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29. Oktober 2016, 19:29 Uhr

Rollenspiel "Skyrim Special Edition"

Drachenjagd, so schön wie nie

Von Tobias Hanraths

Das Rollenspiel-Epos "Skyrim" hat eine riesige Fangemeinde, selbst fünf Jahre nach dem Start. Eine neue "Special Edition" macht den Klassiker nun schicker und offener. Lohnt sich der Kauf?

Eine uralte Prophezeiung von bösen Drachen und einem auserwählten Krieger. Ein Königreich kerniger Nordmannen, unterdrückt von einem elfischen Imperium. Geheimbünde auf der Jagd nach magischen Artefakten. Und Untote in jedem Keller. Das Rollenspiel "The Elder Scrolls V: Skyrim" lässt kaum ein Fantasy-Klischee aus. Und ist trotzdem - oder gerade darum - ein Dauerbrenner.

Zum fünften Geburtstag spendieren die Entwickler von Bethesda ihrem vielleicht beliebtesten Rollenspiel eine Neuauflage, mit frischer Grafik und allen Erweiterungen in einem Paket (siehe Fotostrecke). Dabei hat es das Spiel eigentlich nicht nötig, die Fangemeinde an sich zu erinnern.

Fünf Jahre nach dem Release ist "Skyrim" noch immer in den Steam-Charts der meistgespielten Titel zu finden. Einige Zeit lang lag es sogar vor "Fallout 4", dem deutlich jüngeren Riesen-Rollenspiel vom gleichen Entwickler.

Unermüdliche Bastler

Warum ausgerechnet "Skyrim" so beliebt ist, kann selbst Chefentwickler Todd Howard nicht erklären. Das Spiel sei tatsächlich "ein Phänomen", sagt er. "Vielleicht liegt es daran, dass das Spiel vor allem Neugier belohnt, weil es da immer noch was zu entdecken und auszuprobieren ist."

Dass sich das fünf Jahre später nicht geändert hat, liegt nicht am Spiel selbst. Das ist gigantisch, aber eben auch endlich. Doch es gibt da ja noch die Modder - unermüdliche Hobby-Programmierer, die "Skyrim" seit dem Start laufend überarbeiten und erweitern. Das beginnt bei Detailverbesserungen an den Menüs und reicht über neue Frisuren bis hin zu Komplett-Umbauten des Spiels. "Enderal" zum Beispiel ist eine in Deutschland entwickelte Modifikation (Mod), die "Skyrim" in ein ganz anderes Spiel mit neuer Welt und Story verwandelt.

Bisher gab es Mods nur für den PC. Doch mit der Special Edition kommen auch Konsolenspieler in ihren Genuss. Uneingeschränkt gilt das aber nur auf der Xbox One: Hier dürfen Modder nahezu alle ihre Werke anbieten. Auf der Playstation 4 sind nur Mods erlaubt, die mit den existierenden Bestandteilen von "Skyrim" arbeiten, neue Waffen und Charaktere sind tabu. Auf die umfangreicheren Mods müssen Playstation-Besitzer daher wohl verzichten.

Die Konsequenzen sind bereits sichtbar: Auf Bethesdas offizieller Plattform gibt es schon kurz nach Verkaufsstart der "Special Edition" mehr als Hundert Mods für die Xbox One, in der Playstation-Abteilung sind es deutlich weniger.

Eine Garantie dafür, dass Mods tatsächlich funktionieren, übernimmt Bethesda allerdings nicht. Hinzu kommt, dass Spieler mit Mods auf den Konsolen keine Trophäen oder Achievements mehr freischalten können - sonst wäre es wohl zu leicht, sich die zu erschummeln.

Etwas schöner - aber nicht grundlegend neu

Abseits der Mods liefert die Special Edition vor allem eine bessere Grafik mit schärferen Texturen, mehr Details sowie ein paar beeindruckenden Effekten. Für Spieler, die "Skyrim" nur von der Xbox 360 oder der Playstation 3 kennen, sieht das Spiel so deutlich schicker aus - und läuft auch flüssiger. Und die einst epischen Ladezeiten sind spürbar kürzer, meistens dauern sie nur wenige Sekunden.

Für PC-Spieler hält sich der Unterschied in Grenzen - Mods gab es hier schließlich schon immer, bessere Grafik auch. Wer "Skyrim" inklusive aller Erweiterungen schon für den PC besitzt, bekommt die Special Edition daher auch gratis. Konsolenspieler zahlen dagegen den vollen Preis, also je nach Händler 50 bis 60 Euro.

Lohnt sich das für ein fünf Jahre altes Spiel? Ansichtssache. Denn auch der neue Anstrich kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass unter der frischen Farbe noch immer ein relativ altes Spiel läuft. Und wäre die "Special Edition" nicht auch die Gelegenheit gewesen, offensichtliche Schwächen des Spiels aufzuräumen - das fummelige Menü oder die schwache Auswahl an Zaubersprüchen?

Im besten Sinne altmodisch

Doch hier verlässt sich Bethesda ganz auf die Modder. "Wir überlassen das der Community", sagt Howard. "Jeder Spieler soll selbst entscheiden, was er davon in seine Welt holt und was nicht."

Doch auch mit allen Schwächen, der etwas angestaubten Grafik und selbst ohne Mods ist es nach wie vor schwer, sich der Faszination von "Skyrim" zu entziehen. Weil das Spiel eben nicht nur alt ist, sondern im besten Sinne altmodisch. Weil es den Spieler fast komplett sich selbst überlässt und dabei so viel Ruhe ausstrahlt.

Selbst Online-Funktionen, die anderswo längst Standard sind, gibt es hier nicht - gegen den ausdrücklichen Wunsch vieler Fans. "Es ist nicht das Spiel dafür", sagt Howard. Selbst all die Klischees sind da irgendwann kein Ärgernis mehr, sondern eher alte Bekannte für gemütliche Abenteuer in langen Winternächten.


"The Elder Scrolls V: Skyrim Special Edition"; für PC, Playstation 4 und Xbox One; USK: ab 16 Jahren

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