Manipulation "Pokémon Go"-Cheatern droht der Rauswurf

Bei der virtuellen Monsterjagd greifen manche Spieler zu unerlaubten Mitteln. Der Hersteller von "Pokémon Go" will dagegen hart durchgreifen. Dabei droht weit Schlimmeres als der Verlust des Accounts.
"Pokémon Go"

"Pokémon Go"

Foto: CHRIS HELGREN/ REUTERS

Ein Wettkampf als ehrlicher Sportler gegen gedopte Konkurrenten ist aussichtslos und frustrierend. Das gilt nicht nur bei den Olympischen Spielen. Auch ein ehrlicher "Pokémon Go"-Spieler hat keine Chance gegen Konkurrenten, die ihre Monster nicht zu Fuß erjagt, sondern mit technischen Tricks in großem Stil abgeerntet haben. Aber Hersteller Niantic will jetzt hart durchgreifen: Wer beim Betrügen erwischt wird, dem droht der Verlust seines Accounts. Und zwar für immer.

Haben Sie auch seit Wochen Kilometer um Kilometer zurückgelegt, Rattfratze, Taubsis  und höhere Chargen fleißig eingesackt, eingetauscht oder aufgepäppelt? Und nach emsigem Training waren Sie dann irgendwann soweit, den ersten Kampf in einer Arena zu wagen? Und dort ist Ihre doch eigentlich ganz ansehnliche Monsterbande gnadenlos vermöbelt worden und vollkommen chancenlos untergegangen? Dann gibt es zwei Erklärungen: Die siegreichen "Pokémon Go"-Trainer haben halt schon länger oder fleißiger gesammelt und gepäppelt. Oder sie haben dem Erfolg etwas nachgeholfen und betrogen - "gecheated".

Erlaubt ist das nicht - im Gegenteil, mit der Zustimmung zu den TOS, den "Terms of Service" verpflichtet sich jeder "Pokémon Go"-Spieler, technische Tricksereien zu unterlassen. Und auch bislang schon drohte im Falle des Zuwiderhandelns eine Sperre.

Jetzt wird Niantic konkreter: In der kürzlich aktualisierten Version der "Fragen-und-Antworten"-Seite  präzisiert der Hersteller, was genau als Cheating und Verletzung der TOS betrachtet wird und zu einer endgültigen Account-Sperre führen kann: "die Vortäuschung eines falschen Standortes, die Verwendung von Emulatoren oder modifizierter oder nicht-offizieller Software, oder der Zugang zu "Pokémon-Go"-Diensten in unautorisierter Weise, einschließlich durch die Software von Drittanbietern."

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Gegen "Drittanbieter" war Niantic in letzter Zeit sehr konsequent und mit hartem juristischen Geschütz vorgegangen . Besonders im Visier: Die Bot-Programmierer, deren Apps direkt die Softwareschnittstelle, die API der "Pokémon Go"-Server angezapft hatten . Und mit deren Tools man als Cheater dann ein Pokémon vollautomatisch zum Superhelden heranzüchten konnte.

Im Vergleich mit dem Einsatz von Bots erscheint das "Vortäuschen eines Standortes" schon fast wieder harmlos. Technisch funktioniert das mittels "GPS-Spoofing": Eine spezielle App gaukelt anderen Programmen dabei statt der tatsächlichen Smartphone-Position frei gewählte Geodaten vor - also statt der heimischen Couch den Stadtgarten. Oder gleich die chinesische Große Mauer.

GPS-Spoofing-Cheater sollten sich übrigens nicht darauf verlassen, dass Niantic mit der Accountsperre leere Drohungen verbreitet. Anscheinend kann der "Pokémon Go"-Hersteller bei vielen Usern die Ortsdatenmanipulation durchaus erkennen; einem Android-Smartphone lassen sich nämlich trotz Spoofing offenbar auch noch ein paar echte GPS-Daten entlocken .

iOS ist da diskreter - hier setzt der Einsatz von Spoofing-App einen Jailbreak voraus; oder man installiert sich unter Umgehung aller Sicherheits- und Vernunftkriterien eine Entwicker-signierte App aus obskurer Quelle. Und das Spoofen nicht per App, sondern per direkter Manipulation des GPS-Signals , ist nur etwas für Hartgesottene - da könnten dann auch schon mal ein Messtrupp und die Polizei vor der Tür stehen.

Ein kleiner Trost für ehrliche Spieler: Cheater müssen höllisch aufpassen, dass sie sich nicht Malware installieren. Wenn erstmal intime Fotos oder die Bankdaten im Netz kursieren, oder das Gerät schön säuberlich verschlüsselt ist, dann ist das vielleicht noch deutlich schmerzhafter als der Verlust des "Pokémon Go"-Accounts. (Wer sich zu Unrecht gesperrt fühlt, kann übrigens Einspruch einlegen.) Aber mal grundsätzlich: Was macht eigentlich Spaß daran, per Bot und Cheat anderen den Spaß zu verderben? Sport-Doper mag ja auch niemand leiden.

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