Zwischen den neuesten Konsolen auf dem Markt und der 27 Jahre alten Spielkonsole Vectrex liegen technologisch gesehen Lichtjahre. Auf dem Schreibtisch von René Meyer sind es lediglich wenige Zentimeter. Die Vectrex mit eingebautem hochformatigen Bildschirm ist das Lieblingsstück aus der mittlerweile 600 Konsolen umfassenden Sammlung des 39-jährigen Leipzigers. Seit zwei Jahren steht er damit im Guinness-Buch der Rekorde. Schon zu DDR-Zeiten entwickelte sich Meyers Interesse für Konsolen und Computer. Mit 17 Jahren programmierte er sein erstes Spiel. Doch mit dem Sammeln begann er erst nach der Wende.
Seinen Arbeitsplatz hat der Journalist für Computer und digitale Medien im Keller seines Hauses eingerichtet, in das er vor einem Jahr mit seiner Familie eingezogen ist. Hier schreibt er seine Artikel, hier betreut er seine Homepage und hier steht auch die Konsolensammlung. Derzeit zeugen noch ein paar gefüllte Kisten von seiner letzten Ausstellung auf der Kölner Gamescom im August dieses Jahres.
Für solche Ausstellungen stellt der zweifache Familienvater seinen gewohnten Tagesablauf auf den Kopf. Denn normalerweise arbeitet er nachts, geht morgens gegen 7 Uhr ins Bett und steht nachmittags wieder auf. Geld bekommt er für das Ausstellen nicht. Vielmehr treibt ihn das Feedback der Anderen an. "Es ist toll, einfach so dazusitzen und dann zuzusehen, wie die Leute sich daran erfreuen. Das ist eine richtige Befriedigung", schwärmt Meyer. Das schönste Kompliment bekam Meyer einmal von dem Spiele-Entwickler Bob Bates zu hören. "Einfach unglaublich", soll er gesagt haben. "Das ist der, von dem man sonst selbst Autogramme sammelt", sagt Meyer.
Vier Tage in der Woche sind bildschirmfrei
Der Eintrag ins Guinness-Buch hat Meyer beflügelt, fleißig weiter zu sammeln. Eine Kostbarkeit seiner Sammlung ist die Magnavox Odyssey, die erste Konsole überhaupt aus dem Jahr 1972. Ein besonderes Stück sei auch die Pong - die einzige Konsole, die in der DDR auf den Markt kam, sagt Meyer. Deshalb sei das Sammeln zur damaligen Zeit nahezu unmöglich gewesen. Anfang des Jahres hat er auf einen Schlag 100 Konsolen dazugekauft. Weitere sollen folgen. Meyer hat seine Wünsche in einer Textdatei auf seinem Computer zusammengefasst. Viele Konsolen gibt es für weniger als hundert Euro im Internet, doch einige Exemplare auf seiner Wunschliste sind um einiges teurer.
Doch Meyer hat auch ein Leben außerhalb seines Kellers. Er engagiert sich beispielsweise in einem Science-Fiction-Club, wo er erst kürzlich in den Vorstand gewählt wurde, und unternimmt viel mit seiner Familie. Sein siebenjähriger Sohn spielt gern Computer- und Konsolenspiele - natürlich nur mit Papas Einverständnis. Schließlich könne er seinem Sohn nicht das verbieten, womit der Vater sein Geld verdient. "Vier Tage in der Woche sind aber bildschirmfrei", stellt der Spieleprofi klar.
Den Wert seiner gesamten Sammlung kann er nicht beziffern. "Wenn jemand kommen und mir für die Sammlung 500.000 Euro bieten würde, dann sag ich ja", sagt Meyer. Sollte dieses verlockende Angebot ausbleiben, habe er schon einen Erben im Auge - seinen Sohn.
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