Videospielfigur Sonic the Hedgehog Super Marios ewiger Konkurrent

Ein neuer Kinofilm feiert "Sonic the Hedgehog" aus dem gleichnamigen Videospiel. Kann die Igel-Figur das Duell gegen Nintendos Super Mario endlich gewinnen?
Mario & Sonic im Wettkampf den Olympischen Spielen in Tokyo 2020

Mario & Sonic im Wettkampf den Olympischen Spielen in Tokyo 2020

Sonic schlägt Mario - aber nur beim Wettrennen. Nur in den USA der frühen Neunzigerjahre konnte der blaue Igel des einstigen Konsolenherstellers Sega aus dem Schatten des Nintendo-Klempners treten. Dabei hat Sonic viele Qualitäten und eine bewegte Geschichte voller skurriler Fakten und Anekdoten. Zum Kinostart von "Sonic the Hedgehog" am 13. Februar haben wir zehn davon zusammengetragen, die ein Streiflicht auf die Videospielwelt vor 30 Jahren werfen.

Maskottchen vom Reißbrett

Während sich Mario dank seiner hinreißenden Hüpfereien auf der NES-Konsole bereits ab Mitte der Achtziger zur wichtigsten Nintendo-Figur entwickelte, waren Videospielcharaktere für Sega nur Mittel zum Zweck. Sie wurden verwendet und vergessen, aber nicht vermarktet, wie sich Sonic-Designer Hirokazu Yasuhara auf der GDC-Konferenz 2018 erinnerte.

Nach inoffiziellen Maskottchen wie den affenartigen Jungen Alex Kidd, die Fans damals am ehesten mit Sega in Verbindung brachten, forcierte man die Entwicklung einer Identifikationsfigur, die Mario vor allem in den USA Paroli bieten sollte. Ein internes Sega-Team gestaltete die Figur und schneiderte ihr ein 2D-Hüpfspiel auf den Leib: "Sonic the Hedgehog".

New York will den Igel

Das Markenzeichen des Sega-Maskottchens sollte seine Rasanz sein. Es sollte schnell laufen, sich ein- und herumrollen können. Grafiker Naoto Ohshima sammelte Ideen wie Gürteltier und Stachelschwein, in die engere Auswahl kamen aber ein Igel, ein Hund und ein bärtiger Mann mit dünnen Beinen und kugelrundem Bauch. Bei einer Dienstreise nach New York besuchte Ohshima den Central Park, hielt Passanten Skizzen unter die Nase und befragte sie nach ihrer Präferenz. Der Igel bekam den größten Zuspruch, der Hund fiel komplett durch. Aus dem dünnbeinigen Mann wird Sonic-Antagonist Dr. Eggman, der im Westen als Dr. Robotnik (jetzt im Film von Jim Carrey gespielt) bekannt wurde.

Blauer Feuerball

Sonic sollte ein cooler Held für reifere Spieler sein, aber auch problemlos von Kindern gezeichnet werden können. Ein Kreis mit drei Zacken wurde Sonics Kopf mit Stachelmähne, Bauch und Gliedmaßen wurden mit wenigen Strichen hinzugefügt. Ohshimas Skizzen, auf deren Basis Sonic seine Pixelgestalt erhielt, sind heute noch in der Anleitung des japanischen Debüt-Spiels zu finden. Seine blaue Farbe verdankt der Igel ganz einfach dem Sega-Logo, das seit 1975 bis heute in Gebrauch ist.

Kurzer Flirt

Designer Naoto Ohshima skizzierte Sonic einen bunten Figuren-Zoo an die Seite, zu dem auch eine Menschenfrau im kurzen Kleidchen gehörte: Madonna. Sie sollte als Freundin des nicht mal halb so großen Igels fungieren. Im Laufe der Entwicklung verschwand Madonna jedoch aus dem Sonic-Kosmos, wobei sich Ex-Sega-Angestellte über den Grund dafür uneins sind. Wahrscheinlich wurde Madonna als zu sexy für junge Spieler betrachtet. Programmierer Yuji Naka glaubt, dass man vom überstrapazierten "Rette die Prinzessin"-Schema abkommen wollte.

Igel mit Geschichte

Beim Ausarbeiten ihres ikonischen Charakters blickten die Designer auf berühmte Kollegen aus dem Disney- und Marvel-Universum, die einen breiten historischen Hintergrund und oft interessante Entstehungsgeschichten haben. Um den jungfräulichen Sonic der Chefetage zu präsentieren, erfanden sie deshalb eine abstruse Ursprungs-Story rund um ein Fliegerass mit dem Spitznamen "Hedgehog" (wegen dessen Sturmfrisur) und einem Flugzeug mit einem Sonic-Bild auf der Nase.

Die Geschichte interessiert später niemand mehr, hinterlässt aber eine Spur im Startbildschirm des Sonic-Debüts, das den Igel in der Mitte eines Flieger-Emblems zeigt.

Herr der Ringe

Sonics erster Auftritt in "Sonic the Hedgehog" sollte zum Vorzeigetitel für Segas Mega-Drive-Konsole werden, deren Leistung spürbar machen und Konkurrent Mario in die Schranken weisen. Dazu setzten die Entwickler auf Laufwege, die an Achterbahnfahrten erinnern, auf üppige, weich scrollende Landschaften, auf Sonics irrwitzige Geschwindigkeit. Auch das zentrale Sammelgut des Igels - goldene Ringe - diente primär dem Unterstreichen der Mega-Drive-Power: Stieß der Igel mit einem Gegner zusammen, verlor er seinen kompletten Vorrat, der in alle Richtungen davonhüpfte. So viele bewegliche Objekte auf dem Bildschirm, ohne dass die Action ins Stocken gerät - das sollte Nintendo erst mal nachmachen.

Sonic siegt für Sega

Ab Mitte der Achtzigerjahre waren Japan und die USA fest in Nintendo-Hand, deren 8-Bit-System NES das Konsolengeschäft dominierte. Daran konnte auch die Veröffentlichung der technisch fortschrittlichen Mega-Drive-Konsole von Sega Ende des Jahrzehnts nichts ändern. Erst als Sonic Mitte 1991 auf der Bildfläche erschien, wendete sich das Blatt - wenigstens in Nordamerika: Der coole Held und das technisch beeindruckende Spiel sorgten dafür, dass in jenem Jahr doppelt so viele Käufer zum Mega Drive statt zur neuen Super Nintendo-Konsole mit "Super Mario World" griffen. Im Weihnachtsgeschäft des folgenden Jahres wurde die Sega-Konsole dank einer Sonic-Fortsetzung zum erfolgreichsten Artikel im Spielzeughandel. Was nichts daran änderte, dass Nintendo bis zum Ende der 16-Bit-Ära dann doch wieder mehr Konsolen absetzte als die Konkurrenz.

Ein Held für alle

Während von Nintendos Mario bis heute erheblich mehr Spiele verkauft wurden als von Segas Sonic (Schätzungen belaufen sich auf ein Verhältnis von ungefähr 5 zu 1), ist der Igel auf mehr Plattformen zu finden als der Klempner. Seit Segas Rückzug aus dem Hardware-Geschäft Anfang 2001 werden die hauseigenen Marken für alle möglichen Heim- und Mobilkonsolen umgesetzt. So findet man Sonic seither auch auf Nintendo-Konsolen ebenso wie auf der Playstation und der Xbox. Mario hat sich seine Nintendo-Exklusivität dagegen bis auf wenige Ausnahmen bewahrt.

Vernetzte Spielewelt

Auch für die Ende des Jahres erscheinende Playstation 5 wird Sonic wohl irgendwann erscheinen. Eine latente Verbindung zwischen Konsole und Sega-Held besteht aber bereits heute. Der leitende Hardware-Architekt der fünften Playstation (und ihrer Vorgängerin) ist der Amerikaner Mark Cerny, der in seiner langen Karriere nicht nur für Atari den Automatenklassiker "Marble Madness" erschaffen hat, sondern auch die US-Sega-Tochter Sega Technical Institute gründete, bei der ab 1991 mehrere Sonic-Titel entstanden.

Aus Rivalen werden Sportsfreunde

Seit 2007 machen die einstigen Konkurrenten gemeinsame Sache: Mit "Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen" erschien anlässlich der Sommerspiele in Peking der erste Titel, der Charaktere aus den beiden Spieleuniversen zusammenbrachte - allerdings nur auf Nintendo-Konsolen. Die erfolgreiche Sportspielreihe hat sich bereits sechs Mal olympischer Sommer- und Winterwettbewerbe angenommen und schickt die beiden einstigen Rivalen bereits seit Ende vergangenen Jahres zu den Olympischen Spielen in Tokio - also zurück zum Geburtsort des rasenden blauen Igels.

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