle nach ihnen. Will immer wieder neue Enden für das Spiel finden. Es bleibt nämlich nicht immer dabei, dass die Stadt in einem Atompilz verglüht. Und so wird aus einem simplen roten Knopf ein richtiges Spiel, in dem man viel überlegt, sich immer wieder ärgert, sich den Kopf zerbricht, und viel Zeit mit der Suche nach neuen Lösungen verbringt.


"Please, Don't Touch Anything" von Four Quarters, Download für PC, circa 5 Euro

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