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Star Citizen: Unendliche Weiten, unendliche Möglichkeiten

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Online-Spiel "Star Citizen" Auf der Suche nach der 150-Millionen-Dollar-Formel

Fans spendeten für die Entwicklung von "Star Citizen" mehr als 150 Millionen Dollar. Drei Deutsche erforschen nun, wieso so viele Menschen Geld ausgeben für ein Spiel, das sich noch gar nicht richtig spielen lässt.

Ein offizielles Release-Datum für die Vollversion des Online-Spiels "Star Citizen" ist noch lange nicht in Sicht. Und trotzdem hat das Spiele-Universum schon fast zwei Millionen virtuelle Einwohner. Sie alle haben echtes Geld ausgegeben für Raumschiffe, die sie nur in einer Testversion des Spiels fliegen können. Dank dieser Raumschiff-Anleihen soll aber die Vollversion auf den Markt kommen können - irgendwann .

Die Entwicklung der teuersten Weltraumsimulation aller Zeiten wird vollständig von ihren Fans und Nutzern bezahlt. Mehr als 150 Millionen US-Dollar (125 Millionen Euro) konnte "Star Citizen"-Erfinder Chris Roberts per Crowdfunding bis dato einsammeln, eine Rekordsumme.

Wie aber gelang es Roberts, eine weltweite und scheinbar auch über Jahre nicht abebbende Euphorie zu entfachen für ein Spiel, das sich noch gar nicht richtig spielen und immer weiter auf seine Vollversion warten lässt? Und mehr als das: Wie konnte der Entwickler das Interesse der Fans in eine Millionen-Finanzierung verwandeln?

Drei deutsche Wirtschaftswissenschaftler wollen diese Fragen nun erforschen: Jan-Philipp Ahrens, Dennis Steininger und Andrew Isaak werden im kommenden Wintersemester an der Universität Mannheim ein Forschungsseminar veranstalten mit dem Titel "'Star Citizen': The Art of Going Beyond Crowdfunding in the Video Gaming Business". Übersetzt heißt das: "Über die Kunst, in der Videospieleindustrie über Crowdfunding hinauszugehen".

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Star Citizen: Unendliche Weiten, unendliche Möglichkeiten

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"Star Citizen" als Lehrstück des Community -Aufbaus

Zu welchen Ergebnissen die Forscher kommen werden, ist natürlich noch offen. Ein paar Thesen, mit denen sich der Erfolg von "Star Citizen" erklären ließe, haben die Crowdfunding-Experten aber schon. "Wir glauben, dass da eine spezielle und besonders gute Form von Community-Pflege hintersteht", sagt Ahrens. "Wir hoffen, das auch statistisch festmachen zu können."

Unabhängig von dem Spiel hätte sich der "Star Citizen"-Begründer nämlich als visionäre Führungsfigur hervorgetan und das Videospiel als Lehrstück für künftige Gründer und Unternehmensmanager interessant gemacht. "Star Citizen ist das erfolgreichste Crowdfunding-Projekt aller Zeiten", erklärt der Crowdfunding-Forscher Isaak. "Uns interessiert die Management- und Leadership-Leistung, die zu diesem Erfolg geführt hat."

Von früheren Untersuchungen wisse man, dass eine emotionale Ansprache der Fans wichtig sei. Das fange schon beim Titel des Spiels an, glaubt Isaak: "Der Name 'Star Citizen' suggeriert: Hier bekommst du die Gelegenheit, dich an etwas Größerem zu beteiligen." Umgerechnet etwa 50 Euro kostet es, zu einem Bürger der virtuellen Sternennation zu werden. Das ist der Einstiegspreis für ein Starterpaket, mit dem man Zutritt zu den fünf verfügbaren Spielemodulen und ein Raumschiff bekommt.

Bereits 2012 hatte sich Erfinder Roberts mit einer eigenen Kampagnen-Seite von der Plattform Kickstarter und der etablierten Gamesbranche losgesagt. Er begann, auf eigene Faust Spenden für sein Vorhaben einzuwerben. "Star Citizen" sollte ein unabhängig von den großen Publishern produziertes Weltraum-Epos werden - eine offene Welt mit nahezu unendlich vielen Möglichkeiten.

Über fünf Jahre hinweg wurden die Funding-Ziele immer höher gesteckt. Jedes einzelne wurde erreicht. Von dem Geld soll das Entwicklerstudio hinter dem Spiel, Cloud Imperium Games, neue Features oder erweiterte Spielewelten finanzieren.

Interessante Daten im Netz verfügbar

Doch die Arbeit an dem Spiel zieht sich weiter hin. Eine Testversion ist seit 2013 spielbar. Jetzt warten die Fans gespannt auf die Veröffentlichung der Einzelspieler-Kampagne "Squadron 42", die bereits für 2016 angekündigt worden war, dann aber auf dieses Jahr verschoben wurde.Roberts will das Spiel angeblich nicht veröffentlichen , solange es nicht "perfekt" sei.

Interessant für Wissenschaftler macht "Star Citizen" auch die Tatsache, dass jede Menge Daten über das Projekt auf einer eigenen Webseite  verfügbar sind. "Seit Beginn der Kampagne ist dort alles, was das Unternehmen gemacht oder angekündigt hat, dokumentiert worden", sagt Ahrens: Geldbeträge, Nutzerzahlen, Funding-Ziele , Pressemitteilungen und Meilensteine. "Die Homepage stellt eine riesengroße Datenbank dar, die wir als Forscher nutzen können. Das ist einzigartig."

Und was hält der Entwickler von dem Projekt? Ein Sprecher von Cloud Imperium Games sagte auf Anfrage, man könne sich eine Zusammenarbeit mit den Forschern womöglich vorstellen. "Es klingt nach einer interessanten Idee", so der Sprecher.

Eine Klausur zu "Star Citizen" wird es im Mannheimer Seminar nicht geben, stattdessen sollen die Seminarteilnehmer wissenschaftliche Abschlussarbeiten schreiben. Das Ziel ist es, die Ergebnisse auch zu veröffentlichen. Falls sich kein wissenschaftliches Journal für das Thema interessieren sollte, werde man die Forschungsarbeit unabhängig publizieren. Das Interesse am Kulturgut Computerspiel und an dem Phänomen 'Star Citizen' reicht bis "in die Mitte der Gesellschaft" hinein, glaubt Ahrens.

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