"Swatting" mit Todesfolge Amerikaner drohen 20 Jahre Haft für gefälschten Notruf

Im Dezember wurde in Kansas ein Familienvater von der Polizei erschossen. Ein 26-Jähriger hatte die Einsatzkräfte per Notruf fälschlicherweise zu ihm geschickt. Der Fall zeigt, wie gefährlich sogenanntes Swatting ist.

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Update, 2. April 2019: Mittlerweile steht die Strafe für Tyler B. fest. Er muss der Nachrichtenagentur AP zufolge 20 Jahre in Haft.


Ein 26-jähriger Mann aus Kalifornien hat sich schuldig bekannt, mit Absicht einen falschen Notruf abgegeben zu haben. Die Aktion hatte im Dezember 2017 weltweit Schlagzeilen gemacht, weil sie fatale Folgen hatte: Nach dem Anruf wurde in der Stadt Wichita im US-Bundesstaat Kansas ein 28-Jähriger Vater von zwei Kindern von der Polizei erschossen.

Der Fall, der ein Bundesgericht in Kansas beschäftigt, ist aus vielen Gründen verstörend: So kannten sich der Anrufer und der von der Polizei erschossene Mann überhaupt nicht. Und als Auslöser der Tat gilt den Behörden zufolge der Streit zweier Videospieler um eine Partie im Shooter "Call of Duty: WWII".

Der Mann, der den falschen Notruf abgab, heißt Tyler B., ihm drohen im Zuge eines sogenannten "plea deal" nun 20 bis 25 Jahre im Gefängnis - sofern der Richter diese Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft akzeptiert. Im Kontext des Vorfalls in Wichita bekannte sich B. in drei Anklagepunkten schuldig, darunter "Cyberstalking" und die Abgabe einer falschen Meldung samt Todesfolge. Weitere Vorwürfe wurden im Zuge des Deals fallen gelassen.

Trotzdem kommt B. noch auf insgesamt 51 Anklagepunkte. Dabei geht es um weitere vermeintliche Telefonstreiche. So gab der Kalifornier zu, hinter gefälschten Bombendrohungen im FBI-Hauptquartier und bei der amerikanischen Telekommunikationsaufsicht FCC gesteckt zu haben.

In 46 weiteren Fällen machte er falsche Angaben über angebliche Bomben in Highschools, Einkaufszentren oder Fernsehstationen. Von seiner Heimat Los Angeles aus rief er Notfallnummern in insgesamt 17 US-Bundesstaaten an. Der Tageszeitung "Wichita Eagle" zufolge soll es im Nachgang der Anrufe teilweise zu Evakuierungen gekommen sein.

"Swatting" ist für Einsatzkräfte und Bürger gefährlich

All diese Aktionen endeten ohne Verletzte, der falsche Notruf in Kansas jedoch führte zum Tod eines Unbeteiligten. Der Vorfall gilt seitdem als Extrembeispiel dafür, welche Konsequenzen das sogenannte "Swatting" haben kann. Als "Swatting" bezeichnet man das Vortäuschen eines Notfalls, mit dem Ziel, dass die Polizei oder direkt ein Swat-Team, eine US-Spezialeinheit etwa für Geiselnahmen oder Amokläufe, bei einer bestimmten Person auftaucht.

Entsprechende Fälle sind aus der Gamer- und Streamer-Szene bekannt, auch Prominente waren immer wieder betroffen. Das Los Angeles Police Department warnte schon 2012, die Praxis des "Swatting" bringe "Einsatzkräfte und Bürger in Gefahr".

Der Fall aus Wichita hatte seinen Ursprung nach Ermittlererkenntnissen in einem Streit zweier Gamer rund um "Call of Duty". Aneinandergeraten sind demnach der 18-jährige Casey V. aus North College Hill, Ohio, und Shane G., 20, aus Wichita, Anlass soll eine 1,50-Dollar-Wette gewesen sein. Im Zuge dieses Streits soll Casey V. den in Los Angeles lebenden Tyler B. beauftragt haben, G. zu "swatten" - mithilfe einer Adresse in Wichita, die Casey V. zuvor von Shane G. bekommen hatte.

Tyler B. machte, was vom ihm gewünscht wurde, dem "Wichita Eagle" zufolge verschleierte er beim Anruf in der Notrufzentrale seine Telefonnummer und behauptete, er sei ein Mann, der seinen eigenen Vater umgebracht sowie Geiseln genommen habe und nun erwäge, das Haus anzuzünden.

Noch gechattet

Über Twitter soll B. zuvor sogar noch via Direktnachrichten mit G., dem angepeilten Opfer, kommuniziert haben. Shane G. hatte demnach herausgefunden, dass Tyler B. ihm nachspionierte. Auch in diesem Chat soll die Adresse, die B. ursprünglich von Casey V. erhalten hatte, Teil der Konversation gewesen sein.

"Probier deinen Scheiß aus", soll Shane G. im Austausch mit B. geschrieben haben: "Ich warte." Das Ganze schrieb G. in dem Wissen, dass die genannte Adresse gar nicht mehr seine war - er war mittlerweile umgezogen.

Tyler B. schickte die Polizei mit seinem Anruf so zum Haus des nichtsahnenden Familienvaters. Dieser wurde erschossen, nachdem er aus dem Gebäude gekommen war. Die Polizisten hatten in der Situation laut eigenen Angaben vermutet, er habe eine Waffe ziehen wollen. In seiner Mitteilung betont das Bundesgericht, dass der Mann unschuldig gewesen sei.

"Ohne jemals einen Fuß in die Stadt Wichita zu setzen, führte der Angeklagte eine chaotische Situation herbei, die sich schnell von einer gefährlichen zu einer tödlichen wandelte", kommentiert nun Staatsanwalt Stephen McAllister den Fall. Er plädiert dafür, dass Tyler B. für 20 Jahre ins Gefängnis soll, unter der Voraussetzung, dass dieser mehrere Entschuldigungsschreiben verschickt, unter anderem an die Polizei und die Familie des erschossenen Vaters.

Das Urteil im Fall von Tyler B. soll am 30. Januar gefällt werden. Er muss sich voraussichtlich im Januar auch noch einem weiteren Verfahren vor dem Sedgwick County District Court stellen, dabei geht es um den Vorwurf fahrlässiger Tötung. Auch Casey V. und Shane G. warten noch auf ihren Prozess. Sie streiten mehrere Anschuldigungen ab, die gegen sie erhoben werden.

mbö/AP

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
KaroXXL 14.11.2018
1.
Da gibt es doch einen bekannten Youtuber aus Emskirchen bei dem man Derartiges auch des Öfteren gemacht hat (wobei das da eher Feuerwehr, Polizei, Pizzadienste waren)... Zum Glück kam einer von denen ´etzala vor Gericht.
stdout 14.11.2018
2. Cowboys und ihre Wummen
Was ist mit dem übereifrigen SWAT-Team? Kommt für diese hirnlose Aktion keiner von denen ins Gefängnis? Was für Zustände müssen in einem Land eigentlich herrschen, wenn bei einem Telefonanruf ein Spezialeinsatzkommando losgeschickt wird?! Zum Glück lebe ich in Deutschland.
edelbastler 14.11.2018
3. SWAT- Teams
Irgendwie bezeichnend für die Verhältnisse bei den US- Amerikanern. Zuerst schiessen, dann fragen. Nicht umsonst bezeichnen viele US- Bürger ihre Polizisten auch als 'gun-toting idiots'. Natürlich ist es verwerflich, jemandem die Polizei auf den Hals zu hetzen und es ist richtig, wenn man dafür verurteuilt wird. Nur vermisse ich in dem Beitrag die Anklagepunkte gegen diejenigen, die direkt getötet haben, also die SWAT- Leute.
phthalo 14.11.2018
4. ...
Das der Swatter hinter Gitter muss, dafür bin ich auch. Aber vielleicht sollte man sich auch mal Konsequenzen bei der Polizei überlegen: Zuerst schießen und dann fragen geht irgendwie auch nicht.
Atheist_Crusader 14.11.2018
5.
"All diese Aktionen endeten ohne Verletzte, der falsche Notruf in Kansas jedoch führte zum Tod eines Unbeteiligten." Wie sicher ist der erste Part? Denn selbst wenn keiner durch die Einsatzkräfte zu Tode kommt, blockieren solche Notrufe begrenzte Ressourcen. Ein Polizist der zu einer Falschmeldung fährt, kann nicht gleichzeitig zu einem echten Notfall fahren. Ein Krankenwagen der einem schlechten Scherz nachfährt, kann derweil keine echten Verletzten versorgen. Solches Verhalten muss auch im nicht-tödlichen Normalfall hart bestraft werden. Hier wird mit dem Leben und der Sicherheit von Unbeteiligten gespielt, nur um eines pubertären Scherzes willen.
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