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Digital oder gezeichnet: Spiel-Filme mit Wachstumspotential

Produktionen zu Games Die Zukunft der Spiel-Filme

Aus Games werden Filme: Viele Spiel-Studios wandeln sich und produzieren abendfüllende Filme. Daran sind nicht nur kleine Klitschen mit Minimalbudgets beteiligt. Manches Unternehmen besitzt längst eigene Filmstudios - und sogar Oscarpreisträger mischen im neuen Markt mit
Von Gregor Wildermann

Hollywood an einem Sonntag. Der Abend der Oscar-Verleihung hat die ersten Preisträger gesehen. Eine sichtlich ergraute Angelina Jolie tritt auf die Bühne des Kodak Theater, öffnet nach einer kurzen Laudatio einen Umschlag und setzt dann zum berühmten Satz an: "Und der Oscar für den besten Film basierend auf oder zu einem Computerspiel geht an...."

Zugegeben, das ist frei erfunden und die Frage, ob es diese Kategorie jemals geben wird, würde die dreifache "Tomb Raider"-Darstellerin Angelina Jolie wohl selbst mit einem Achselzucken beantworten. Beobachtet man jedoch die Bemühungen von einigen der weltweit größten Computerspielpublisher kann man eine Entwicklung beobachten, die sich für beide Branchen als fruchtbar erweisen könnte.

Kinofilmen

Schon seit Jahren wird von der Verschmelzung zwischen Spiel und Film gesprochen, jedoch waren die Ergebnisse oft für beide Seiten und auch das Publikum eher frustrierend. Verfilmungen von Videospielen wie "Doom" oder "Blood Rayne" endeten meist als peinlicher Trash. Videospiele basierend auf wurden von Fachpresse und Publikum reihenweise mit Tiefstbewertungen abgestraft.

Doch nun zeichnet sich ein dritter Weg ab, der als Teil einer Entwicklung mit dem noch etwas sperrigen englischen Fachbegriff "Cross Media Convergence" bezeichnet wird. Neben Merchandise, Lösungsbüchern, Romanen und Comics produzieren immer mehr Videospielentwickler eigene Spielfilme, die zwar parallel zu einem Spiel erscheinen, im besten Fall aber auch als völlig eigenständige Unterhaltung funktionieren können. Konnten Studios früher gerade mal verlängerte Werbetrailer produzieren, werden jetzt mit Oscars ausgezeichnete Produzenten, Drehbuchschreiber und internationale Studios angestellt oder gleich aufgekauft.

Die Entwickler wagen sich mehr und mehr an eigene "Spiel-Filme"

Animationsfilme

Begonnen hat diese Entwicklung vor einigen Jahren in Japan. In einem der Mutterländer der Videospielkultur liebt das Publikum epische Kampfszenen, herzzerreißende Liebesdialoge und filmreife Duellsequenzen. "Cut Scenes" mit bis zu 20 Minuten Länge sind in japanischen Videospielen keine Seltenheit. Da lag es nahe, für die besonders erfolgreichen Spielreihen gleich einen ganzen Film zu produzieren. Vor allem als hoch auflösende Blu-Ray finden sich abendfüllende wie "Final Fantasy 7 - Advent Children" oder "Resident Evil - Degeneration" mittlerweile bei so manchem Spielefan im Sammlerregal. Lobende Kritiken in Kinomagazinen und Blogs beweisen aber auch, dass der Reiz dieser digitalen Erzählwelten sich durchaus auch Nichtspielern erschließt.

Auch westliche Publisher erkannten den Reiz der vom eigentlichen Spiel losgelösten Filme. Microsoft und der zeitweise fest eingekaufte Entwickler Bungie vergaben 2009 diverse Aufträge zum Projekt "Halo Legends". Daraus entstand eine beeindruckend vielfältige Sammlung von Kurzfilmen, von Studios wie Toei Animation, Production I.G, Casio Entertainment, Bones oder Studio4°C. Ähnlich ging die US-Firma Electronic Arts den Animationsfilm zum Spiel "Dante's Inferno" an, bei dem Regisseure wie Shuko Murase oder Synchronsprecher wie Mark Hamill (Luke Skywalker aus "Krieg der Sterne") eingebunden wurden. Für die "Dead Space"-Spielreihe wurden gleich zwei Animationsfilme veröffentlicht, die als erzählerisches Bindeglied jeweils die Vor- und Zwischengeschichte erzählen.

Neben diesen Auftragsproduktionen wagen sich die Entwickler jedoch mehr und mehr an eigene "Spiel-Filme". Für den zweiten Teil von "Assassins Creed" setzte Regisseur Yves Simoneau für die französische Firma UbiSoft mit insgesamt 190 Personen über 15 Tage das Drehbuch zu "Lineage" um. Der erste Teil von "Lineage" wurde zuerst auf YouTube präsentiert und erreichte stolze vier Millionen Zuschauer. Danach lief der komplette Film beim Musiksender MTV und fand sich dann auch noch als Teil der limitierten Edition des Spiels.

Das allein könnte man als geschickte Werbemaßnahme verstehen, doch Ubisoft selbst kaufte unlängst die in Montreal ansässige Firma Hybride-Studio auf und will langfristig sich selbst als Multimediafirma etablieren. Der 30 Minuten lange Film "Alpha" zum kommenden Shooterspiel "Tom Clany's Advanced Warfighter" wurde von dem jungen Regieduo Herve de Crecy und Francois Alaux abgedreht - beide hatten im Vorjahr mit "Logorama" den Oscar für den besten animierten Kurzfilm gewonnen. Auch der Drehbuchautor Timothy J. Sexton und die beteiligte Produktionsfirma von Ridley Scott haben eine der golden Statuen am Kaminsims stehen.

Gutes Gameplay macht noch keinen guten Film

Auf Kooperation setzt auch der Publisher THQ, die in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Spartenkabelsender SyFy einen Spielfilm namens "Red Faction - Origins" gerade abdrehen lassen. Als Hauptdarsteller konnte man unter anderem Robert Patrick (der T-1000 aus "Terminator 2") verpflichten. Der Film erscheint im April kurz vor der Veröffentlichung des Spiels "Red Faction Armageddon".

Im Interview zeigt Lenny Brown (im Titel Director of Creative Business Development) genau auf, worin die Herausforderung eines Filmes liegt, der eigentlich auf einem Shooterspiel basiert. "Wer an ein Spiel wie Red Faction denkt, dem wird zuerst einfallen, dass man dort allerlei sehr gut in die Luft jagen kann. Was der Entwickler Volition da eingeführt hat, mag zwar für den Spieler gutes Gameplay bedeuten, lässt sich aber eben nicht unbedingt sofort in einen guten Film verwandeln." Die Hintergrundgeschichte des Spiels aber, die vom Leben und Überleben auf dem Mars handelt, habe aber durchaus Potential: "Die Schauspieler können solche emotionalen Faktoren eher auf der Leinwand umsetzen."

In der Reihe kommender "Spiel-Filme" finden sich nicht nur Produktionen für ein erwachsenes Publikum, das entsprechende Schauspieler oder Regisseure schon kennen könnte. Die englischen Aardman-Studios, bekannt geworden durch diverse Filme mit animierten Knetfiguren wie z.B. "Wallace & Gromit", produzierten vor einem Jahr zwölf Kurzfilme für Nintendo. Ende März erscheinen weitere Kurzfilme mit "Shaun das Schaf", die von Aardman Animations in 3D für die neue Mobilkonsole 3DS umgesetzt werden.

David Sproxton, Produzent und Regisseur, sieht das als ganz natürliche Entwicklung. "Die ersten Filme der Aardman Studios waren wenige Minuten lang und erst später haben wir gewagt, lange Spielfilme zu machen, die dann auch im Kino gezeigt werden konnten." Man habe sich, unabhängig von der Länge des Films oder der Plattform, immer "an der Qualität der Geschichte" orientiert.