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"The Legend of Zelda": Kleiner Link, großes Abenteuer

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"The Legend of Zelda" Großer Triumph des kleinen Link

Gestochen scharf? Ist doch gar nicht nötig! Das Spiel "The Legend of Zelda" zeigt mit seiner Jubiläumsausgabe, dass auch eine softe Optik verzaubert. Nintendos Wii-Konsole ist eben nicht nur ein Gerät für kleine Hampelspielchen, sondern auch für große Meisterwerke.

"Link ist wie ein Kind für mich", sagt Eiji Aonuma. Link ist der Protagonist der "Legend of Zelda"-Reihe, ein Junge, der in grünem Mantel und Zipfelmütze, bewaffnet mit einem Schwert, Abenteuer besteht. Aonuma arbeitet seit fünfzehn Jahren an diesen Spielen, erst als Leveldesigner, inzwischen als Produzent. Das innige Verhältnis hat sich langsam entwickelt, spätestens mit dem neuen Spiel "Skyward Sword", pünktlich zum 25-jährigen Jubiläum der Reihe erschienen, ist es zu väterlicher Liebe geworden.

"The Legend of Zelda" ist eine japanische Videospielreihe, 1986 erfunden von Mario-Vater Shigeru Miyamoto. Und ähnlich wie bei den Mario-Games ist jedes Spiel eine Variation der immer gleichen Geschichte: Die namensgebende Prinzessin Zelda verschwindet, Link muss sie finden und retten. Dabei erkundet er Landschaften, erforscht Höhlen, löst mit verschiedenen Hilfsmitteln wie Pfeil und Bogen, Bumerangs oder Bomben Rätsel oder verwandelt Gegner in kleine Rauchwolken. "Diesmal ist es anders", sagt Aonuma, "Zelda ist keine Prinzessin. Sie und Link sind Schulfreunde, und er zieht los, um sie zu retten, als sie bei einem gemeinsamen Ausritt auf Riesenvögeln verschwindet." Er muss selbst über diese Antwort lachen, denn ihm ist natürlich klar, dass auch das nur eine weitere Variation des "Zelda"-Themas ist. Wieder steht Zelda symbolisch für eine Welt, die gerettet werden muss, und wieder muss Link in sein grünes Abenteuerkostüm schlüpfen, ein Schwert nehmen und sich auf die Suche machen.

Wie ein Märchen, das über die Jahrhunderte weitergegeben und in jeder Generation neu interpretiert wird, ist jedes "Zelda"-Spiel neu und alt zugleich. So ist auch "Skyward Sword" so neu, dass man sich nicht langweilt, und doch so vertraut, dass man sich sofort zu Hause fühlt, wenn man bereits einen Teil der Reihe kennt. Was auch an der Musik von Koji Kondo liegt, dem Hauskomponisten von Nintendo, der die Mario-Themen geschrieben hat und der auch "Skyward Sword" wunderbar vertont hat.

"Ich beschreibe nicht die Landschaft in der Musik, so wie es in den meisten anderen Spielen geschieht. Ich versuche, die Gefühle des Spielers beim Betrachten einer Szene mit Musik zu beschreiben", sagt er und glaubt, dass sich so das Spiel, entscheidende Momente und die Landschaften viel tiefer einprägen, es eine größere emotionale Bindung gibt. Es scheint ihm gelungen zu sein, denn rechtzeitig zum Jubiläum tourte ein Orchester durch die Welt und spielte in voll besetzten Konzertsälen ausgewählte "Zelda"-Melodien.

Ein impressionistischer Grafikstil

Dieser poetische Ansatz setzt sich im Grafikstil fort. "Impressionistisch", hat ihn Shigeru Miyamoto einmal genannt, "verwischt" nennt ihn Aonuma. Das gibt dem Spiel eine sehr eigene, unwirkliche Atmosphäre und hat einen willkommenen Nebeneffekt: Es verdeckt, dass sich die Wii-Konsole grafisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit befindet. Stellt die Konkurrenz scharfe HD-Bilder zur Verfügung, so arbeitet die Nintendo-Konsole noch mit der Standardauflösung, was auf den ersten Blick abschreckt. "Ich glaube nicht, dass eine bessere Auflösung das Spiel besser machen würde", sagt Aonuma und hat damit nicht unrecht.

Hat man sich erst einmal an die Unschärfe gewöhnt, vergisst man die Auflösung schnell und genießt die Landschaften, die kindlichen Figuren, taucht ein in ein Märchen, in dem es vor allem darum geht, eine Welt zu entdecken. Besser gesagt zwei: Denn "Skyward Sword" spielt in einem Land über den Wolken und in einem darunter. Es lässt Link auf Vögeln reiten oder zu Fuß durch die Welt ziehen. Es lässt ihn Figuren treffen, die ihm helfen oder ihn von seinem Ziel abbringen wollen.

Dass das so gut gelingt, liegt auch an der Steuerung. Denn in "Skyward Sword" wird die verbesserte Bewegungssteuerung der Wii eingesetzt, Wiimote Plus genannt. Präzise erkennt sie Bewegungen, so dass man das Schwert, mit dem Link kämpft, gut führen kann, die fleischfressende Pflanze zum Beispiel am Maul entlang teilen oder den Schwerthieben von Gegnern die passenden Konter entgegensetzen kann. Doch das heißt nicht, dass man dafür fuchtelnd vor dem Fernseher stehen muss, erklärt Aonuma und lehnt sich entspannt in seinen Sessel zurück, um zu demonstrieren, dass man das Spiel auch aus dem Handgelenk steuern kann.

"Skyward Sword" ist neben "Super Mario Galaxy" das einzige Spiel, das wirklich zeigt, was mit Nintendos Wii-Konsole alles möglich ist - wenn sie nicht nur als Gerät für billige Fitness- und Hampelspiele hergenommen wird. Es zeigt, wie präzise der Controller funktioniert, wie sehr eine Bewegungssteuerung dabei helfen kann, sich in einer Welt zu verlieren, und setzt so einen schönen Schlusspunkt der Wii-Ära. Denn die Nachfolge-Konsole WiiU soll bereits nächstes Jahr erscheinen. "Es ist gut, dass wir mit "Skyward Sword" noch einmal das volle Potential der Wii zeigen können", blickt Aonuma zurück und schaut gleichzeitig nach vorn, denn auch für die WiiU wird es ein "Zelda"-Spiel geben.

Bis dahin aber ist "Skyward Sword" das wohl kompletteste "Zelda"-Spiel, ein Märchen, das einen wochenlang fesselt - eines der schönsten Spiele des Jahres. Aonuma kann stolz auf seinen Ziehsohn sein.