Angriffe auf Spielenetzwerke "Eine große Marketingmaßnahme"

Noch immer ist unklar, mit welcher Motivation die Spielenetzwerke von Sony und Microsoft lahmgelegt wurden. Doch jetzt gibt es eine neue, plausible Theorie: Womöglich will die Gruppe Lizard Squad einfach Geld verdienen.

Playstation-Stand auf einer Spielemesse: Das Online-Netzwerk PSN war wie Xbox Live von Überlastungsangriffen betroffen gewesen
DPA

Playstation-Stand auf einer Spielemesse: Das Online-Netzwerk PSN war wie Xbox Live von Überlastungsangriffen betroffen gewesen


"Auf die schlechte Computersicherheit der Unternehmen hinweisen", "Unterhaltung" - schon am Wochenende kursierten im Netz mehrere Erklärungen dafür, warum jemand die Spielenetzwerke PSN und Xbox Live angegriffen hatte, ausgerechnet um Weihnachten herum. Geäußert hatten sich angebliche Mitglieder von Lizard Squad, einer Gruppe, die sich öffentlich zu den Überlastungsangriffen auf Sonys und Microsofts Netzwerke bekannt hatte.

Seit Dienstag gibt es nun eine weitere mögliche Erklärung für die tagelangen DDoS-Attacken, mit denen zwar keine Daten erbeutet, aber ganze Websites lahmgelegt werden können. Das Online-Magazin "Daily Dot" berichtet, Lizard Squad wolle den DDoS-Service, der bei den Attacken zum Einsatz kam, nun auch anderen zur Verfügung stellen - gegen Bezahlung. Womöglich waren die Angriffe auf die Netzwerke also nur Werbung, eine Leistungsschau für den Lizard Stresser getauften Dienst.

"Daily Dot" schreibt, der registrierungspflichtige Dienst stehe seit Dienstagmorgen im Netz und lasse sich gegen beliebige Websites und Online-Dienste einsetzen, wie eben PSN und Xbox Live. Ein mutmaßliches Lizard-Squad-Mitglied mit dem Pseudonym "Dragon" habe das Magazin auf den Dienststart aufmerksam gemacht. Im Chat mit "Daily Dot" erzählte "Dragon", die Veröffentlichung des Lizard Stresser sei der letzte Schritt der Gruppe, bevor sie "zurück in die Höhlen verschwinden", aus denen sie gekommen seien. Die Attacken auf PSN und Xbox Live seien "eine große Marketingmaßnahme" gewesen.

Wer sich auf das dubiose Angebot einlässt und sich für den Lizard Stresser anmeldet, wird laut "Daily Dot" zunächst auf die schlagzeilenträchtigen Attacken von Lizard Squad hingewiesen. Anschließend kann man sich zwischen mehreren Angriffen entscheiden. Die Preise sollen je nach gewünschter Länge zwischen sechs und 130 Dollar pro Monat liegen, bezahlt wird mit der Kryptowährung Bitcoin. "Dragon" zufolge soll das Angebot innerhalb der ersten drei Stunden bereits von 25 Kunden wahrgenommen worden sein.

Ob diese Angaben stimmen - und ob "Dragon" tatsächlich im Namen der Lizard-Squad-Mitglieder spricht oder ein Trittbrettfahrer ist, bleibt allerdings offen. "Daily Dot" verweist darauf, dass das Magazin bereits am 26. Dezember mit Lizard-Squad-Mitgliedern in Kontakt war: Damals sei der Tonfall noch ein anderer gewesen.

mbö



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dwarsdriewer 30.12.2014
1. Kriminelle
verkaufen krimielle Programme an Kriminelle. Wenn das mal nicht wie eine Lizenz zum Gelddrucken ist...
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