Porno-Videospiel »Subverse« Der Sex ist außerirdisch

Mit »Subverse« hat es ein Sextitel in die Top Ten der Verkaufscharts von Steam geschafft. Doch bietet das von Fans mitfinanzierte PC-Spiel mehr als nur nackte Haut? Unser Autor hat es getestet.
Spielszene aus »Subverse«: Das höchste der Gefühle ist ein Orgasmus-Button

Spielszene aus »Subverse«: Das höchste der Gefühle ist ein Orgasmus-Button

Sex sells. Dass in dieser angestaubten Marketingphrase noch immer ein Funken Wahrheit steckt, scheint das Videospiel »Subverse« zu belegen. Ende März kletterte es in den Charts der PC-Spieleplattform Steam auf Rang zwei, nur das zuletzt viel gehypte »Valheim« verkaufte sich noch besser. So ein Indie-Chartstürmer wäre eine Randnotiz, gäbe es in »Subverse« nicht jede Menge expliziten Sex. Denn an diesem gibt es online zwar reges Interesse, aber in Videospielform verkauft er sich längst nicht überall.

Auch im Browserfenster neugieriger Kundschaft aus Deutschland steht zu »Subverse« Abtörnendes: »Dieses Produkt steht in Ihrem Land derzeit nicht zur Verfügung.«

Dahinter steckt eine Entscheidung von Valve aus dem Dezember. Die Steam-Betreiberfirma hatte damals in Ermangelung einer jugendschutzgerechten Altersverifikation für Sex- und Pornospiele kurzum die gesamte Kategorie der »Adult Only«-Games für Nutzerinnen und Nutzer aus Deutschland gesperrt – den jetzigen Verkaufsschlager inklusive. Den Erfolg von »Subverse« macht die Sperre also noch beachtlicher, denn vor Valves Eingriff verkauften sich Sexspiele auch auf dem deutschen Markt  gut.

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So spielt sich »Subverse«

Der Blockbuster unter den Pornospielen?

Die Entwicklung von »Subverse« hatte vor zwei Jahren mit knapp zwei Millionen Euro begonnen, die Finanzspritze kam per Kickstarter von interessierten Spielefans. Gehofft hatte das Studio FOW, das seitdem laut eigenen Angaben kein Geld mehr für Marketing ausgegeben hat, auf mindestens 117.000 Euro.

Der unerwartete Erfolg der Kickstarter-Kampagne genügte, um »Subverse« durch Mundpropaganda zum Star auf dem wachsenden Markt explizit erotischer Spiele zu machen. Das Versprechen: ein echtes Spiel mit echter Story und echtem 3D-Sex, nicht bloß ein Schiebepuzzle mit erotischen Bildchen.

Anders als schlichte Hentai-Illustrationen, die auf Steam gern mit noch schlichterem Gameplay kombiniert werden, inszeniert sich »Subverse« als cineastisches Spektakel. Das Spiel, dessen Produktionskosten mit denen aufwendigerer Indie-Games vergleichbar sind, wirkt in seinen besten Momenten auch tatsächlich wie eine auf Hochglanz polierte Erotikparodie, die mit aufwendig animierten 3D-Modellen und professionellen Sprecherinnen Eindruck schindet.

Bis die Spielerinnen und Spieler – vermutlich sind es vor allem Spieler – diese 3D-Modelle nackt sehen, brauchen sie viel Geduld. »Subverse« ist weniger ein ausschweifendes Sexabenteuer als eine augenzwinkernde Weltraumsaga, die erstaunlich viel Wert auf ihre Geschichte legt. Darin muss der namenlose Captain mit seiner Crew aus promiskuitiven Wissenschaftlerinnen und Weltraumpiratinnen das puritanische Imperium stürzen.

»Leisure Suit Larry« im All

Auf dem Weg dahin wird viel geballert. Den spielerischen Mittelpunkt von »Subverse« bilden ein Top-Down-Raumschiff-Shooter sowie rundenbasierte Taktikgefechte gegen dildobehangene Robotersoldaten. Beides spielt sich solide, ist angesichts Hunderter ähnlicher Indie-Titel aber kaum bemerkenswert. Mit den cineastischen Trailern zu »Subverse« hat das Ganze wenig zu tun. Auch der Sex beschränkt sich im Spiel zunächst auf Anspielungen, etwa in Form der phallusförmigen Raumschiffe der feindseligen (und latent homophob dargestellten) »Fuccbots«.

Die Action in der Kapitänskajüte schließlich erinnert an eine pornografisch angehauchte Powerpoint-Präsentation. Das höchste der Gefühle ist ein Orgasmus-Button, der in Endlosschleife abgespielte Rein-raus-Animationen unspektakulär beendet. Diese Bettgeschichten sind so sehr vom Rest der Geschichte losgelöst, dass man die Existenz dieses abgetrennten Spielmodus namens »P.A.N.D.O.R.A.« zwischen Weltraumschießereien und zweideutigen Dialogsequenzen fast vergessen könnte.

Manche Fans des Spiels hat diese Umsetzung des Sexteils ziemlich enttäuscht. Die Entwickler versprechen ihnen für künftige Updates des Early-Access-Titels nun ausgefallenere Animationen und eine engere Verknüpfung von Story und Sex. Außerdem liebäugeln sie mit einem interaktiven Virtual-Reality-Modus. Bis so etwas aber wirklich im Spiel auftaucht, steht »Subverse« mit seinem von popkulturellen Referenzen geprägten Humor eher in der Tradition von altbackenem Erotik-Klamauk wie »Leisure Suit Larry«.

Subversives gibt es woanders

Was die 3D-Szenen angeht, unterscheidet sich der pornografische Part von »Subverse« bis auf ein paar Tentakel kaum von dem, was man sich jenseits des Spiels auf einschlägigen Clip-Plattformen anschauen kann. Dort lassen sich auch ältere, oft von Gewalt durchzogene Filmchen des Studios finden. Ein Video mit Rotkäppchen und dem bösen Wolf brachte dem Team von FOW sogar bereits eine permanente Sperre auf der Aboplattform Patreon ein.

Von den Grenzüberschreitungen solcher Clips ist »Subverse« weit entfernt. Trotz seines Namens ist das Spiel wenig subversiv und auf Mainstream-Tauglichkeit ausgelegt. Subversiven Videospielsex findet man weiter eher in kleineren Spielen wie der queeren Cyberpunk-Visual-Novel »Hardcoded«.

Die »Subverse«-Entwickler überwinden zwar die Verklemmtheit, für die selbst für intime Romanzen bekannte Blockbuster wie »Mass Effect« stehen. Doch detailliert animierte Genitalien und fehlende Berührungsängste mit Pornografie sind noch nicht genug, um aus dem Thema Sex ein wirklich gutes Spiel zu machen.

Die Ambitionen der Macher sind dennoch erkennbar, genau wie das Interesse eines breiten Publikums. Und seine auf Hochglanz polierte Präsentation dürfte »Subverse« helfen, nicht sofort in der Schmuddelecke zu landen. Man kann dieses Spiel herunterladen und besitzen, ohne sich dafür schämen zu müssen, anders bei manch anderen Sex-Games.

Bald sollen übrigens auch Spielerinnen und Spieler aus Deutschland »Subverse« kaufen können, über eine Downloadplattform namens Streemster. Bislang allerdings ist diese mit vielen Buzzwords angekündigte Website noch nicht erreichbar.