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Spiele und Filme: Das A bis Z einer schwierigen Beziehung

Foto: Disney

Videogames im Kino Gute Spiele, schlechte Filme

"Ralph reicht's" ist ein Kinofilm über Videospiele - ausnahmsweise ein guter. Bisher gingen die meisten Medienkreuzungen daneben. Ein Glossar über missglückte, mittelmäßige und wenige gelungene Spiel-Filme: von A wie Acht-Bit-Parodien bis Z wie "Zurück in die Zukunft II".

Das Filmjahr ist ein historisches - und das nicht etwa wegen James Bond oder eines Hobbits. Für Videospieler dürfte 2012 in die Geschichte eingehen, weil erstmals ein sehenswerter Film über ihr Hobby ins Kino kam. Ausgerechnet Disney hat es geschafft, mehrere Jahrzehnte Spielkultur so liebevoll auf die Leinwand zu bringen, dass das Ergebnis C64-Spielern gefallen könnte, aber auch Kindern, die mit Nintendos 3DS aufwachsen.

"Ralph reicht's", der am Donnerstag startet, basiert nicht direkt auf einem Spiel. Der Film ist mehr ein Mash-up, das Arcade-Klassiker wie "Pac-Man" mit Rennspielen wie "Mario Kart" und modernen Ego-Shootern verbindet. Auf seiner Reise durch die Welt der Spiele begegnen Hauptfigur Ralph beispielsweise Figuren aus "Street Fighter" und "Q*bert". Eine Huldigung an das Zocken, und zwar witzig und familientauglich.

Richtig wertschätzen lässt sich "Ralph reicht's" aber nur nach einem Blick zurück, auf die schwierige Beziehung von Filmen und Spielen. In unserem Glossar präsentieren wir deshalb einige Leinwandflops, von "Super Mario Bros." bis "Wing Commander". Aber keine Sorge: Damit die Lektüre nicht zu sehr deprimiert, sind auch positive Schnittpunkte der Medien dabei, etwa witzige Acht-Bit-Parodien zu Fernsehserien oder die sogenannten Let's-Play-Videos.

Acht-Bit-Parodien (Netzphänomen) - Manche Parodien sind zu perfekt, um spielbar zu sein: Das gilt besonders für die Acht-Bit-Variante des Serienhits "Breaking Bad" , die "CollegeHumor" ins Netz gestellt hat. Schon bei der Figurenwahl beweisen die Macher Serienkenntnis: Es gibt weder gute noch böse Charaktere, nur moralisch zwiespältige. Ebenfalls witzig: "Game of Thrones"  in Retro-Optik.

Boll, Uwe (Regisseur) - Faszinieren ihn die Spiele? Oder geht es um leicht verdientes Geld? Kaum ein Regisseur hat so viele Spiele verfilmt wie Uwe Boll. Seine Filmografie reicht von "Alone in the Dark" über "Schwerter des Königs - Dungeon Siege" bis zu "Postal". Für die Hauptrolle in "Far Cry" konnte Boll sogar Til Schweiger gewinnen. An den Kritiken änderte aber auch das nichts: Wie üblich fielen sie ernüchternd aus.

Siehe auch: Online-Petition

Regisseur Uwe Boll: Kaum einer hat so viele Spiele verfilmt wie er

Regisseur Uwe Boll: Kaum einer hat so viele Spiele verfilmt wie er

Foto: dapd

Cameo (Spielphänomen) - Pixeliges Abbild: Manchmal begegnet man in Spielen denselben Personen wie im Fernsehen. Auftritte in Actionhits haben zum Beispiel der Rapper Snoop Dogg ("True Crime") und Ricky Gervais, der in "Grand Theft Auto 4" in einem Comedy-Klub auftritt . In vielen Spielen hört man auch die Synchronstimmen bekannter Hollywoodstars.

"Doom" (Film, 2005) - Erinnert man sich an die "Doom"-Verfilmung, dann wegen einer der letzten Szenen: Aus der Egoperspektive aufgenommen , lässt sie einige Minuten lang Shooter-Gefühle aufgekommen. Ansonsten lieferte Regisseur Andrzej Bartkowiak nicht mehr als Genre-Standard. Die Fernsehzeitschrift "TV Spielfilm" kam zum Fazit: "Waffenstarrende Macho-Alien-Action in seelenloser Videospiel-Optik" .

"Earthworm Jim" (TV-Serie, ab 1995) - Nicht nur Super Mario und die Pokémon brachten eigene Zeichentrickserien hervor. Geschafft hat das auch "Earthworm Jim", der Protagonist des gleichnamigen Actionspiels. Zwei Staffeln lang war die Serie im Fernsehen zu sehen, in Deutschland als "Jim, der Regenwurm". YouTube dokumentiert das schräge Intro .

Filmspiele (Spielegattung) - Man könnte glauben, gute Filmspiele seien verboten: Die meisten Spiele, die mit starker Lizenz erschienen, erwiesen sich nämlich als Flops. So wird zum Beispiel die Videospielversion von Steven Spielbergs "E.T." gern als "schlechtestes Spiel aller Zeiten" bezeichnet. Und zum neuesten Bond-Spiel "007 Legends" schreibt SPIEGEL-ONLINE-Tester Carsten Görig, es sei "schlicht misslungen".

"Gamer" (Film, 2009) - Die Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor machten das Zocken zum Filmthema. Ihr Science-Fiction-Film "Gamer" erzählt von einem Online-Spiel, in dem man zum Tode verurteilte Straftäter fernsteuern und in den Kampf schicken kann. Das Magazin "Cinema" mochte den Stil des Films, es kritisierte aber, sein Bleigewitter sei mit "Gesellschaftskritik für Dummies" gewürzt .

Hingucker (Netzphänomen) - Potential, wenigstens auf dem Filmplakat zu überzeugen, haben viele Spiele. Das beweisen Fotomontagen, die Fans mit Motiven aus ihren Lieblingsspielen erstellen. "Venture Beat" zeigt eine Auswahl gelungener Ideen , darunter "Alan Wake", "Portal" und "Red Dead Redemption".

Interaktiver Film (Spielegattung) - Manche Spiele lassen Hollywoodfilme alt aussehen - dank grandioser Geschichten, gepaart mit Interaktivität. Bekanntestes Beispiel ist "Heavy Rain", das 2010 für die Playstation 3 erschien. In Berlin wurde es bereits geschnitten in einem Filmclub gezeigt . Weitere filmreife Spiele sind "Fahrenheit" und das episodenweise veröffentlichte Abenteuer "The Walking Dead".

Siehe auch: Uncharted

Alice (Milla Jovovich): Sie ist das Gesicht der "Resident Evil"-Reihe

Alice (Milla Jovovich): Sie ist das Gesicht der "Resident Evil"-Reihe

Foto: Constantin Film

Jovovich, Milla (Schauspielerin): Die 36-Jährige ist das Gesicht der "Resident Evil" -Filmreihe. Seit 2002 kämpfte sie bereits fünfmal gegen Untote, ab 2010 sogar in 3D. Bei den Spielfans kommen ihre Filme allerdings besser an als bei Kritikern. Einige Szenen des ersten Teils wurden in der Berliner U-Bahn gedreht, auf der heutigen Linie 55. Anfang Oktober ist das Spiel "Resident Evil 6" erschienen.

"King of Kong" (Film, 2007) - Immerhin gibt es einige gute Dokumentationen übers Spielen. "The King of Kong"  beispielsweise porträtiert einen Lehrer, der den seit über 20 Jahren ungeschlagenen Rekord im Klassiker "Donkey Kong" brechen will. Noch ein Tipp, falls man sich fürs Spiele-Entwickeln interessiert: "Indie Game - The Movie".

"Lara Croft: Tomb Raider" (Filmreihe, ab 2001) - Schon seit Mitte der Neunziger zählt Lara Croft, die Hauptfigur aus "Tomb Raider" , zu den größten Videospielikonen. Verkörpert von Angelina Jolie, konnte man sie 2001 und 2003 im Kino erleben. Zusammen spielten die Filme rund 430 Millionen Euro ein. Im Jahr 2011 wurde bekannt, dass ein dritter "Tomb Raider"-Film geplant ist, diesmal ohne Jolie.

"Lara Croft: Tomb Raider" (Angelina Jolie): Eine der größten Videospielikonen

"Lara Croft: Tomb Raider" (Angelina Jolie): Eine der größten Videospielikonen

Foto: ddp images

"Max Payne" (Film, 2008) - Mit seinem "Bullet Time"-Feature setzte das Actionspiel "Max Payne" 2001 Maßstäbe. Nie zuvor konnte man Gegner so stilvoll ausschalten - und sich wie im Kultfilm "Matrix" fühlen. Im Kino präsentierte sich Payne weniger revolutionär. Die Zeitschrift "Cinema" fand John Moores Adaption "weichgespült" und "lahmarschig" . Ihrer Meinung nach wird zu spät und unspektakulär geballert.

Nintendo Nerd (Netzphänomen) - Schlechte Spiele zu spielen, ist anstrengend. Anderen dabei zuzusehen, ist witzig. Der "Angry Nintendo Nerd", der sich mittlerweile "Angry Video Game Nerd"  nennt, hat über hundert Videos hochgeladen, in denen er sich über schrottige Spiele aufregt. Doch den Amerikaner reizen auch längere Formate: Anfang November veröffentlichte er den Trailer für seinen ersten Spielfilm .

Online-Petition (Netzphänomen) - "Stop Dr. Uwe Boll"  fordern mittlerweile 354.190 Menschen, die eine entsprechend betitelte Petition unterschrieben haben. Ihr Ziel ist es, Regisseur Uwe Boll davon abzubringen, noch mehr Spiele zu verfilmen. 2008 sagte Boll in einem Interview, er kenne die Petition, die Zahl der Unterschriften beeindrucke ihn aber nicht. Es müssten schon eine Million sein .

Siehe auch: Boll, Uwe

"Pokemón" (Filmreihe, ab 1997) - Medienübergreifend erfolgreich sind die "Pokemón" . Mittlerweile gibt es mehr als 750 Folgen der Anime-Serie, die auf dem 1996 erschienenen Game-Boy-Rollenspiel basiert. Im Sommer wurde der 15. Spielfilm veröffentlicht. 2000 landete "Pokémon - Der Film" auf Platz 6 der deutschen Kino-Jahrescharts.

Quasselstrippen (Netzphänomen) - Bei vielen Zuschauern beliebt sind "Let's Play"-Videos. So benannt werden YouTube-Clips, für die Spieler ihr Spielerlebnis gefilmt und kommentiert haben. Der bekannteste Vorspieler ist "Gronkh", der mehrere hundert "Minecraft"-Videos veröffentlicht hat. Ein guter Quereinstieg in die Szene ist seine Kollaboration mit den Komikern Y-Titty: "Real Life Grand Theft Auto"  parodiert unterhaltsam seine Clips.

Siehe auch: Nintendo Nerd

Ausschnitt aus "Ralph reicht's": Einer der besten Videospielfilme überhaupt

Ausschnitt aus "Ralph reicht's": Einer der besten Videospielfilme überhaupt

Foto: Disney

"Ralph reicht's" (Film, 2012) - Ausgerechnet Disney kann sich rühmen, einen der besten Videospielfilme zu verantworten. "Ralph reicht's"  ist gespickt mit Auftritten zahlreicher Bösewichter, darunter Marios Gegenspieler Bowser. Beim Bewertungsportal "IMDB" kommt der Film auf den Schnitt von 8,3 von maximal zehn Punkten. Zum Vergleich: Der Klassiker "Tron" erreicht nur 6,7. In Deutschland startet "Ralph reicht's" am 6. Dezember .

"Super Mario Bros." (Film, 1993) - Mario und Luigi zählten zu den ersten Spielehelden, die den Sprung auf die Leinwand schafften - als Realverfilmung, mit dem Trailerspruch "Das ist kein Spiel" . Was dem Zuschauer sonst vom Film in Erinnerung bleibt? Vielleicht, dass Marios Nachname "Mario" lautet. Und, dass Dennis Hopper mit König Koopa eine überraschend peinliche Rolle in seiner Filmografie hat.

"The Movies" (Spiel, 2005) - Wer ein Filmstudio gründen will, sollte es zunächst im Computerspiel "The Movies"  versuchen. Im Stil bekannter Tycoon-Spiele baut man sein Unternehmen auf, kann aber auch virtuell Filme drehen. Mit etwas Mühe und der ein oder anderen Modifikation lässt sich etwa der "The Dark Knight"-Trailer  nachmachen.

Uncharted 3 (Screenshot): Sequenzen so kombiniert, dass sie einen Film ergeben

Uncharted 3 (Screenshot): Sequenzen so kombiniert, dass sie einen Film ergeben

Foto: Sony Computer Entertainment

"Uncharted" (Spielreihe, ab 2007) - "Weil dies die beste Spieleserie ist, die ich je gespielt habe, und gewiss auch die filmreifste, habe ich mich entschieden, daraus Filme zu machen", schreibt "Andy Gilleand" . Der YouTube-Nutzer hat die Zwischensequenzen sowie einige Spielszenen der drei "Uncharted"-Spiele so kombiniert, dass man sie wie einen Film anschauen kann. Und tatsächlich: Es funktioniert.

Siehe auch: Interaktiver Film

Videowünsche (Netzphänomen) - Fan-Kreativität kennt kaum Grenzen: Immer wieder kursieren im Internet selbstgemachte Trailer zu angeblich geplanten Kinohits. Eins der witzigsten Beispiele ist "Tetris - The Movie" : Selten war ein Angriff aus dem All so nerdig.

"Wing Commander" (Film, 1999) - Da half es auch nicht, dass Entwickler Chris Roberts selbst Regie führte: Das 1990er-Weltraumspiel ist ein Klassiker, der Film "Wing Commander"  nur eine Randnotiz der Kinogeschichte. Das "Lexikon des Internationalen Films"  erinnert an ein "ermüdendes Spektakel".

"Xenosaga" (Spielreihe, ab 2002) - Für seine Zwischensequenzen bekannt ist das japanische Rollenspiel "Xenosaga" . Jeder Teil der Trilogie bietet gleich mehrere Stunden Filmmaterial. Wer will, kann sich die Sequenzen online am Stück ansehen. Benannt wurden die Xenosaga-Spiele nach Werken Nietzsches wie "Der Wille zur Macht".

"You don't know Jack" (TV-Show, 2001) - "Die Quizshow, bei der Hochkultur und Popkultur aufeinanderprallen": Die Computerspielshow "You don't know Jack" ist so witzig inszeniert, dass sie förmlich um eine Fernsehumsetzung bettelt. Tatsächlich gab es mal eine: 2001 lief sie auf dem US-Sender ABC, jedoch nur sechs Folgen lang. Ausschnitte bietet YouTube, etwa den Showbeginn: "Let's cheat them, I mean: Let's meet them" .

"Zurück in die Zukunft II" (Film, 1989) - Was macht ein Zeitreisender im Jahr 2015? Martin McFly entscheidet sich in "Zurück in die Zukunft II" dafür, sein Spieltalent zu beweisen. Die zuschauenden Kinder beeindrucken seine Fähigkeiten am "Wild Gunman"  allerdings nicht. Sie irritiert, dass man das Automatenspiel mit den Händen steuert .

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