Spiele-Vorbestellungen Ein Blockbuster, zehn Versionen

Von "Die Sims 4" bis "Fifa 2015": Die meisten Videospiele lassen sich Monate vor Erscheinen vorbestellen, oft in mehreren Versionen. Für Fans können sich die Vorabkäufe lohnen - sie können aber auch zum Ärgernis werden.

Vorbestellhinweis zum Spiel "Die Sims 4": Bilderrahmen als Belohnung
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Vorbestellhinweis zum Spiel "Die Sims 4": Bilderrahmen als Belohnung


"Jetzt vorbestellen!": Auf der anstehenden Kölner Spielemesse Gamescom wird diese Aufforderung auf unzähligen Plakaten und am Ende vieler Spiele-Trailer zu sehen sein. Teilweise sollen die Kunden schon Monate vor Erscheinen eines Titels Geldbeutel oder Kreditkarte zücken. Als Belohnung gibt es Extras, etwa bessere Ausrüstung oder zusätzliche Level im Spiel.

Welch absurde Ausmaße das annehmen kann, zeigt zum Beispiel das Ende Mai erschienene Hacker-Actionspiel "Watch Dogs": Hier bot Hersteller Ubisoft so viele Vorbesteller-Boni und Sonderausgaben an, dass selbst eingefleischte Fans sie nur noch mithilfe einer Tabelle auseinanderhalten konnten. Das Ergebnis gibt es noch immer auf zahlreiche Spielewebsites zu bewundern. Das Fachportal IGN.com listet gleich zehn Spielvarianten auf.

Und "Watch Dogs" ist nur ein besonders krasser Fall. Ob Activision mit "Call of Duty" oder Electronic Arts mit dem neuen "Dragon Age": Kaum ein Hersteller kündigt heute noch Blockbuster an, ohne gleichzeitig auf Vorbestellmöglichkeiten hinzuweisen. "Vorbestellungen sind ein guter Indikator, ob ein Spiel wirklich erfolgreich wird", erklärt Jörg Müller-Lietkow, Professor für Medienorganisation und -systeme an der Universität Paderborn. Unter anderem können die Hersteller so das Marketingbudget besser kalkulieren.

"Augenwischerei, aber es funktioniert"

Die Palette an Zusatzinhalten, die es für eine Vorbestellung gibt, reicht von kosmetischen Änderungen wie Kostümen für die Spielfigur über neue Waffen bis zu zusätzlichen Missionen. Entscheidend für den Spielspaß ist das alles nicht. "Natürlich ist das ein bisschen Augenwischerei, aber es funktioniert", sagt Müller-Lietkow. "Das Versprechen, etwas exklusiv zu bekommen, zieht einfach."

Ähnlich sieht das auch Heiko Klinge, Chefredakteur bei der Spielezeitschrift "GamePro": "Gelegenheitsspielern kann das eigentlich egal sein", sagt er. Viele Spiele seien auch ohne Zusatzinhalte so umfangreich, dass man für sein Geld jede Menge Gameplay bekomme. Etwas anders sei der Fall bei eingefleischten Fans eines Titels, die sich monatelang damit beschäftigen wollen.

Die Vorbestell-Optionen bedeuten allerdings auch, dass sich diese Fans vor dem Kauf intensiver informieren müssen. Denn teilweise gibt es sogar je nach Händler, bei dem man ein Spiel kauft, unterschiedliche Zusatzinhalte. Noch komplizierter wird es, wenn man sich für sogenannte Limited- oder Special-Editions interessiert. Die kosten mehr als das reguläre Spiel, dafür gibt es neben digitalen Boni aber auch physikalische Beigaben. Das können zum Beispiel ein T-Shirt oder der Soundtrack auf CD sein.

Billigware für hundert Euro

Für Fans kann sich die Anschaffung solcher Pakete lohnen, sagt Klinge - allerdings nicht immer: "Da gibt es große Qualitätsunterschiede". Manchmal erhalten Käufer für Preise um hundert Euro nur Billigware, andere Hersteller bieten hochwertige Beigaben. Und manche Sonderausgaben werden tatsächlich in so begrenzter Stückzahl produziert, dass sie sich Jahre später teuer an Sammler weiterverkaufen lassen - allerdings nur ungeöffnet. "Für eine Limited Edition von 'World of Warcraft' im Originalzustand würden Sie heute richtig viel Geld bekommen", sagt Heiko Klinge.

Ob limitiert oder nicht: Ein wesentliches Problem der Vorbestellung ist, dass der Kunde selten weiß, ob das Angebot seine Erwartungen erfüllen kann. Das gilt nicht nur für die Qualität der Zusatzinhalte und Beigaben, sondern auch für das Spiel an sich. Denn Testberichte in der Fachpresse werden meistens erst am Erscheinungstag oder kurz vorher veröffentlicht.

Erweist sich ein groß angekündigtes Spiel dann als Flop, kommt der Kunde möglicherweise nicht mehr aus seiner Vorbestellung raus - zumindest im stationären Handel. "Da kann es sein, dass mit der Vorbestellung ein Vertrag zustande kommt", sagt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Beim Onlinekauf gilt dagegen auch bei vorbestellter Ware das Widerrufsrecht. Bei Software, darunter auch Spiele, erlischt es allerdings, wenn das Siegel an der Hülle gebrochen wird.

Vertragsbedingungen genau anschauen

Im Laden muss der Kunde meistens eine Anzahlung leisten und erhält dafür einen Coupon oder eine sogenannte Preorder-Box. Ob man das Geld im Zweifelsfall wiederbekommt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich, sagt Gollner: "Ich würde mir da die Vertragsbedingungen genau anschauen." Einerseits könne es passieren, dass der Verbraucher mit der Vorbestellung schon zur Abnahme der Ware verpflichtet ist - andererseits kann der Händler dem Kunden auch ein Rücktrittsrecht von der Vorbestellung einräumen, inklusive Erstattung der Anzahlung. Verpflichtet ist er dazu aber nicht.

Vorbestellungen können aber neben den zweifelhaften Boni auch echte Vorteile haben: "Ich habe damit die Garantie, dass ich das Spiel am Erscheinungstag bekomme, auch wenn es ausverkauft ist", sagt Gollner. Andererseits gibt es fast alle Spiele inzwischen auch als Download. Weil man hier nur Daten kauft, gibt es logischerweise keine Knappheit. Selbst auf den Download-Plattformen lassen sich Spiele aber inzwischen vorbestellen. Das lohnt sich aber eigentlich nur, wenn der Betreiber das sogenannte Preload anbietet. Damit werden die Titel schon vor dem Erscheinungstermin heruntergeladen - am Starttag können Ungeduldige dann ohne Wartezeit direkt spielen.

Tobias Hanraths, dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Wolffpack 16.07.2014
1.
Zitat von sysopTMNVon "Die Sims 4" bis "Fifa 2015": Die meisten Videospiele lassen sich Monate vor Erscheinen vorbestellen, oft in mehreren Versionen. Für Fans können sich die Vorabkäufe lohnen - sie können aber auch zum Ärgernis werden. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/spiele-vorbestellungen-informationen-zum-bestellen-und-stornieren-a-981271.html
"Etwas anders sei der Fall bei eingefleischten Fans eines Titels, die sich monatelang damit beschäftigen wollen." Genau. Das ist auch der EINZIGE Fall wo man über das Vorbestellen überhaupt nachdenken sollte. Gerade bei Assassins Dogs war das völlig absurd. Vorbestellen ist für den normalen Spieler immer ein starker Nettoverlust. Spiele die aggressiv auf den Hypetrain und Preorder setzen, sind ziemlich garantiert scheiße, siehe das neue Simshitty. Erstens kann man schon 1-2Tage nach Release vollständige Reviews lesen, die Mängel aufzeigen, und dann immer noch dasselbe Produkt kaufen - der DLC Content ist meistens eh nur tacked-on und wenn nicht, gibts irgendwann mal nen GOTY-Sale für 5Euro. Zweitens, wenn man ein bisschen geduldiger ist, sind die Spiele nach 2-3Monaten meist schon reduziert oder in irgendeinem Steamsale. Ich hätte mir im ganzen Artikel mehr Kritik an der Praxis gewünscht. Es ist halt einfach etwas, wovon nur der Publisher profitiert, aber in keinster Weise der Spieler (entweder fehlen Inhalte - egal wie klein oder unnütz die sind - oder er hat ein mieses Spiel).
Khaanara 16.07.2014
2. Vorbestellen lohnt sich immer weniger
Nach einigen Enttäuschungen im vorigen Jahr bei Vorbestellungen, dass die Spiele beim Erscheinen unspielbar, die Server nicht zugänglich waren und erst nach einigen Fixes und Patches Wochen/Monate später zum laufen gebracht wurden, warte ich persönlich auf die GotY-Editionen mit allen Patches und DLCs oder auf Steam- und Humblesales! Gute Spiele sind auch nach ein-/zwei Jahren noch gut! :-) Positive Erfahrungen hingegen und quasi auch Vorbestellungen habe ich bei Kickstarter-/Early Access-Spielen im letzten Jahr gemacht, wie Divinity: Original Sin, Might & Magic X, Kerbal Space Program und Battle World Chronos!
najzero 16.07.2014
3. Geduld kommt mit dem Alter...
Ich "zocke" jetzt bald 25 Jahre ( angefangen mit grauem Gameboy + Tetris ) und habe teilweise vielen Titeln aufgrund der Vorgänger extrem entgegen gefiebert und diese auch vorbestellt ( damals noch offline per "zurücklegen" ). Dank vieler Entäuschungen kaufe ich heute nur noch extrem selten Titel als Vorbestellung bzw. gleich zum Release. Ich habe schlichtweg genug "Futter" in Reserve um meine Zeit zu verbringen, um auf fallende Preise und auf gemeinhin gute Spiele zu warten. Ich darf 90 PS3 Titel physikalisch mein Eigen nennen, hätte ich für alle den Vollpreis bezahlt... au Backe. Und davon liegen dank Familienleben und Arbeit noch etwa 10 auf dem "ToDo" Stapel.
cor 16.07.2014
4. Funktioniert leider
Leider gibt es immer noch genug Deppen, die auf derartige Lockangebote, völlig überteuerte DLCs und diverse äusserst fragwürdige Pay2Win-Angebote reinfallen und den Publishern damit zeigen, dass sie im Grunde alles mit sich machen lassen. Macht so weiter, und ihr werdet bald für virtuelle Munition bezahlen müssen.
Putenbuch 16.07.2014
5. Problem?
Mal so gefragt: Wo in der Unterhaltungsbranche bekomme ich denn mein Geld zurück, wenn mir z.B. der Film nicht gefällt, oder die Serie, von der ich mir die ganze Season gekauft habe? Geben mir die ÖR mein Geld zurück, weil sie nur Ramsch produzieren? Außerdem hat man immernoch die Möglichkeit, sich auf youtube oder twitch.tv Let's plays der Betas der betreffenden Spiele anzusehen und sich so ein Bild zu machen. Da ist man nicht unbedingt auf die Presse angewiesen. À pro pos vorbestellen: Der Kartenvorverkauf für Video Games Live am 15.11.14 im Stuttgarter Hegelsaal und am 31.03.15 in der Münchener Symphonie am Gasteig hat begonnen. Der kultivierte Gamer sollte sich dieses Event keinesfalls entgehen lassen:D PS: Da gibt es auch keine Geld-zurück-Garantie!
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