"Quantum Break" durchgespielt Wenn die Zeit ins Stottern gerät

Der heiß erwartete Exklusivtitel "Quantum Break" soll die Xbox One verkaufen helfen. Der Spieler kann darin die Zeit manipulieren - und lange Videos mit Starbesetzung ansehen. Funktioniert das? Der Test.

Microsoft

Plötzlich bleibt die Zeit stehen, mitten im Spiel. Jack Joyce kann durch ein Standbild laufen, Gegner stehen festgefroren, ein umkippender Kran hängt bedrohlich in der Luft, Hämmer, Dosen Schraubenschlüssel ebenfalls.

Joyce kann sie berühren, ein Stück bewegen. Zeit, zu verschwinden, bis die Zeit wieder anläuft. Und das wird sie, noch. Bis zum Ende der Zeit aber ist es in "Quantum Break" nicht mehr weit. Nur Jack Joyce kann es verhindern. Natürlich, wer sonst.

"Quantum Break" ist ein Spiel, das von dem durch "Max Payne" und "Alan Wake" bekannt gewordenen finnischen Studio Remedy exklusiv und mit großem Aufwand für Microsoft entwickelt wurde - und jetzt eine der großen Hoffnungen ist, die schwächelnden Verkäufe der Xbox One anzukurbeln. Neben den "Halo"-Titeln und der "Forza"-Motorsport-Reihe ist da nämlich nicht viel zu holen. "Quantum Break" ist ambitioniert, will Actionspiel und TV-Serie verbinden und hinterlässt zwiespältige Gefühle.

Das Spiel behandelt eines der zentralen Science-Fiction-Themen: die Reise durch die Zeit. Ein schiefgegangenes Experiment führt dazu, dass die Zeit ins Stottern gerät und droht, komplett auszufallen. Während das für die interne Logik des Spiels eine manchmal etwas zu große Herausforderung ist, ist es für das Gameplay eine wunderbare Spielwiese - auch weil Protagonist Jack Joyce einige Werkzeuge an die Hand gegeben werden, die Zeit zu manipulieren.

Figuren, die aus Romanen zu stammen scheinen

Er kann sich in einer Zeitblase schützen, sie verlangsamen, um sich schneller fortzubewegen oder Objekte und Gegner kurz einfrieren. So stoppt er Feinde nicht nur mit Kugeln, sondern auch mit der Zeit, kann aus Hindernissen Brücken bauen, indem er sie neu zusammensetzt: Es sind kleine Spielereien, die immer wieder neu und frisch wirken, auch wenn man sie aus "Max Payne" oder "Alan Wake" schon in Andeutungen kennt. Kombiniert mit den optischen Effekten entstehen so großartige Bilder, die dem Spiel ein einzigartiges Aussehen verleihen.

Die Stärke von Remedy war bisher - neben brillanter Technik - vor allem das Erzählen von Geschichten, die Schaffung von einzigartigen Protagonisten. Der knurrige Noir-Ex-Cop Max Payne oder der zwiespältige Autor Alan Wake sind Figuren, die mehr mit Literatur als mit Spielen zu tun haben. Sie haben ihre eigenen Geschichten erzählt. Aus dem Off, lakonisch mit Klischees spielend und selbstreferenziell.

Diesmal scheint das Vorbild eher das Fernsehen - der Neunziger

In "Quantum Break" hat sich das grundlegend gewandelt. Nur noch selten schaltet sich Jack Joyce ein, um die Geschichte in einem nach den Geschehnissen geführten Gespräch zu kommentieren, nur manchmal trifft man noch auf den Wahnsinn der früheren Spiele, wenn in der Zeit eingefrorene Menschen Songs aus "Alan Wake" singen, oder Remedy-Autor Sam Lake in TV-Sendungen im Spiel auftritt. Die kurzen Szenen der früheren Spiele sind einer zusammenhängenden Erzählung gewichen.

Gleichzeitig wird die Geschichte der Antagonisten im Stil einer Fernsehserie erzählt. Vier mit Schauspielern gefilmte Episoden sind in das Spiel eingeflochten, jede ungefähr 20Minuten lang, keine von ihnen zwingend notwendig zum Weiterspielen. Auch wenn aus "Game of Thrones" oder "The Wire" bekannte Gesichter dabei sind und die Show recht aufwändig produziert ist, bleiben die einzelnen Figuren blass. Ihre Geschichte wird kurz bedeutungsschwanger aufgeblasen, um dann im Nichts zu enden. Tiefe wird angedeutet, wenig ausformuliert.

Die Mischung aus Groschenroman und Ironie, die das Spiel tragen kann, wirkt als tatsächlicher Film billig. Die liebevoll-ironische Distanz geht verloren, auch weil der Remedy-typische Wahnsinn einer glatten Erzählung weicht und so in der TV-Show auf genau das verzichtet, was Fernsehen in den letzten Jahren wieder groß gemacht hat: Erzählungen, die tief, Protagonisten, die nicht einfach, aber spannend sind. "Quantum Break" wirkt dagegen wie ein Überbleibsel aus den Neunzigerjahren, Science-Fiction-Fernsehen von der Stange.

Dazwischen aber nimmt der Kampf zwischen Jack Joyce und seinem ehemals besten Freund Paul Serene immer wieder Fahrt auf. Jack auf Seiten seines genialischen und Zeitmaschinen erfindenden Bruders William, Paul als Leiter des ultrabösen Monarch-Konzerns, der über die Zeit bestimmen will, so wie er schon über das Leben der fiktiven Stadt Riverport bestimmt. Solange man den Controller in der Hand hat, funktioniert das. Und am Ende schreit "Quantum Break" förmlich danach, noch einmal gespielt zu werden. Dort nämlich fügen sich viele kleine Details zusammen, viele Fragen werden beantwortet, einige neu aufgeworfen. So, dass man sofort auf die Suche gehen möchte, Hinweise finden, die Fragen beantworten, die Geschichte zusammenschnüren. Diesmal aber ohne die Fernsehepisoden dazwischen.


"Quantum Break" von Microsoft, für Xbox One und Windows 10, ca. 70 Euro; USK: Ab 16 Jahren



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chaos667 01.04.2016
1. Falscher Autor?
'Neben den "Halo"-Titeln und der "Forza"-Motorsport-Reihe ist da nämlich nicht viel zu holen.' Herr Görig, sind Sie sich wirklich sicher das dies die richtige Kategorie für Sie ist? Als jemand der gerne spielt - egal auf welcher Platform - wundere ich mich doch sehr über die, von Ihnen an den Tag gelegte, Ignoranz bzw. abwertende Haltung gegenüber der Xbox Platform. Was ist mit Spielen wie "Sunset Overdrive", "Gears of War", "Rare Replay", "Ori and the blind forest", "D4: Dark Dreams Come True", "Ryse: Son of Rome" sowie den ganzen 3rd Party Titeln? Sind das alles Dinge mit denen man "nicht viel holen" kann?
Link 01.04.2016
2. Bitte was?
Neben den "Halo"-Titeln und der "Forza"-"Motorsport-Reihe ist da nämlich nicht viel zu holen." Ziemlich unqualifizierte Aussage. Da sind dem Autor mächtig viele Spiele entgangen. Dazu kommt, dass die Xbox One sich weltweit über 20 Millionen mal verkauft hat. Das sollen schwächelnde Verkaufszahlen sein? Im gleichen Zeitraum hat sich die Xbox 360 deutlisch schwächer verkauft. Ich habe auch nur bis zu der o.g. Zeile gelesen. Ich wünsche mir fachlich gute Tests und nicht so einen daher geschriebenen Müll.
bamdaschmu 01.04.2016
3.
Zitat von chaos667'Neben den "Halo"-Titeln und der "Forza"-Motorsport-Reihe ist da nämlich nicht viel zu holen.' Herr Görig, sind Sie sich wirklich sicher das dies die richtige Kategorie für Sie ist? Als jemand der gerne spielt - egal auf welcher Platform - wundere ich mich doch sehr über die, von Ihnen an den Tag gelegte, Ignoranz bzw. abwertende Haltung gegenüber der Xbox Platform. Was ist mit Spielen wie "Sunset Overdrive", "Gears of War", "Rare Replay", "Ori and the blind forest", "D4: Dark Dreams Come True", "Ryse: Son of Rome" sowie den ganzen 3rd Party Titeln? Sind das alles Dinge mit denen man "nicht viel holen" kann?
Nein. Sunset ist zwar nett, aber wird nach 2-3 Stunden langweilig. Gears of War 4 ist noch nicht raus und die anderen 4 Spiele bis jetzt sind 360 Games/nur portierungen. Rare Replay ist eine Collection von alten Games. D4 und Ryse waren nicht nur total schlecht, sondern sind auch bei Kritikern durchgerasselt. Einzig Ori, welches entwicklungstechnisch eine PC Portierung ist, war angenehm gut. Mit anderen Worten: Keines ihrer Beispiele qualifiziert sich als ein positives Beispiel für die One.
ty coon 01.04.2016
4.
Ich brech mal für Herrn Görig eine Lanze: Außer "Halo" und "Forza" ist auf der X1 nicht viel Exklusives zu holen, so! :b Bitte keine Grabenkämpfe hier. Die X1 schwächelt nicht zuletzt deswegen, das hat Herr Görig schon gut erkannt. Ob "Quantum Break" es reißen kann? Für die X360 war immerhin "Alan Wake" ein gutes Kaufargument, ein Spiel aus Sicht eines Schriftstellers mit Stephen-King-Flair, das zumindest mir damals sehr gut gefallen hat. (Und unter uns: "Forza" ist grauenhaft langweilig. "Halo" auch.)
ty coon 01.04.2016
5.
Zitat von LinkNeben den "Halo"-Titeln und der "Forza"-"Motorsport-Reihe ist da nämlich nicht viel zu holen." Ziemlich unqualifizierte Aussage. Da sind dem Autor mächtig viele Spiele entgangen. Dazu kommt, dass die Xbox One sich weltweit über 20 Millionen mal verkauft hat. Das sollen schwächelnde Verkaufszahlen sein? Im gleichen Zeitraum hat sich die Xbox 360 deutlisch schwächer verkauft. Ich habe auch nur bis zu der o.g. Zeile gelesen. Ich wünsche mir fachlich gute Tests und nicht so einen daher geschriebenen Müll.
Danke. Mit diesen Zeilen haben Sie wertvolle Einblicke in die herablassende, intolerante Seele eines typischen Motz-Gamers gewährt. Herr Görig schreibt nicht für eins der einschlägigen Spielemagazine, sondern für "Spiegel online". Er wendet sich somit auch an Leser, die sich allenfalls mal am Rande informieren wollen, was in dieser Ecke der Gesellschaft so los ist. Wem das nicht reicht, für den gibt es genügend spezielle Angebote im Netz. Aber auch dort wird überwiegend nur gemotzt.
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