Kinder im Netz Was ist eigentlich dieses Roblox?

Roblox ist in der Corona-Pandemie ein Hit unter jungen Gamern und bietet eine riesige Auswahl an Spielen. Eltern sollten einige Punkte beachten, damit Kinder nicht mit fragwürdigen Inhalten konfrontiert werden.
Foto: Roblox

Eltern müssen sich immer wieder an neue Namen von Spielen, Filmen und sozialen Medien gewöhnen. Nach "Minecraft", "Fortnite" oder "Fall Guys" hören sie inzwischen immer öfter aus dem Kinderzimmer: "Ich spiele Roblox!"

Eine Erklärung, was das denn nun wieder sein soll, ist gar nicht so einfach, außer: Man kann Roblox nicht spielen, man kann nur Spiele auf Roblox spielen. 

Was spielt man bei Roblox?

Roblox ist kein Spiel, sondern eine Mischung aus Spielesammlung, Spielebaukasten und sozialem Netzwerk. Nutzer können dort Spiele mithilfe der Roblox-Software selbst bauen und anderen zur Verfügung stellen. Diese können dann allein, miteinander und gegeneinander gespielt werden. Daheim an der Konsole oder über das Netz. Die Hürden sind niedrig, eine Anmeldung und ein Computer, eine Xbox oder ein Smartphone reichen aus. Roblox kann unter iOS, macOS, Windows oder Android, aber auch mit den Virtual-Reality-Brillen Oculus Rift oder HTC Vive genutzt werden.

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Roblox

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Gegründet wurde das Unternehmen Roblox 2004 in Kalifornien, eine erste Version der Plattform erschien 2006. Nach anfänglich langsamem Wachstum hat Roblox inzwischen eine Größe erreicht, die mit Konkurrenten wie "Minecraft" oder "Fortnite" vergleichbar ist. Der verhaltene Start lag wohl vor allem daran, dass die Plattform genug attraktive Spiele bieten musste, um Nutzer anzuziehen. Und Entwicklung kostet Zeit - egal wie einfach die Werkzeuge zu bedienen sind. Seit 2013 können Hobby-Entwickler für ihre Werke Geld verlangen, was ein zusätzlicher Ansporn war, gute und ausgefeiltere Spiele zu machen. 

Warum ist das Spiel in der Pandemie so beliebt?

So stiegen die Nutzerzahlen schon in den letzten Jahren, ein großer Schub kam dann ab März 2020. Schließlich wirkt Roblox mit seiner Mischung aus Quasselbude und Spielplatz wie geschaffen für Zeiten von Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen. Es ist ein idealer Treffpunkt im Netz.

So sind die Nutzerzahlen noch einmal deutlich gestiegen, die Firma meldet immer neue Rekorde. Über die Hälfte aller US-amerikanischen Kinder unter 16 ist auf der Plattform angemeldet, erklärte die Firma im Juli, mehr als 150 Millionen Nutzer sind monatlich aktiv. 

Woher stammen die Spiele?

Die Spieler selbst schaffen die Inhalte. Roblox stellt dafür einen kostenlosen Baukasten und eine Plattform für die Verbreitung zur Verfügung. Ziel der Gründer war es, eine Plattform zu schaffen, auf der Nutzer selbst kreativ werden können, eine Plattform, die unterhält, auf der man aber gleichzeitig auch etwas lernen kann. Weshalb die Optik und das Baukastensystem wahrscheinlich nicht ganz zufällig an Lego erinnern und eher krude sind.

Auch wenn die meisten Spielebauer Roblox als Hobby betreiben, gibt es doch einige, die inzwischen damit Geld verdienen. Das ist möglich, weil sie für Spiele oder Spielbestandteile Robux verlangen können, das ist eine Roblox-Währung, die für echtes Geld gekauft werden kann. 

Welche Spiele sind besonders beliebt?

Eigentlich alles, was man sich ausdenken kann. Schwieriger wird es, das Gesuchte auch zu finden. Wer tiefer in die eher trist gestaltete Seite einsteigt, findet von Partyräumen über Autorennen bis zu Zombie-Spielen alles - allerdings recht unsortiert und im Zweifelsfall schlecht bis gar nicht beschrieben. Was sich hinter Titeln wie "Tower of Hell", "Meep City" oder "Super Power Training" verbirgt, wird erst nach Ausprobieren der Spiele klar. 

Oft genug scheinen die Projekte auch auf halbem Weg beendet worden zu sein, man spielt sich durch einen Rohbau und merkt, dass man Geduld braucht, um sich wirklich einzulassen. Deshalb treffen sich wohl die meisten Spieler bei den bekannten und am lautesten beworbenen Spielen, wie bei "Adopt Me!" zum Beispiel. 

Das ist eines der erfolgreichsten Spiele auf Roblox. In "Adopt Me!" nimmt man sich eines Haustiers an und betreut es. In Spielen wie "Welcome to Bloxburg" werden die "Sims" imitiert, in "Arbeite in einer Pizzeria" ist der Name Programm. Viele der Spiele setzen auf Miteinander, sind Multiplayer-Games, in denen man sich trifft, zusammenarbeitet und sich dabei unterhalten kann. Sonderlich tiefgründig sind sie nicht. Enthusiasmus siegt oft über Professionalität.

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Wie bei vielen Plattformen ist allerdings auch bei Roblox der Weg zu fragwürdigen Inhalten nicht sonderlich weit. Es gibt Spiele mit Titeln wie "Blutrausch" oder "Slasher" und zig weitere Games, die Gruselfiguren wie Slenderman im Titel haben. Wirklich ernst nehmen kann man diese Spiele als Erwachsener nicht. Blutverschmierte Lego-Figuren sind eher amüsant als gruselig, die dazugehörigen Spiele wirken oft genug, als ob sie von Jugendlichen für einen schnellen Lacher produziert wurden. Für jüngere Kinder jedoch, die einfach in den Spielen herumsuchen, finden sich genug Bilder, die erst einmal erschrecken können. 

Was sollte ich beachten, wenn meine Kinder Roblox spielen?

Wer jüngeren Kindern das Spielen bei Roblox ermöglichen möchte, muss einiges an Zeit investieren - sollte es aber auch tun, denn sonst landet man schnell bei Inhalten, die ihnen nicht unbedingt zugänglich gemacht werden sollten. Eigentlich gibt es für Kinder einiges an Schutzfunktionen, doch leider scheinen sie nicht zu Ende gedacht. 

Wer die inzwischen recht bequem und fein justierbaren Altersbeschränkungen von Konsole oder PC gewohnt ist, wird hier enttäuscht. Das liegt auch daran, dass nicht klar ist, nach welchen Kriterien Inhalte bewertet werden - oder wer das eigentlich überhaupt macht.

Roblox schreibt auf Nachfrage lediglich allgemein: "Wir folgen den Empfehlungen der USK, um die Einhaltung der deutschen Jugendschutzbestimmungen zu gewährleisten und unseren Nutzern größtmögliche Sicherheit zu bieten." Auf einer Roblox-Seite für Eltern lässt sich noch herausfinden , dass es ein Meldesystem für unangemessene Chatnachrichten gibt und Chatfilter eingesetzt werden, was letztlich eine Selbstverständlichkeit ist. Großen Wert legt Roblox auch auf eine automatische Kleidungsprüfung für Avatare - was da allerdings geprüft wird, bleibt unklar.

Eltern können für Kinder Profile anlegen, die nach Altersstufen unterteilt sind und sich mit einem Code sichern lassen: Entweder über oder unter 13 Jahren. Bei einem Konto für jüngere Kinder sind zum Beispiel Chatfunktionen ausgeschaltet, ebenso können jüngere Kinder Spiele mit fragwürdigem Inhalt nicht starten - angezeigt werden sie dennoch. Was aus verschiedenen Gründen nicht nachvollziehbar ist.

Zum einen merken Kinder erst, wenn sie ein Spiel angewählt haben, dass es gar nicht spielbar ist, und zum anderen können sie doch Galerien mit Screenshots aus Zombie-Spielen einsehen oder werden per Link zum Beispiel auf gruselige YouTube-Videos geschickt. Roblox blendet diese Spiele nicht einfach aus, obwohl sie nicht spielbar sind. Verständlicher Jugendschutz sieht für Eltern - und für Kinder - anders aus. 

Für Roblox gilt deshalb vor allem: Eltern sollten sich immer wieder mit ihren Kindern zusammensetzen, über Inhalte sprechen, prüfen, was Kinder anschauen, warum sie bestimmte Spiele mögen und mit wem sie kommunizieren. Das hilft meistens deutlich besser, Kinder für den Umgang mit fragwürdigen Inhalten vorzubereiten, als ein Komplettverbot oder das Einschalten von Schutzfunktionen auf einer Plattform. 

Was kostet Roblox? 

Zugang und Baukasten sind bei Roblox kostenlos. Wer aber spielen möchte, stößt immer wieder auf Bezahlschranken. Einzelne Entwickler können Preise für Spiele festlegen oder auch für Gegenstände im Spiel oder bestimmte Spielmodi Geld verlangen. Wofür und wann das Geld bezahlt werden muss, erschließt sich oft erst im Laufe des Spiels. 

Bezahlt wird in der Roblox-eigenen Währung, den Robux. 400 Robux kosten 4,99 Euro, im Abo wird es billiger. Das ist problematisch, weil vor allem jüngere Spieler den Zusammenhang zwischen Robux und echtem Geld nicht immer erkennen oder einschätzen können. Umgekehrt sorgt die Möglichkeit einer Bezahlung aber dafür, dass sich Entwickler deutlich mehr Mühe geben, wenn sie ein Spiel entwickeln, und sich so die Qualität der Plattform verbessert. 

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