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"Pokémon Go": Noch immer beliebt in vielen Ländern

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Spiele-App "Pokémon Go" verliert Millionen Nutzer - der Erfolg bleibt

Seit Mitte Juli soll "Pokémon Go" rund 15 Millionen Nutzer verloren haben. Ein Flop ist die App deshalb nicht: Sie ist schon jetzt ein Meilenstein der Spielegeschichte, trotz mancher Schwächen.

Es klingt wie Nintendos größter Albtraum: Binnen vier Wochen hat "Pokémon Go", die wohl populärste Spieleneuheit dieses Sommers, laut Marktforschern rund 15 Millionen täglich aktive Nutzer verloren . Und auch die Downloadzahlen sinken, dazu gibt es offenbar einen Rückgang bei der durchschnittlichen Spielzeit. Ist der Hype vorbei, wie zum Beispiel das Branchenmagazin "Meedia" titelt ?

Wohl kaum. 15 Millionen täglich aktive Nutzer muss man erst einmal verlieren können. Der App bleiben noch ungefähr 30 Millionen täglich aktive Nutzer, zitiert "Bloomberg"   Schätzungen von "Apptopia". Ein unfassbar populäres Spiel wird gerade zu einem nur noch sehr beliebten.

In vielen Ländern erscheint das Spiel erst jetzt. Bilder aus Taiwan oder Thailand bieten einigen Interpretationsspielraum (beim "Time"-Magazin etwa assoziiert man Endzeitszenarien mit den Fotos ). Sie zeigen: Diese App ist nicht am Ende. Auch im deutschen Straßenbild ist "Pokémon Go" noch immer präsent, ob nun auf der Kölner Domplatte oder am Jungfernstieg in Hamburg. Spannend wird hier die Frage, wie sich der Schulstart auf die App-Nutzung auswirkt.

Niantic tut zu wenig, um Spieler dauerhaft zu halten

Dennoch tut "Pokémon Go"-Hersteller Niantic bislang zu wenig, um Spieler dauerhaft zu fesseln. In ländlichen Gegenden etwa ist "Pokémon Go" bis heute ein eher frustrierendes Erlebnis. Der Autor dieses Artikels etwa hat in Hamburg ein Dutzend Poké-Stops in seiner Umgebung. In seiner Heimat, einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen, ist der nächste Poké-Stop dagegen kaum noch auf der digitalen Landkarte zu erkennen.

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Ein weiteres großes Problem von "Pokémon Go" ist die fehlende Interaktion mit anderen im Spiel selbst. Weil man nicht direkt gegen Freunde und deren Pokémon antreten kann, trifft man in den Kampf-Arenen vor allem auf Vielspieler. Gegen deren Monster hat man als Gelegenheitszocker keine realistische Chance.

Ein wenig ist das so, als könnte man in "Fifa" nur online gegen die besten Spieler überhaupt antreten, nicht aber gegen den Couch-Kumpel nebenan. Je später man bei "Pokémon Go" einsteigt, desto schwieriger ist es, erfolgreich zu sein.

Zuletzt ist auch noch Niantics Update-Politik, kombiniert mit technischen Schwächen, negativ aufgefallen: "Pokémon Go" hatte aufgrund des großen Interesses häufig Serverprobleme. Manche Aktualisierung brachte zuletzt auch mehr Nutzerärger über neue Schwierigkeiten als Freude über neue Funktionen.

"Pokémon Go" ist ein Meilenstein

Doch selbst wenn die Nutzerzahlen der App erwartungsgemäß weiter sinken werden, bis sie sich auf einem niedrigeren Niveau einpendeln, ist und bleibt "Pokémon Go" ein Meilenstein der jüngeren Spielegeschichte. Einerseits, weil es Niantic unterm Strich doch halbwegs überzeugend gelungen ist, ein Angebot bereitzustellen, das selbst Gelegenheitsspieler anspricht und das Potenziale von ortsbasierten und Augmented-Reality-Spielen für die Zukunft erahnen lässt.

Anderseits, weil "Pokémon Go" eindrucksvoll bewiesen hat, wie groß die Strahlkraft von Nintendo-Marken noch immer ist, wie sehr sie junge wie ältere Gamer zusammenführen können. Nintendo hat dafür keine konkreten Pläne, aber potenziell könnte ein guter "Super Mario"-, "Mario Party"- oder "Mario Kart"-Ableger fürs Smartphone wohl den Erfolg von "Flappy Bird" locker übertrumpfen.

Hypes sind eben nicht haltbar

"Flappy Bird" zeigte 2014 wie auch "Quizduell", dass ein App-Hype selten Monate oder gar Jahre anhält. Letzteres Mehrspielerspiel wird heute noch von einer beachtlichen Zahl Menschen gespielt, Gesprächsthema ist die App aber längst nicht mehr.

Bei fast jedem Spiel ist es also so, dass bald Spieler wegfallen, die nur neugierig waren oder denen es langfristig an Zeit oder Interesse fehlt. Bei "Pokémon Go" dürfte die Mehrheit der Nutzer in diese Gruppe fallen, zumal die App an sich kostenlos und die Einstiegshürde niedrig ist.

Nach dem Hype wird es erst spannend

Sind die Massen weg, bleibt meistens eine je nach Spiel kleinere oder größere Menge Hardcore-Fans, so wie es auch bei "Ingress" der Fall ist, dem vorherigen Spiel der "Pokémon Go"-Macher. Eine bekannte App wie "Pokémon Go" dürfte außerdem noch neue Nutzer gewinnen, die erst nach dem Hype einsteigen und auf eine bestimmte Funktion warten oder bis die Server stabil laufen.

Welche Auswirkungen "Pokémon Go" auf den Spielmarkt hat, wird sich wohl erst in einigen Monaten deutlich zeigen: Dann dürften Handy-Spieler wohl diverse vom Niantic-Erfolg inspirierte Apps erwarten. Ein Riesenhype löst nämlich fast immer auch einen App-Trend aus. Was "Pokémon Go" gestartet hat, ist also allein deshalb noch lange nicht vorbei.


Zusammengefasst: Marktforschern zufolge kommt "Pokémon Go" aktuell auf 30 Millionen tägliche aktive Spieler. Das sind 15 Millionen weniger als noch vor vier Wochen, aber immer noch extrem viele. Die Zahlen lassen erahnen, dass Niantic viel, aber nicht alles richtig gemacht hat und dass Nintendo-Figuren noch immer die Menschen begeistern.


Artikeltipp aus dem Archiv: Fast im Stundentakt stieß man nach Erscheinen der App auf neue kuriose Geschichten zu "Pokémon Go". Können Sie echte Vorfälle rund um das Smartphone-Spiel von fiktiven unterscheiden? Testen Sie Ihr Wissen im Quiz.

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