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03. November 2017, 14:19 Uhr

Monatsabos für Gamer

Was taugen Spiele-Flatrates?

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Einmal zahlen, viel spielen: Damit locken Games-Flatrates wie der Xbox Game Pass und Playstation Now. Doch einige Angebote haben Haken - und eine Sache fehlt allen.

Spielefans ködern, sie anfüttern: So könnte man das nennen, was Electronic Arts (EA) mit seinem Abodienst Access versucht. Für nur vier Euro im Monat bekommen Xbox-One- und PC-Spieler Zugriff auf gleich mehrere Dutzend EA-Spiele, die sonst oft schon einzeln mehr kosten.

Bekannte Titel wie "Fifa 17", "Star Wars Battlefront" und "Battlefield 1" warten in der Vault genannten Onlinebibliothek darauf, gespielt zu werden - drei Spiele, zu denen EA gerade zum Vollpreis angebotene Nachfolger oder neue, kostenpflichtige Erweiterungen im Portfolio hat.

"Wir nutzen die Möglichkeit, dass man per EA Access 'Fifa' spielen kann, vor allem dafür, dass Spieler ins nächste Spiel reinkommen", sagt Jens Kosche, EAs Deutschlandchef. "Die probieren das alte aus und sind so angefixt, dass sie auch das neue haben wollen. Deshalb packen wir ein 'Fifa' jeweils zwei, drei Monate vor dem neuen Teil in die Vault."

Ein wachsender Markt

EAs Access-Paket, 2014 gestartet, ist eins von mehreren Flatrate-Angeboten, mit denen Spielefirmen um das Interesse und das Geld von PC- oder Konsolenspielern buhlen. Es ist ein Experiment, ob und wie man einerseits Gamer stärker an sich binden und anderseits ältere Spiele attraktiv neu verpacken kann.

Seit 2017 mischen in Deutschland nun auch Sony und Microsoft im Flatrate-Markt mit. Ihre Dienste heißen Playstation Now und Xbox Game Pass. Beide Services ähneln sich von der Idee her, bei Preis und Technik gibt es aber Unterschiede. So werden die Spiele bei Playstation Now gestreamt und beim Game Pass heruntergeladen.

Unser Infokasten stellt die drei großen Flatrates und zwei weitere Angebote vor:

Es gibt verschiedene Hürden

Im Vergleich zu anderen Branchen wie Musik und Film sind Flatrates im Gaming-Bereich aber nach wie vor eine Seltenheit. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

Ein Markt mit Potenzial

Ein Interesse der Spieler an Games-Flatrates scheint aber zu bestehen. In einer nicht repräsentativen Umfrage - als Teil dieser Serie - stimmte im August mehr als die Hälfte von rund 20.000 Teilnehmern folgender Aussage zu: "Wenn es einmal eine Art vollwertiges Netflix für Games gibt, würde ich dafür gern jeden Monat Geld ausgeben."

Jens Kosche von EA sagt, es sei Ziel seiner Firma, "für jede Zielgruppe, für jeden Spieler das richtige Angebot haben". Sein Unternehmen wird daher wohl weiter sowohl Einzelspiele und Zusatzinhalte als auch die Access-Pakete anbieten. "Beim Film gibt es ja schon länger Flatrate-Streaming-Dienste und weiterhin auch Single-Verkäufe, sogar auf den gleichen Plattformen", sagt Kosche, die Geschäftsmodelle könnten daher gut nebeneinander existieren.

Auf die Frage, ob ein Streaming-Modell wie das von Playstation Now oder ein Download-System wie das von EA Access zukunftsfähiger sei, antwortet Kosche: "Aus Endkundensicht ist es im Grunde egal, wie das im Hintergrund technisch läuft, solange das Spielen gut genug funktioniert."

Einen großen Unterschied zu einem Dienst wie Netflix haben bislang übrigens alle Spiele-Flatrates: Exklusivtitel für die Abo-Kunden, also Spiele, die man auf keine andere Art spielen kann, hat keine von ihnen im Angebot.

EA immerhin ermöglicht es Access-Kunden, einige Spiele schon vor der offiziellen Veröffentlichung zu spielen. So konnten Access-Mitglieder die Vollversion von "Fifa 18" zehn Stunden lang vorab spielen, und das kostenlos. Die Hoffnung der Firma: Dass sie das Spiel so gut finden, dass sie es danach direkt zum Vollpreis kaufen, dann immerhin mit 10 Prozent Rabatt, den Access-Kunden auf alle EA-Spiele bekommen. Davon kann sich vielleicht auch noch Netflix etwas abschauen.

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