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09. Juli 2012, 18:05 Uhr

Spiele des Jahres

Bauen, zocken und rechtzeitig sterben

Von Joachim Budde

"Kingdom Builder" ist das Spiel das Jahres. Das hat die Jury des wichtigsten Spielepreises in Deutschland entschieden. Die Auswahlliste zeigt: Es war ein besonderes Spiele-Jahr. SPIEGEL ONLINE hat sich Sieger und Platzierte angesehen.

"Kingdom Builder" - Die Bauregeln überlisten

Besiedelt ein Königreich - das ist keine besonders originelle Spielidee, aber "Kingdom Builder" aus der Feder von Donald X. Vaccarino, der den begehrten Preis bereits mit "Dominion" gewonnen hat, ist trotzdem ein schönes Spiel. Die Kunst liegt darin, die Bauregeln zu überlisten und sich Sonderaktionen zu sichern: In jeder Runde darf der Spieler auf einem der fünf Geländetypen drei Häuschen bauen. Wer kann, muss Siedlungen erweitern, die er bereits gebaut hat, das ist die wichtigste Bauregel. Drei Auftragskarten geben an, wofür die Spieler am Ende ihre Punkte kriegen, und das sind fast nie zusammenhängende Siedlungen. Das zu schaffen, darin liegt der Schlüssel zum Sieg.

"Kingdom Builder" ist ein Spiel für gedankenschnelle Siedler mit Knobelaffinität, aus dem man auch gut ein abstraktes Spiel hätte machen können. Jede Partie ist anders, weil immer nur vier der acht Spielplanteile und drei der zehn Auftragskarten im Spiel sind - das sorgt für Abwechslung. Je mehr Spieler mitbauen, desto spannender, weil man sich dann mal in die Quere kommen kann.

Es kann sich übrigens lohnen, vor dem Kauf schon mal in die Schachtel zu schauen: Bei den Teilen des Rezensionsexemplars jedenfalls hat die Stanzform kräftig danebengelegen.

Donald X. Vaccarino: "Kingdom Builder", Grafik: Oliver Schlemmer, zwei bis vier Spieler ab 8 Jahren. Spieldauer: ca. 45 Minuten, Preis: ca. 40 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

" Village" - Spiel mir das Spiel mit dem Tod

Der Tod gehört zum Leben - das ist nicht besonders originell, aber dennoch hat der Tod bei Brettspielen nur selten eine tragende Rolle. Das ist bei "Village", dem "Kennerspiel des Jahres 2012" anders: Bei diesem Spiel müssen die Spieler ihre Figuren rechtzeitig sterben lassen, um zu gewinnen. Zwar müssen die Dörfler auch bei Village während ihres Lebens Punkte sammeln. Das können sie auf dem Markt, als Handwerker, auf Reisen oder indem sie in Rat und Kirche Karriere machen. Wer aber nicht rechtzeitig stirbt, vergibt wichtige Punkte. Denn aus jedem Bereich des Dorfes sichern sich die ersten Dahingeschiedenen einen Platz in der Dorfchronik. Wer zu spät stirbt, bekommt ein anonymes Grab hinter der Kirche.

"Village" ist ein sehr schön gestaltetes Spiel für Optimierer ohne Angst vor dem Tod. Es ist etwas befremdlich, dass es vorteilhaft sein kann, seine Leute schnell sterben zu lassen. Anders als bei vielen anderen Spielen reicht es nicht, sich Rohstoffe zu sichern, sondern man muss auch sehen, dass man genügend Nachschub für die Sippe hat. Doch die Atmosphäre stimmt, die Idee mit dem Dorf ist gut in die Mechanismen übersetzt. Eine runde Sache.

Inka und Markus Brand: "Village", Grafik: Dennis Lohausen und Hans-Georg Schneider, zwei bis vier Spieler ab 12 Jahren. Spieldauer: ca. 75 Minuten, Preis: ca. 26 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"Vegas" - Zocken um Zaster

Wem das zu viel Siedeln ist, der ist mit "Vegas" bestens bedient: Dies ist eines der Spiele, die mit gerade mal drei Regeln für großen Spaß sorgen: In sechs Casinos der Vergnügungsmetropole Las Vegas sind unterschiedlich hohe Gewinne abzuräumen. Die Spieler müssen ihre Würfel geschickt auf die Spielhöllen verteilen: Die Augenzahl bestimmt, auf welches Casino man einen Würfel legen darf. Acht Würfel hat jeder Spieler. Am Anfang kann er noch taktisch vorgehen, aber je weniger Würfel bleiben, desto wichtiger wird das Glück. Wer am Ende der Runde die meisten Würfel auf einem Casino hat, bekommt den größten Geldschein. Doch Vorsicht: Bei Gleichstand sind die Würfel wertlos. "Vegas" ist ein sehr einfaches Spiel für Zocker mit Taktikfaible, das man immer gleich noch einmal spielen möchte.

Rüdiger Dorn: "Vegas", Grafik: Harald Lieske und Mia Steingräber, zwei bis fünf Spieler ab 8 Jahren. Spieldauer: ca. 30 Minuten, Preis: ca. 18 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"Eselsbrücke" - Mit guten Geschichten punkten

Sehr interaktiv hingegen ist "Eselsbrücke": Dabei gewinnt der Spieler, der die einprägsamsten Geschichten erzählt und das beste Gedächtnis hat: Über mehrere Runden ziehen die Spieler mehrere Begriffe, die sie in eine möglichst anregende Geschichte verpacken müssen. Denn die Mitspieler sollen sich diese Begriffe merken und sich in einer späteren Runde daran erinnern können. Für jeden richtigen Begriff erhalten sie einen Siegpunkt, liegen alle Mitspieler richtig, bekommt auch der Erzähler einen Punkt. "Eselsbrücke" ist ein unterhaltsames Spiel für fabulierende Gedächtniskünstler. Die Schwierigkeit liegt darin, dass sich die Mitspieler die richtigen Begriffe merken. Etwas anstrengend: Man muss sich wirklich die ganze Zeit über konzentrieren.

Der Verlag hat Eselsbrücke in der zweiten Auflage etwas vereinfachte Regeln verpasst: Es gibt jetzt zwei Schwierigkeitsstufen. Wer früh zurückgefallen ist, hat jetzt größere Chancen, wieder aufzuholen.

Stefan Dorra und Ralf zur Linde: "Eselsbrücke", Grafik: Michael Menzel, drei bis zwölf Spieler ab 8 Jahren. Spieldauer: ca. 40 Minuten, Preis: ca. 18 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"K2" - Tödlicher Aufstieg

Gelungen ist auch "K2": Beim Spiel um den Wettlauf auf den zweithöchsten Berg der Welt legt sich geradezu eine eisige Atmosphäre auf den Spieltisch. Hier ist die vollständige Rezension dieses Spiels für Taktiker zu lesen.

Adam Kaluza: "K2", Grafik: Jarek Noco, ein bis fünf Spieler ab 10 Jahren. Spieldauer: etwa 60 Minuten, Preis: rund 29 Euro (günstigster Preis im Online-Handel heute)

"Targi" - Duell in der Wüste

Wer das Eins-gegen-eins sucht, macht sich auf den Weg in die Wüste: Bei "Targi" treffen zwei Adlige der Tuareg aufeinander und streiten um Waren und Einfluss. Objekte der Begierde sind die Stammeskarten, eröffnen sie den Fürsten doch besondere Fähigkeiten und zusätzliche Einnahmen. Um sie bezahlen zu können, brauchen die Targi - so heißen die Männer bei den Tuareg - Datteln, Salz, Pfeffer und Gold. All das gibt es auf dem Spielfeld. Es ist ausgesprochen wandelbar, besteht es doch aus Karten, die sich in jeder Runde ändern.

"Targi" ist ein spannendes Spiel der Verknappung für zwei Strategen: Die Spieler erlangen stets gerade das, was sie am nötigsten brauchen - wenn ihnen nicht der Gegner in die Quere kommt.

Andreas Steiger: "Targi", Grafik: Imelda und Franz Vohwinkel, zwei Spieler ab 12 Jahren. Spieldauer: ca. 60 Minuten, Preis: ca. 12 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)


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