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Angespielt "The Crew": Virtueller Roadtrip durch die USA

Foto: Ubisoft

"The Crew" angespielt Mit Vollgas durch die amerikanische Provinz

Das Autorennspiel "The Crew" spielt in den USA, und das hat einen Riesenvorteil: Wer Mitspieler und Handlung schlicht ignoriert, kann sich auf einen virtuellen Road Trip durchs Land begeben. Allerdings wird die Reise ab und an gestört.

"Du brauchst mehr Erfahrung!" Die Stimme von Zoe klingt vorwurfsvoll. Sie will mich zurückholen nach Detroit. Ich soll weitere Missionen für sie erledigen. Doch ich habe andere Pläne.

Ich lasse Ohio hinter mir, fahre nach Süden, bis ich die Lichter von Dallas in der Ferne blinken sehe. Ich biege nach Westen ab, erst auf einem Highway, um dann auf einer Schotterstrecke durch das Monument Valley zu fahren. Ich will bis Amboy kommen. Das ist ein in den Fünfzigerjahren stehen gebliebener kleiner Ort in der kalifornischen Mojave-Wüste, einer meiner persönlichen Sehnsuchtsorte. Natürlich fahre ich in einem Ford Mustang.

"The Crew" ist ein ambitioniertes Autorennspiel von Ivory Tower, einem französischen Studio, dessen Gründer mit dem 2006 erschienenen "Test Drive Unlimited" Autorennspiele neu erfunden haben. Das kombinierte als erstes Rennspiel erfolgreich Online- und Offline-Features, funktionierte im Grunde wie ein Multiplayer-Onlinespiel. Mit dem Unterschied, dass der Avatar ein Auto ist. Auch "Forza Horizon" hat sich bei "Test Drive Unlimited" bedient. "The Crew" ist eine imposante Weiterentwicklung dieses Prinzips.

An der Grenze werde ich aufgehalten

In ihm kann ich eine verkleinerte Version der USA befahren - die aber trotzdem riesig ist. Fast eine Stunde brauche ich von Detroit nach Amboy. Auch wenn ich zuerst an der Grenze von Ohio scheitere und ich unsanft wieder nach Detroit versetzt werde: Ich hatte noch eine Mission zu erfüllen, musste für meine Mentorin Zoe noch eine Eignungsprüfung als Undercover-Agent des FBI ablegen.

Ich spiele Alex, dessen Bruder ermordet wurde, damit jemand anderes seinen Platz in einem AutoKlub übernehmen und diesen zu einem Verbrechersyndikat ausbauen konnte. Während Alex der Mord in die Schuhe geschoben wurde. Jetzt soll ich den Klub infiltrieren. Keine wirklich neue Geschichte, aber eine willkommene Abwechslung zu all den schönen Partymenschen, die sonst gerne Rennspiele wie "Forza Horizon" bevölkern. "The Crew" ist düsterer, geheimnisvoller.

Die Mitspieler rammen mein parkendes Auto

Auf meiner Reise fahre ich durch amerikanische Kleinstädte. Immer mit Vollgas. Was manchmal zu unschönen Situationen führt. Vor allem, wenn ich einen Moment nicht aufpasse und mit Karacho einem Polizeiwagen hinten drauf fahre. Und ich entweder flüchte oder eine Strafe zahle.

Ich suche Orte, an denen ich tatsächlich schon einmal gewesen bin. Fast spüre ich die feuchte Wärme der texanischen Nächte und die unerträgliche Hitze der Wüste. Die Reise weckt Erinnerungen. Auch weil "The Crew" immer wieder Details in die Spielwelt baut, die das Spiel authentischer machen. Motel-Schilder, Wassertürme und andere Charakteristika (siehe Fotostrecke).

Auch wenn es hauptsächlich ein Multiplayer-Spiel ist, das nur mit einer Internetverbindung funktioniert: Mir ist es erst einmal egal, was die anderen Spieler im Spiel machen. Ich wundere mich eher über meine Mitspieler, die es anscheinend unglaublich lustig finden, mein Auto zu rammen, während ich am Straßenrand parke. Und die anscheinend nichts Besseres zu tun haben, als zwei Minuten lang um mich zu kreisen und mich von allen Seiten zu treffen. Ich freue mich, dass ich sie nicht hören muss. Und stelle immer wieder fest, dass ich schnell an Grenzen stoße, wenn ich wirklich den Multiplayer-Teil des Spieles testen möchte.

Man kann das Spiel auch allein genießen

Sobald ich ein Rennen im Koop-Modus starten möchte, werde ich aus dem Spiel gerissen und unsanft daran erinnert, dass ich dafür Playstation-Plus-Kunde sein müsste. Was ich nicht bin. Ähnliches gilt übrigens bei der Xbox-One-Version des Spiels, da müsste ich ein Xbox-Live-Abo haben. Eine Bedingung der Konsolenhersteller, sagt Publisher Ubisoft. Nur auf dem PC gibt es keine Beschränkungen.

Egal. Ich kann viele Rennen auch allein fahren, kann kleine Herausforderungen annehmen, Geschwindigkeitsrekorde brechen, Slalom fahren oder Sprünge machen. Und ich kann einfach weiter durch die Gegend fahren. In Amboy angekommen, bin ich etwas enttäuscht. Das berühmte Roy's-Schild wurde abgewandelt und heißt jetzt Jay's. Auch die endlos langen Güterzüge, die sich rumpelnd durch den Ort schieben, sind nirgendwo zu sehen.

Dennoch: Ich plane schon die nächsten Touren. Erst einmal werde ich die Wüste erkunden, nach Los Angeles fahren und dann die Küste entlang weiter nach San Francisco. Auch wenn ich immer wieder die Stimme von Zoe im Spiel habe, die mir dringend rät, nach Detroit zurückzukommen. Ich hätte noch nicht genug Erfahrung. Mir egal. Ich genieße "The Crew". Auf meine Art.


"The Crew" von Ubisoft, für Playstation 4, Xbox One und 360, PC, ab 45 Euro; USK: Ab 12 Jahren

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