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"South Park - Der Stab der Wahrheit": Schweinebären und Riesenratten

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"South Park - Der Stab der Wahrheit" Abstrus, eklig, unterhaltsam

Bombensuche im Darm und ein Dildokampf mit Nazi-Zombie-Kühen: "South Park - Der Stab der Wahrheit" spart nicht an ekligen Momenten. In Deutschland gab es auch noch ein Hakenkreuzproblem. Trotz alledem ist das Rollenspiel eine positive Überraschung.

"South Park - Der Stab der Wahrheit" kommt in Deutschland später auf den Markt als in anderen Ländern. Der Grund ist der gleiche wie einst bei "Castle Wolfenstein": Beim Anpassen des Spieles für den deutschen Markt wurde das "Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation" übersehen - im Spiel tauchte ein Hakenkreuz auf.

Das konnte leicht passieren. Hakenkreuze sind nämlich weit gestreut im amerikanischen Original, sind doch die Hauptgegner Nazi-Zombies, infiziert durch ein Virus aus dem Weltraum. Gestrichen wurden für die Konsolenversionen zudem Szenen, in denen Spieler eine Abtreibung durchführen sollten. An dieser Stelle sind jetzt Texte zu lesen, die zum Beispiel sehr sachlich beschreiben, wie der Protagonist eine Analsonde bedient - und tatsächlich lustiger als die Originalszenen sind.

Abstruse Geschichte, hervorragende Mechanik

Bis zur Veröffentlichung hatte "Der Stab der Wahrheit" einige Hürden zu überwinden. Geplant wurde es von den beiden "South Park"-Machern Trey Parker und Matt Stone. Sie selbst hatten das Entwicklerstudio Obidian ausgesucht, das von Rollenspielveteranen geleitet wird und unter anderem für seine Arbeit an "Fallout: New Vegas" oder "Star Wars: Knights of the Old Republic II" bekannt ist. Vertrieben werden sollte es von THQ, erscheinen spätestens Mitte 2013. Doch erst einmal ging THQ Ende 2012 bankrott. Das Spiel wurde an Ubisoft weiterverkauft. Schließlich sollte das Spiel Anfang März 2014 in Deutschland auf den Markt kommen, wurde aber kurzfristig zurückgerufen - des Hakenkreuzes wegen.

Die Geschichte ist, der anarchischen Vorlage entsprechend, reichlich abstrus. Als neues Kind in der Stadt wird der Spieler erst einmal von den Spiel-Eltern vor die Tür geschickt, Freunde suchen. Die findet der noch namenlose Kleine schnell und wird ebenso schnell Teil eines Live-Rollenspiels, in dem sich die "South Park"-Kinder als Menschen und Waldelfen in den Straßen und Hinterhöfen der Stadt bekriegen und auch die Schule verwüsten. Nach strengen Regeln wird mit Bällen geworfen, mit Stäben gehauen und gefurzt. Erwartungsgemäß eskaliert das Ganze schnell, schließlich haben wir es mit "South Park" zu tun.

Ein Rollenspieler, der einen Rollenspieler spielt

Eine Entführung durch Außerirdische später geht es schon um das Überleben der Stadt und den Kampf gegen das Militär, das alles Mögliche unter den Teppich kehren will. Die böse Regierung ist dabei und dummerweise eben auch besagte Nazi-Zombies. Zum Glück wächst auch das eigene Arsenal mit dem der Gegner, Spezialattacken und Furzmagie werden immer ausgefeilter.

Das Spiel funktioniert nicht nur über die abstruse Geschichte, sondern auch wegen der guten Spielmechanik. Obsidian setzen dabei auf ein Prinzip, das schon in den "Mario & Luigi"-Rollenspielen Spaß macht: Rundenbasierte Kämpfe, in denen Spieler während einzelner Aktionen trotzdem im richtigen Augenblick bestimmte Tasten drücken müssen, um Angriffe zu stärken oder mehrere Gegner zu treffen. Anfangs ist gerade das manuelle Blocken etwas hakelig, doch bald geht auch das gut.

"Der Stab der Wahrheit" profitiert von der Rollenspielerfahrung Obsidians, auch inhaltlich. Immer wieder wird das Spiel zu einem Meta-Rollenspiel, in dem man einen Rollenspieler spielt, der ein Rollenspiel spielt. Immer wieder gibt es Anspielungen auf die Videospielgeschichte. Die Nazi-Zombies sind eine Kombination der beliebtesten Spielegegner der letzten Jahre, ein Level ist komplett in alter 16-Bit-Grafik gestaltet und klingt auch nach frühen "Zelda"-Spielen. Fan- und Nerd-Kultur werden auf die Spitze getrieben und gleichzeitig lächerlich gemacht.

Und doch liegt unter all dem Wahnsinn, den Fäkalien und schlechten Witzen eine Suche nach Wahrheit, nach Verstand. "South Park" rennt gegen Dummheit an und zieht sie durch den Kakao. Bis zum allerletzten Moment, in dem die Erwachsenen dem Rollenspiel glauben und sich entblößen. Nur, um von den Kindern mit Kopfschütteln betrachtet zu werden.


"South Park - Der Stab der Wahrheit" von Ubisoft, für PC, Playstation 3 und Xbox 360, ab 40 Euro; USK: PC-Version ab 18 Jahren, Konsolen ab 16 Jahren

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