Fotostrecke

Angespielt: "Sherlock Holmes: The Devil's Daughter"

Foto: Bigben Interactive/Frogwares

"Sherlock Holmes: The Devil's Daughter" Schwarze Magie und ein mysteriöses Mädchen

In "Sherlock Holmes: The Devil's Daughter" wird freizügig mit dem Holmes-Kanon umgegangen, das Detektiv-Hirn angeregt - und der Kern der Erzählung etwas zu sehr auf Action gedreht.

Das ukrainische Studio Frogwares ist seit fast fünfzehn Jahren eine Art Gralshüter der Sherlock-Holmes-Spiele - mit durchwachsenen Ergebnissen. Interessant macht "The Devil's Daughter" vor allem der Vorgänger: "Crimes & Punishments"  ist ein hervorragendes Holmes-Spiel, das in vielen Bereichen glänzen konnte.

Der neue Teil der Reihe baut darauf auf, dreht den Fokus aber weg vom reinen Denken und Kombinieren zu mehr Action. Das tut dem Spiel nicht sonderlich gut.

Im Laufe von "The Devil's Daughter" muss Sherlock Holmes ein paar in sich geschlossene Fälle lösen und zudem als Rahmenhandlung die Geschichte seiner Adoptivtochter und ihre Beziehung zu einer merkwürdigen Nachbarin klären. Es geht um einen tödlichen Massenunfall von Kutschen, eine lebendig gewordene Statue und vermisste Tagelöhner.

Zweifel an den eigenen Entscheidungen

Fälle, die gut geschrieben sind, komplex genug, um das Hirn der Spieler anzuregen und einfach genug, um sie recht gut lösen zu können. Und vor allem: sich dabei gut und vor allem richtig schlau zu fühlen. Das ist schließlich die Hauptaufgabe eines Detektivspiels.

Immer wieder irritiert es kurz, dass das Spiel den tatsächlichen Schuldigen nicht benennt, man sich zwischen zwei oder drei Verdächtigen entscheiden kann und man nie weiß, ob jetzt tatsächlich der Holmes-Schauspieler der Schuldige war oder doch jemand anderes.

Zudem kommen im weiteren Verlauf des Spiels immer wieder Kommentare zu den Entscheidungen, die man getroffen hat. Das lässt einen die Entscheidung immer wieder überdenken - und vielleicht auch bereuen.

Mühsam ins Spiel gequetschte Actionszenen

Auch wenn die Fälle allesamt nicht an die Klasse von "Crimes & Punishments" heranreichen, die Charaktere etwas zu forsch wirken, die deutsche Lokalisierung nicht gelungen ist und es viele technische Probleme von langen Wartezeiten bis zu ungenauer Steuerung gibt: Das eigentliche Problem von "The Devil's Daughter" liegt woanders.

Immer wieder tauchen Actionszenen auf, die so mühsam ins Spiel gezwängt wirken, dass man sich fragt, was sie dort zu suchen haben und warum das Studio Frogwares im Gegensatz zum Rest der Spielewelt immer noch davon überzeugt ist, dass Quick-Time-Events Spiele voranbringen. Das sind Momente, in denen man im richtigen Augenblick spezielle Knöpfe drücken muss.

Macht es beim Balancieren noch halbwegs Sinn, wenn man mit beiden Steuerknüppeln versucht, diese in einem kleinen Kreis zu bewegen, so ist spätestens bei Kampfszenen Schluss, in denen man erst beim zehnten Neustart merkt, was man eigentlich machen muss.

Dem Vorgänger unterlegen

Überflüssige Schleichszenen mit einem schlechten Gegnerverhalten bringen keine Spannung, sondern Frust und ein Ausflug in einen Maya-Tempel, in dem nach "Tomb Raider"- oder "Uncharted"-Art Fallen zu umgehen sind, machen wegen einer wirklich hakeligen Steuerung wenig Spaß. Zum Glück lassen sich all diese Herausforderungen überspringen.

Dennoch: Auch wenn "The Devil's Daughter" in fast allen Belangen seinem Vorgänger unterlegen ist, bringt es immer wieder großen Spaß. Es kann dann fesseln, wenn man tatsächlich alle Beweise gesammelt hat und man ein großes Netz spannt, um Täter zu überführen und dem Rest der Welt zu zeigen, wie schlau man ist.


"Sherlock Holmes: The Devil's Daughter" von Bigben Interactive, für Playstation 4, Xbox One und PC, ab 40 Euro; USK: Ab 12 Jahren

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.