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E-Sport-Turnier: "PUBG" live in Berlin

Foto: Steve Bülow

"PUBG"-Computerspiel-Turnier in Berlin Zwei Millionen für die Gewinner, wertvolle Extras für die Fans

In Berlin findet ein großes E-Sport-Turnier statt. Für die Profi-Spieler geht es beim "PUBG Invitational" um zwei Millionen Dollar Preisgeld - doch auch für manche Zuschauer ist das Event lukrativ.

Eine Spielfigur liegt in einem Busch, zwei andere Figuren laufen an ihr vorbei. Das ist die Chance, aus der Deckung heraus gleich zwei Treffer zu landen - das Publikum johlt. Solche Spielszenen zählen zu den aufregenderen beim "PUBG Invitational", einem E-Sport-Turnier, das bis Sonntag in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin stattfindet - dort, wo sonst Helene Fischer und Justin Timberlake auf der Bühne stehen.

"PUBG", kurz für "Playerunknown's Battlegrounds", ist ein sogenanntes Battle-Royale-Spiel, in dem es darum geht, als letzter Spieler auf einem kleiner werdenden Spielfeld zu überleben (wie genau das Spiel funktioniert, erklären wir hier).

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E-Sport-Titel: So funktioniert "PUBG"

Foto: Medienagentur plassma

"PUBG" wird normalerweise online gespielt, bis zu 100 Spieler pro Partie duellieren sich von irgendwo auf der Welt aus über den PC, die Xbox One oder das Smartphone. Beim "PUBG Invitational" ist das anders, hier sitzen 80 der besten "PUBG"-Spieler in der Arena direkt nebeneinander.

Sie verteilen sich auf 20 Viererteams, sie alle lockt ein Preisgeld von insgesamt zwei Millionen Dollar nach Berlin - und die Aussicht auf Ruhm, wenn einem die Zuschauer in der Arena und im Livestream bei Gewinnen zujubeln.

Nur für das Erlebnis da

Das "Invitational" ist das erste "PUBG"-Turnier dieser Größenordnung in Deutschland und zumindest ein Gradmesser dafür, wie es um die E-Sport-Begeisterung hierzulande bestellt ist.

"Ich habe schon über 200 Stunden in 'PUBG' gesteckt und bin trotzdem vor allem hier, weil ich die Entwicklung von E-Sport spannend finde", sagt Steve. Der 23-Jährige hat schon am ersten Tag des Events viele andere Menschen getroffen, die selbst nicht "PUBG" spielen, sich aber für das Spektakel interessieren. "Für die ist das wie Fußball, den muss man auch nicht selbst spielen."

Doch eines hat Steve überrascht: Ein Großteil der Besucher in Deutschland sind Chinesen. "Ich wurde von einer chinesischen Reporterin zu dem Turnier befragt. Die war geradezu geschockt, dass es so ein Event zu 'PUBG' in Deutschland bisher nicht gegeben hat", erzählt er. In China sei es viel alltäglicher, dass man ins Stadion geht, um sich ein E-Sport-Spiel anzuschauen.

Pyroeinlagen in halbleerer Halle

Zu sehen gibt es beim "PUBG Invitational" auch jenseits der Partien einiges, die Showeröffnung kommt professionell daher: Menschen seilen sich von der Decke ab und stellen auf der Bühne Kämpfe nach. Pyroeinlagen knallen durch die Halle - die jedoch halbleer ist.

Vielleicht liegt das daran, dass es an einem Mittwoch losgeht, vielleicht wird es bei den Wettbewerben am Wochenende voller. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich in Deutschland noch zu wenig Menschen für "PUBG" als E-Sport interessieren.

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E-Sport-Turnier: "PUBG" live in Berlin

Foto: Steve Bülow

"Ich habe mir direkt Karten für das Finale am Sonntag gesichert", erzählt Martin. Der 29-jährige hat schon mehr als 700 Stunden mit "PUBG" verbracht und wird am Sonntag Freunde treffen, die aus Köln angereist kommen. Auch er interessiert sich für E-Sport, findet aber, dass "PUBG" für Zuschauer nicht das spannendste Spiel ist. "Du hast da 20 Teams mit jeweils vier Spielern, die den größten Teil der Zeit damit verbringen, sich in Häusern zu verschanzen", hat er beobachtet.

Ein Match würde eigentlich erst in den letzten zehn Minuten spannend - dann nämlich, wenn das Spielfeld so klein geworden ist, dass die Spieler sich nicht mehr aus dem Weg gehen können. Interessanterweise sagt sogar Brendan Greene, Erfinder des Spiels, in einem Interview, dass "PUBG" eigentlich noch nicht bereit für den E-Sport sei .

Sie gehen rein und wieder raus und wieder rein

Martin hat gleich für jeden der vier Tage des "Invitational" ein Ticket gekauft. "Eigentlich haben die jeweils 29 Euro gekostet, doch ich habe sie für 15 Euro bekommen", erzählt er. Tatsächlich wurden die Tickets durch Rabattaktionen bereits nach kurzer Zeit günstiger angeboten - ein Hinweis darauf, dass das Interesse der Fans geringer war als erwartet. Auch Martin sagt: "Der Anreiz für mich war weniger das Turnier, sondern die Möglichkeit, Geld zu verdienen."

Praktisch läuft das so: Jeder Besucher bekommt beim Einlass in die Halle drei Codes in die Hand gedrückt, zwei davon schalten in "PUBG" virtuelle Kapuzenpullover mit Motiven der Teams frei, die im Turnier antreten. Diese können sonst im Spiel für zehn Euro erworben werden, der Erlös geht an das jeweilige Team.

Der für Martin wichtige Code ist aber der, der einen besonderen Skin bringt: Besucher des "Invitational" erhalten an jedem der vier Turnier-Tage einen Teil eines Skin-Sets, also einer Sammlung digitaler Kostüme, die im Spiel getragen werden können. Diese "Wasteland Collection" ist exklusiv für die Besucher und wird bereits auf der Ticket-Seite  des Events beworben.

"Es gibt sehr viele Spieler, vor allem aus China, die diese Skins unbedingt haben wollen", sagt Martin. Also verkauft er die Codes kurzum direkt wieder auf Ebay - und macht damit um die 150 Euro pro Code . "Ich kenne Leute, die haben sich viele Tickets gekauft. Die gehen rein und wieder raus und wieder rein, nur um möglichst viele Codes zu bekommen und dann Geld zu verdienen", erzählt er und mutmaßt, dass auch das für den Veranstalter ein Weg sein könne, Tickets zu verkaufen.

Die "PUBG"-Matches in Arena fand Martin zumindest am ersten Tag eher langweilig. "Nach gut zwei Stunden bin ich wieder gegangen, es war auch einfach zu stickig in der Halle." Auch Momente wie der Trick mit dem Busch konnten ihn nicht richtig begeistern. "Wenn etwas Spannendes passierte, wechselte die Kamera wieder", sagt er. "Es sind einfach zu viele Spieler auf dem Spielfeld".

Sollte das Turnier nächstes Jahr noch einmal stattfinden, werde er nicht wieder hingehen, sagt Martin - es sei denn natürlich, es gibt wieder die Möglichkeit, Geld mit Codes zu verdienen.

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