Mehrarbeit für Beschäftigte Hersteller von "Cyberpunk 2077" bricht Versprechen

Das Studio hinter dem Blockbusterspiel "Cyberpunk 2077" wollte seine Belegschaft eigentlich fairer behandeln als branchenüblich. Nun führt es die Sechstagewoche ein.
"Cyberpunk 2077" soll im November fertig sein

"Cyberpunk 2077" soll im November fertig sein

Foto: Christoph Hardt / imago images / Future Image

Ohne Zusatzschichten klappt es doch nicht: Obwohl das polnische Videospielstudio CD Projekt Red vor einem Jahr noch versprochen hatte, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schonen, müssen die Entwickler nun Zusatzschichten schieben. Der Druck ist offenbar zu groß geworden: Bis zur Veröffentlichung des Blockbustertitels "Cyberpunk 2077" in sieben Wochen müssen die Angestellten auch an Samstagen ran.

In einer internen Mail habe Studiochef Adam Badowski mitgeteilt, dass bis zum Release des mit Spannung erwarteten Videospiels eine Sechstagewoche gelte. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin "Bloomberg" . Bereits am Montag sei die E-Mail verschickt worden.

Darin heißt es laut dem Bericht, dass die Arbeit im Entwicklerstudio "auf Hochtouren" laufe. Konkret bedeute das "die übliche Arbeitszeit plus einen Tag am Wochenende". Die zusätzlichen Tage sollen bezahlt werden. Für die Folgen dieser Entscheidung übernehme Badowski die volle Verantwortung. "Wir haben alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft, um durch diese Situation zu kommen", schrieb er in der Mail.

Großteil der Entwickler arbeitet im Homeoffice

Eigentlich sollte es im Endspurt vor dem mehrfach verschobenen Veröffentlichungstermin von "Cyberpunk 2077" anders ablaufen. In einem Interview mit dem Spielemagazin "Kotaku"  hatte Firmenmitgründer Marcin Iwinski vor einem Jahr noch angekündigt, dass man respektvoller mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgehen wolle. Allerdings hatte Iwinski auch immer betont, dass die Spieleentwicklung beim börsennotierten CD Projekt harte Arbeit sei.

Ein Sprecher von CD Projekt Red bestätigte dem SPIEGEL am Donnerstag die interne E-Mail. "Wir sind natürlich enttäuscht, dass wir unser Versprechen nicht halten konnten." Warum nun doch Extraschichten nötig sind, dazu will sich das Studio nicht äußern.

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Die Welt von "Cyberpunk 2077": Schießen, schleichen, hacken

Foto: CD Projekt

Auf die Corona-Pandemie will das Studio die stressige Schlussphase jedenfalls nicht schieben. Die Umstellung in Krisenzeiten habe gut geklappt, ein Großteil der Entwickler arbeite von zu Hause aus. "Innerhalb weniger Tage haben wir auf Homeoffice umgestellt." Den Erscheinungstag sieht CD Projekt Red nicht in Gefahr: "Das Spiel wird am 19. November  erscheinen", sagt der Sprecher.

Das Warschauer Studio CD Projekt Red war in den vergangenen Jahren unter anderem für den Umgang mit seinem Personal bei der Entwicklung des Rollenspielhits "The Witcher 3" kritisiert worden, hatte sich aber daraufhin wiederholt gegen die sogenannte Crunch-Kultur bei Spielefirmen ausgesprochen. Von 100-Stunden-Wochen und zermürbenden Extraschichten über Monate hinweg hatte man sich stets distanziert. Außerdem wird Zusatzarbeit bezahlt, was nicht überall in der Branche üblich ist.