Reiz von Loot-Shootern Und noch mal. Und noch mal. Und noch mal

Immer wieder das Gleiche tun und so in die Tiefen des Spiels vordringen: Sogenannte Loot-Shooter wie "The Division 2" liegen im Trend. Warum sind die vermeintlich monotonen Online-Games so beliebt?

"The Division 2"
Ubisoft

"The Division 2"

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Die Gegner sind über den Haufen geschossen, jetzt gibt es endlich Beute, Loot genannt: eine neue Waffe etwa und ein Stück Rüstung, nach dem der Spieler schon lange suchte. Doch noch ist nicht alles erbeutet, noch ist das Ausrüstungsset nicht komplett. Also geht es gleich hinein in die nächste Mission, auf die Jagd nach neuen Gegenständen, in den Kampf gegen die nächsten Gegner.

So simpel könnte man die grundlegenden Mechaniken sogenannter Loot-Shooter zusammenfassen. Der aktuellste Blockbuster dieses Trend-Genres ist gerade erst auf den Markt gekommen, er heißt "The Division 2".

In dem Spiel wurde Washington DC von einem Virus heimgesucht. Nur wenige Menschen haben überlebt, die Stadt ist verwüstet, verlassen - das Gerippe einer einst lebendigen Metropole. Die Division, zu der der Spieler gehört, will mit dieser Verwüstung aufräumen - oder zumindest das Fortschreiten des Verfalls aufhalten. Denn freilich hat der Zusammenbruch der Zivilisation nicht dazu geführt, dass die restlichen Menschen friedlich zusammenleben. Nein, durch die Straßen der Stadt ziehen Menschen, die Tod bringen wollen. Aufgabe der Division ist es also, die Menschen zu beseitigen.

Die Straßen zeugen vom Chaos beim Untergang - und sind durchzogen von marodierenden Gegnern
Ubisoft

Die Straßen zeugen vom Chaos beim Untergang - und sind durchzogen von marodierenden Gegnern

Was durchaus als Vorlage für eine komplexe Geschichte geeignet wäre, tritt - auch das ist typisch für Loot-Shooter - jedoch in den Hintergrund. In "The Division 2" steht der Loot, die Beute, im Vordergrund. Und das, was der Spieler dafür tun muss.

Menschen, die zum Spiel gehören

Das verbindet das Spiel mit Titeln des Genres wie "Anthem" und "Destiny 2". Auch sie haben Geschichten, stringent erzählt werden sie aber nur selten. Vielmehr existieren Fragmente einer Erzählung, die etwa in Form einer Tonaufnahme oder Item-Beschreibungen zu finden sind. Es geht oft um die Schicksale von Menschen aus der Welt davor, die sich in die neue Welt eingeschrieben haben - und die, wenn man nicht genau hinschaut, auch untergehen kann.

Fragt man die Fans von Loot-Shootern nach der Faszination der Online-Spiele, sticht ein Aspekt deutlich heraus: Die gemeinsame Zeit, die beim Erkunden der Welt und beim Besiegen der Gegner in einer Gruppe verbracht werden kann. Denn während diese Spiele sich stets auch alleine spielen lassen, öffnen sie sich doch erst richtig, wenn sie zusammen mit anderen Menschen - Freunden oder Fremden - erlebt werden.

Im Zuge der virtuellen Beutejagd bilden sich Gemeinschaften, die sich etwa abends treffen, um ein paar Stunden zusammen zu zocken. Es sind dann auch die Menschen selbst, die zum Spiel gehören, es entstehen Erinnerungen.

Neben den großen Straßen und verfallenen Gebäuden kann der Spieler auch Hinterhöfe erkunden
Ubisoft

Neben den großen Straßen und verfallenen Gebäuden kann der Spieler auch Hinterhöfe erkunden

Dies wird auch bei "The Division 2" deutlich. Besonders beim Alleinspielen können die Missionen darin schnell monoton werden. Sie alle laufen nämlich recht ähnlich ab: Es gilt, einen Ort zu erreichen, die Gegner zu besiegen, Geiseln zu befreien, Güter einzusammeln oder Informationen zu beschaffen.

Ist dieses Ziel erreicht, muss der Spieler noch mal zwei bis drei Gegnerwellen besiegen, bis schließlich ein besonders starker Gegner erscheint, der erst nach etlichen geleerten Magazinen zu Boden geht - und dann die heißbegehrte Beute hinterlässt.

Es ist die Herausforderung

Noch hat das Spiel mit zu spät ladenden Texturen zu kämpfen, wie hier beim Kirchturm zu sehen
Ubisoft

Noch hat das Spiel mit zu spät ladenden Texturen zu kämpfen, wie hier beim Kirchturm zu sehen

Doch diese Missionen sind nötig, um weiterzukommen: Mehr Erfahrungspunkte, neue Ausrüstung, neue Waffen, ohne geht es nicht voran. Es sind Ziele, selbstgesteckte oder vom Spiel vorgegebene, die der Spieler erreichen muss - und will. Denn neben dem Gemeinschaftsgefühl sind es diese Herausforderungen, die viele Fans zum Spielen der Loot-Shooter bringen. Das Erreichen des nächsten Charakterlevels, das Ergattern einer heißbegehrten Waffe, das sind die Trophäen dieser Spiele.

Preisabfragezeitpunkt:
24.04.2019, 19:10 Uhr
Ohne Gewähr

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The Division 2
Label:
Ubisoft
PlayStation 4, Xbox One, PC; ab 54,98 Euro.

Zumal die Spiele auch ständig erweitert werden. Das gilt für die Missionen, genauso werden von den Entwicklern aber auch neue Belohnungen und Herausforderungen hinzugefügt. So gibt es etwa tägliche oder wöchentliche Herausforderungen, die den Spieler animieren sollen, das Spiel immer wieder zu starten, um zu sehen, was es Neues zu erreichen gilt. Loot-Shooter wachsen und erneuern sich - wenn sie gut gemacht sind - dann so, wie es sich die Fans wünschen.

"The Division 2" besitzt schon jetzt zum Start eine schier unerschöpfliche Fülle an Inhalten. Die Welt ist gigantisch, die Aufgaben sind beinahe überwältigend. Dem Spieler wird ein gewalttätiger Spielplatz geboten, der ihn lange bei der Stange halten kann. Allerdings nur, wenn ihn diese Spirale nicht stört, die ständige Wiederholung. Denn die Freude am Loot ist hier der Anfang und das Ende.



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Schämer 20.03.2019
1.
Aufgbe der Division ist es Menschen zu killen, die durch "Straßen der Stadt ziehen Menschen, die Tod bringen wollen" Aber.. "steht der Loot, die Beute, im Vordergrund. Und das, was der Spieler dafür tun muss." Tut der Spieler dann nicht genau das gleiche, was er bekämpft ?
static_noise 20.03.2019
2.
Nun ja, man könnte auch argumentieren dass der Aspekt des Erneutes, Zerlegens, Planens, Bauens, eine zusätzliche Ebene in einen Shooter bringt. Ausgerechnet der Division Serie vorzuwerfen es wäre monoton, bei all den Gegenden, Informationen, Hintergründen, Storylinies plus PvP die es zu entdecken gibt halte ich für gewagt. Der Autor fokussiert sich auf einen Teilaspekt und arbeitet sich daran ab. Das ist als werfe ich Schach und Dame vor es sei eintönig weil es nur 64 Positionen gäbe und alles immer "das Selbe". Nicht wirklich falsch aber auch nicht richtig. Disclaimer: Ja ich spiele The Division, gern.
theos001 20.03.2019
3.
Inwiefern unterscheidet sich dieses Genre dann von der Realität? Wir stehen morgens auf, frühstücken, dann gehts zur Arbeit. Schlimmstenfalls Tag für Tag aufs neue. Zwischendurch gehts zur Abwechslung vllt in den Hobbyraum. Sehe da nicht viel Unterschied.
vielflieger_fred 20.03.2019
4.
So gut diese Spiele auch gemacht sind - aufgrund der "ständigen Erweiterung" dieser Spiele werden die Spieler gezwungen, ständig am Ball zu bleiben. Man darf nicht vergessen, dass man sich in einem vom Hersteller vorgegebenen Regelwerk bewegt, welches ständig verändert wird.
krautkiwi 20.03.2019
5. Diablo
Diablo (1996) war das erste Spiel das, nachdem man die story zu ende gespielt hat, es einem ermöglich hat alle level wieder und wieder zu spielen um mit verbesserter ausrüstung das spiel in mehreren höheren schwierigkeitsgraden zu meistern. Die im artikel beschriebene spielidee war also vor 23 jahren bereits äusserst populär.
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