Zocken zum Festpreis Lohnt sich eine Games-Flatrate?

Vier bis 15 Euro im Monat zahlen, dafür Dutzende Games spielen: Monatsabos wirbeln gerade den Spielemarkt durcheinander. Doch welche Angebote taugen etwas? Und was sollte man vor dem Abo-Abschluss wissen?

Uplay+ startet im September 2019
Ubisoft

Uplay+ startet im September 2019

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"Und, was spiel' ich jetzt?": Vor dieser Frage stehen viele Menschen, die sich zum ersten Mal überhaupt oder nach langer Zeit mal wieder eine Spielkonsole oder einen Gaming-PC gekauft haben. Für jede Plattform gibt es zahlreiche und nicht unbedingt günstige Blockbuster, dazu kommen viele Klassiker und Indie-Titel.

Spieleflatrates, wie es sie immer häufiger gibt, erleichtern in dieser Situation den Einstieg. Für einen fixen Monatspreis, teils noch mit Startrabatten, bieten sie Zugriff auf eine Vielzahl von Titeln. So kann man ohne große finanzielle Hürde ausprobieren, was einem gefällt und was nicht. In diesem Artikel stellen wir einige aktuelle Angebote vor, vom bald startenden UPlay+ von Ubisoft, bis zum seit dem 25. Juli auch für Playstation 4 verfügbaren EA Access von Electronic Arts.

Bevor man sich für eine Flatrate registriert, sollte man aber Folgendes wissen:

  • Endet ein Abo, ist in der Regel kein Zugriff auf die Flatratespiele mehr möglich - Spieler bezahlen für einen temporären Zugriff darauf. Will man später zum Beispiel ein lange geliehenes Spiel doch noch durchspielen, muss man es im Zweifel kaufen - oder erneut das Monatsabo abschließen. Anders ist das nur bei Humble Monthly.

  • Die Anbieter behalten sich vor, dass sich das Spieleportfolio von Monat zu Monat ändern kann. Absolute Sicherheit, dass ein bestimmter Titel zum Beispiel auch noch in einem halben Jahr im Flatratepaket steckt, gibt es daher nicht. Das Risiko, dass ein Spiel verschwindet, ist bei jenen Titeln höher, die der Flatrateanbieter nicht selbst entwickelt, sondern nur für sein Angebot lizenziert hat.

  • Anders als im Film- und Serienmarkt sind Exklusivproduktionen für Flatrates noch nicht weit verbreitet: In der Regel lassen sich alle Spiele aus einem Paket auch einzeln kaufen. Manchmal, etwa, wenn man bestimmte Games absehbar mehrere Monate lang spielt und es vielleicht sogar noch im Angebot ist, ist das unterm Strich günstiger, als nur wegen jeweils eines Spiels eine Flatrate zu abonnieren. Erst recht gilt das, wenn die Lieblingsspiele in verschiedenen Flatrates stecken, so dass man gleich für mehrere Dienste regelmäßig bezahlen müsste.

  • In der Regel verlängern sich die Flatrates von selbst, wenn die entsprechende Voreinstellung nicht geändert wird. Die Pakete lassen sich aber meist simpel per Klick und direkt nach der Anmeldung kündigen, für die restliche Laufzeit kann man dann trotzdem noch auf die Spiele zugreifen. Auch eine Rücknahme der Kündigung ist meist problemlos wieder möglich.

  • Generell ist es auch nach der Entscheidung für ein Angebot sinnvoll, sich kurz durch dessen Options-Menü zu klicken: Bei der Playstation-4-Variante von EA Access etwa fiel uns auf, dass sich hier die Datensammlung des Anbieters beschränken lässt: Dafür muss im Menüpunkt "Privatsphäre", bei dem standardmäßig "aktiviert" steht, händisch ein Häkchen entfernt werden. Danach verschwindet das Wort "aktiviert", aber man hat der umfassenderen Datensammlung ausgesetzt.

  • Startrabatte gelten meist nur eine bestimmte Zeit lang: Ist diese Phase abgelaufen, wird jeden Monat der eigentliche, teils deutlich höhere Preis fällig. Es ist auch nicht ausgeschlossen, sondern - wie der Blick auf den Videomarkt zeigt - eher wahrscheinlich, dass die Preise für Spiele-Flatrates langfristig steigen. Noch geht es den Anbietern in dem jungen Markt wohl vor allem darum, möglichst viele Kunden in ihre Pakete zu locken.

  • Guthaben für In-App-Käufe ist in den Monatspreisen nicht enthalten. So bekommt man zum Beispiel in EAs-Paketen Sportspiele ohne weitere Kosten zur Verfügung gestellt. Im Spiel selbst kann man aber trotzdem auf weitere kostenpflichtige Zusatzangebote wie Spieler-Packs treffen.

  • Vorsichtig sein sollten Sie bei Angeboten, bei denen Spiele gestreamt werden und nicht heruntergeladen: Hier ist das Spielerlebnis stark vom eigenen Internetzugang abhängig - und natürlich davon, ob die Server des Herstellers online sind.

Nun aber zu sechs konkreten Monatspaketen:

1) Xbox Game Pass von Microsoft

Microsoft

System: Xbox One, Windows-PC

Monatliche Kosten: zehn Euro, dank Startangeboten anfangs deutlich günstiger

Spiele-Portfolio: Teil des Pakets sind alle Titel der Xbox Game Studios wie "Sea of Thieves" oder "Forza Horizon 4", auch kommende Blockbuster aus diesem Umfeld wie "Gears 5" und "The Outer Worlds" sollen ab dem Erscheinungstag enthalten sein.

Von Drittherstellern sind etwa "Wolfenstein II", "Metro Exodus" und "ARK: Surival Evolved" an Bord. Nur im Xbox-One-Paket stecken etwa "Rocket League" und "Playerunknown's Battlegrounds", nur für PC-Nutzer zugänglich sind dafür etwa "Imperator Rome" und "Football Manager 2019".

Downloads: Die Spiele werden heruntergeladen.

Besonderheiten: Man kann sein PC- oder Xbox-One-Abo upgraden und bekommt dann für nur 13 Euro im Monat den Ultimate Game Pass, bestehend aus dem Xbox-One- plus dem PC-Abopaket, noch ergänzt um den Xbox-One-Abodienst Xbox Live Gold (siehe weiter unten).

Unsere Einschätzung: Der Xbox Game Pass wirkt - erst recht angesichts vieler derzeitiger Startangebote - wie das vorerst rundeste Flatrateangebot. Der Preis ist vertretbar, die Spieleauswahl bietet einige Highlights.

Besonders attraktiv ist der Game Pass in seiner Ultimate-Variante für Spieler, die sowohl PC- als auch Xbox-Spieler sind - und die bislang vielleicht sowieso monatlich Geld für Xbox Live Gold ausgeben.


2) Playstation Now von Sony

Sony

System: Playstation 4, PC

Monatliche Kosten: 15 Euro, Jahresabo 100 Euro, sieben Tage kostenlos testbar

Spiele-Portfolio: Zum Programm von Playstation Now zählen einige etwas ältere, aber noch immer viel gespielte Titel wie "Rocket League" und "For Honor", dazu kommen viele ältere Titel wie "Read Dead Redemption" aus Playstation-3- und Playstation-2-Zeiten. Im Portfolio sind auch einige Sony-Exklusivtitel wie "Bloodborne", "The Last of Us", "Beyond Two Souls" und "Uncharted 3", sie sind das Aushängeschild des Dienstes.

Downloads: Auf dem PC werden alle Spiele gestreamt, auf der Playstation 4 lassen sich zumindest Playstation-4-Titel auch herunterladen. Fürs Streaming wird eine Internetgeschwindigkeit von mindestens fünf Megabit pro Sekunde empfohlen.

Unsere Einschätzung: Playstation Now ist im Marktvergleich teuer und eignet sich derzeit höchstens für PC-Spieler, die einige Playstation-Exklusivtitel der vergangenen Jahre nachholen wollen. Auch das Spielestreaming wirkt eher wie ein Nachteil als wie eine Stärke des Dienstes, erst recht auf dem PC. Keins der angebotenen Spiele ist schließlich technisch so fordernd, dass es nicht auch auf einem zeitgemäßen Gaming-Computer laufen könnte.


3) EA Access/Origin Access von Electronic Arts

Electronic Arts

System: Xbox One, Playstation 4, PC (heißt dort Origin Access/Origin Access Premier)

Monatliche Kosten: Vier Euro, Jahresabo 25 Euro, Origin Access Premier kostet auf dem PC 15 Euro im Monat oder 100 Euro im Jahr

Spiele-Portfolio: EA Access bietet eine übersichtliche Zahl an Highlights, auf der Playstation 4 ist die Auswahl am kleinsten. Zum Angebot zählen aktuelle EA-Blockbuster wie "Fifa 19", "Battlefield 5" und "Titanfall 2", an der Seite von kleineren Titeln wie "Fe" und "A Way Out". Dazu kommen teilweise alte Serienteile von Sportspielen, die wohl niemand anstelle der jüngeren spielen wird.

Die neuesten EA-Spiele sind im Standardpaket meist nicht enthalten, sie lassen sich bei Erscheinen über die sogenannten "Play First Trials" von EA Access aber oft zeitlich begrenzt vorab testen.

Downloads: Die Spiele werden heruntergeladen.

Besonderheiten: Es gibt für den PC auch eine teurere Premium-Variante des Abos namens Origin Premier Access, die aktuellere Titel bietet, die im Standardpaket wohl nicht allzu bald auftauchen werden, wie "Sea of Soltitude" und "Anthem". Im Premier-Access-Paket landet demnächst auch "Fifa 20" - und das schon einige Tage, bevor es in den Handel kommt.

Unsere Einschätzung: EA Access ist ein preislich akzeptabler Einstieg für Spieler, die mal in EAs Portfolio an Sportsimulationen reinspielen wollen. Auf der Xbox One ist das Angebot bislang deutlich attraktiver als auf der Playstation. Die PC-Luxusvariante Origin Premier Access ist in erster Linie für Hardcore-EA-Fans interessant, die Games wie "Fifa" oder "Battlefield" unbedingt so früh wie möglich spielen wollen.


4) Uplay+ (startet am 3. September 2019) von Ubisoft

Ubisoft

System: PC

Monatliche Kosten: 15 Euro, kostenlose Testphase im September

Spiele-Portfolio: Uplay+ bietet einen Zugang zu Dutzenden, recht unterschiedlichen Games wie "Assassin's Creed: Odyssey", "For Honor", "Far Cry 5" und "Rayman Legends". Künftige Ubisoft-Eigenproduktionen wie "Watch Dogs Legion" sollen schon drei Tage vor dem offiziellen Release-Datum im Abopaket landen.

Downloads: Die Spiele werden heruntergeladen. Langfristig soll es eine Kooperation zwischen Uplay+ und Googles im November startenden Spiele-Streaming-Dienst Stadia geben, Details dazu sind aber noch nicht bekannt.

Besonderheiten: Uplay+-Kunden sollen auch Zugang zu Beta-Tests des Unternehmens bekommen, etwa im Fall von "Tom Clancy's Ghost Recon Breakpoint".

Unsere Einschätzung: Uplay+ ist interessant, wenn man sich für alle größeren Ubisoft-Titel interessiert oder bestimmte Klassiker der Firma nachholen will. Falls einen nur zwei oder drei Spiele aus dem Katalog überhaupt reizen, lohnt sich das Abo nicht.


5) Humble Monthly von Humble Bundle

HumbleBundle

System: PC

Monatliche Kosten: zwölf Dollar, Jahresabo 132 Euro

Spiele-Portfolio: Humble Monthly sticht in dieser Auswahl durch sein ungewöhnliches Konzept hervor: Spieler bekommen hier jeden Monat meist zwischen sieben und neun Spielen, vor der Zahlung des Monatspreises kennen sie davon aber nur zwei Titel. In der Regel handelt es sich um einen Mix aus ein, zwei etwas, aber nicht allzu alten Blockbustern und Games kleiner Entwicklerstudios. Die Monthly-Games darf man auch nach Ende des Abo weiter spielen.

Zahlende Spieler bekommen außerdem Zugriff auf ein Paket namens Humble Trove. Aus ihm lassen sich rund 60 Spiele, darunter vor allem Indie-Games, herunterladen und behalten. Zu den bekannteren Trove-Spielen zählen "Deponia", "Soma" und "Tacoma".

Downloads und Besonderheiten: Die Spiele werden heruntergeladen - und gehören dann dem Spieler.

Unsere Einschätzung: Humble Monthly ist ideal für PC-Spieler, deren Spielegeschmack breit gefächert ist und die sich für Indie-Spiele begeistern können. Abonnenten können sich über das Angebot recht schnell eine Spielesammlung aufbauen, die sie auch nach der Abo-Kündigung noch nutzen können. Von einzelnen Perlen abgesehen, sind Monthly-Abonnenten aber auch schnell Besitzer von Spielen, die sie nie haben wollten.


6) Nintendo Switch Online von Nintendo

Nintendo

System: Switch

Monatliche Kosten: Vier Euro, Jahresabo 20 Euro, sieben Tage kostenlos testbar

Spiele-Portfolio: Nintendo bietet Switch-Online-Kunden einen Zugriff auf mehrere Dutzend NES-Klassiker wie "Ghosts'n Goblins", "Super Mario Bros. 3" oder "Tennis". Sie sind Jahrzehnte alt und nicht alle gut gealtert, teilweise wurden sie aber mit Online-Multiplayer-Funktionen aufgebohrt. Mit "Tetris 99" hat Switch Online noch ein interessantes Exklusivspiel, das aber letztlich auch nur eine "Tetris"-Mehrspieler-Variante ist.

Downloads: Die NES-Spiele werden heruntergeladen, können aber nur bis zu maximal sieben Tage ohne Internetverbindung gespielt werden - was eine schlechte Entscheidung Nintendos ist, da die Switch nur per WLAN online gehen kann. Einen Sim-Karten-Slot etwa hat sie nicht.

Besonderheiten: Switch Online bietet ein Familienabo. Es kostet im Jahr 35 Euro und kann mit bis zu acht Accounts genutzt werden.

Unsere Einschätzung: Primär ist Switch Online keine Flatrate, sondern ein Online-Gaming-Zugang wie Playstation Plus oder Xbox Live Gold (siehe weiter unten). Wer mit der Switch nicht online spielen will, braucht Switch Online eigentlich nicht. Die Nintendo-Klassiker sind nur etwas für Retrofans, an "Tetris 99" hat man sich womöglich auch nach einem Monat wieder sattgespielt.


Sonstiges: Xbox Live Gold und Playstation Plus von Microsoft und Sony

Microsoft

Eine Extra-Erwähnung sind noch diese beiden Abodienste von Microsoft und Sony wert. Sie werden auf Xbox-One- und Playstation-4-Konsolen bei der großen Mehrheit aller Titel zum Onlinespielen benötigt. Wer kein Live-Gold- beziehungsweise Plus-Mitglied ist, kann mit seiner Konsole nur sehr wenige Spiele einfach so übers Internet im Multiplayer gegen seine Freunde spielen - eine Ausnahme auf der Playstation 4 ist beispielsweise "Fortnite: Battle Royale". Beide Online-Gaming-Zugänge kosten regulär rund sieben bis neun Euro im Monat, Jahrespakete gibt es aber oft günstiger.

Bei beiden Diensten bekommen Spieler jeden Monat Zugang zu meist zwei bis drei kostenlosen Games, die Microsoft beziehungsweise Sony auswählt. Oft handelt es sich um schon etwas ältere Blockbuster oder Indie-Games. Diese "Gratis-Spiele" (für die man praktisch aber natürlich doch bezahlt) lassen sich - wenn sie einmal abgerufen wurden - jeweils solange nutzen, wie das eigene Abo läuft. Wer also länger Live-Gold- oder Plus-Mitglied ist, kann sich auch auf diesem Weg ein kleines Spiele-Archiv aufbauen. Sobald man aber sein Abo kündigt, wird es wertlos.



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
lockederboss31 27.07.2019
1. ich finde...
Es schöner die spiele in physischer form zuhause zu haben. und sie immer spielen zu können wann ich mag.
mac75 27.07.2019
2. Fortnite ohne PS Plus spielbar
Um Fortnite zu spielen ist kein PS Plus bzw Xbox Live Gold notwendig. Auch diverse andere Spiele (zB Warframe) sind ohne diese Mitgliedschaften online im Multiplayer Modus spielbar.
Markus Böhm (SPON-Redakteur) 27.07.2019
3.
@mac75: Danke für den Hinweis. Bei der Playstation 4 stimmt das, da ist "Fortnite" kein gutes Beispiel - ich passe die Passage entsprechend an. Auf der Xbox One wird Epic zufolge Xbox Live Gold benötigt: https://www.epicgames.com/fortnite/de/faq
112211 28.07.2019
4. Lohnen?
Das Gute zuerst: eine Spiele-Flatrate lohnt sich fast immer. Für den Emittenten. Zumindest wenn er alles richtig macht. Und die Konkurrenz auf Abstand hält.
mr.gamer 28.07.2019
5. Danke für diese Zusammenstellung,
dadurch hat man mal einen Überblick. Aber ich bin eher jemand, der sich vorher schlau macht und dann gut überlegt, welche Spiele er will. In der Regel habe ich da bisher keine Reinfälle erlebt und zocke die Games dann auch exzessiv, bzw. immer mal wieder. Diese Spiele dann über Jahre quasi zu "mieten", immer mit der Unsicherheit verbunden, daß sie irgendwann nicht mehr verfügbar sind und sie dann am Ende doch zu kaufen macht glaube ich keinen Sinn. Und "anzocken" kann ich ein Spiel auch auf Steam, wenn auch nur maximal für 2 Stunden. :-( Interessant wäre natürlich, Exklusivtitel von der Playstation auf dem PC zu spielen. Aber wenn Sony alle Exklusivtitel auch für den PC verfügbar macht, sind es ja keine Exklusivtitel mehr. Dann entfiele das Argument, sich eben wegen bestimmter Spiele die Konsole zu kaufen. Wenn ich mehr Zeit zum Zocken hätte, wäre für mich das "Humble Monthly" interessant. Das ist so ähnlich wie früher der Bertelsmann Buchclub. ;-)
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