"The Legend of Zelda: Link's Awakening" Früher war das alles grau

Als Kind lag unser Autor auf dem Sofa, mit "Zelda" im Rückenschlitz seines Game Boys. Jetzt erscheint eine Neuauflage von "Link's Awakening". Das weckt Erinnerungen, auch dank des neuen Grafikstils.

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In unserem Wohnzimmer stand dieses große gelbgemusterte Sofa in L-Form. Am liebsten lag ich im Knick dieses Sofas, mit meinem schwarzen Game Boy in der Hand. Ich nutzte ihn vor allem, um Games wie "Super Mario Land" oder "Wario Blast" zu spielen. Für längere Spiele mit viel Geschichte wie "Secret of Mana", "Terranigma" oder auch The Legend of Zelda: A Link to the Past" war mein Super Nintendo zuständig - zumindest für lange Zeit. Dann kam der Tag, an dem meine Schwester einen Game Boy Pocket bekam - und mit ihm "The Legend of Zelda: Link's Awakening."

Epik auf einem so kleinen Bildschirm?

Mir erschien das suspekt, so ein Abenteuerspiel auf einem winzigen Bildschirm und dann auch noch nur in Graustufen? An diesem Zeitpunkt, 1996 - "Link's Awakening" war damals auch schon drei Jahre alt -, ahnte ich nicht, dass auch ich bald endlose Stunden in "Pokémon Blaue Edition" für den Game Boy stecken würde.

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Nintendo-Klassiker: Die Geschichte der "Zelda"-Reihe

Neugierig schaute ich meiner Schwester über die Schulter, beobachtete, wie sie spielte, immer noch skeptisch. Selbst probierte ich es erst aus, als sie mit dem Spiel fertig war, dann doch voller Ehrgeiz. Zwischen uns entbrannte ein Wettstreit: Wer kann das Spiel schneller durchzocken? Und so legte ich mich in meinen Winkel auf dem Sofa und versank in meinem ersten epischen Abenteuer für den Game Boy.

Ich weiß bis heute, dass mich die Grafik zunächst auch beim Selbstspielen enttäuschte. Wie sollte so ein Gefühl von Gefahr und Abenteuer aufkommen, wenn alles grau und grob war? Hatte der zweite Boss eigentlich merkwürdige Hände, die er in die Luft streckte, oder waren das Schleifen in seinem Haar?

"Link's Awakening" auf dem Game Boy: So sah das Spiel im Original aus

"Link's Awakening" auf dem Game Boy: So sah das Spiel im Original aus

Jetzt gibt es ein Remake

Aus diesem Rätseln entstand jedoch bald ein großer Spaß. Mit meiner Schwester tauschte ich mich darüber aus, wie die Monster wohl aussahen. Die Grafik regte die Fantasie an in einer Zeit, in der nicht jedes Detail ausmodelliert war. Die Vorstellungskraft füllte damals die Lücken, die die Darstellung offenließ.

Nun ist "Zelda: Link's Awakening" erneut erschienen, als Remake für die Nintendo Switch. Inzwischen habe ich kein Sofa mit Winkel mehr, wohlgefühlt habe ich mich mit dem Spiel aber dennoch. Das liegt vor allem an dem Grafikstil, für den sich Nintendo entschieden hat. Denn noch immer lässt dieser Raum für die eigene Fantasie.

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Remake: Das ist "The Legend of Zelda: Link's Awakening"

Die Insel Cocolint wirkt wie aus Knete gebaut, im Zimmer eines Kindes mit viel Kreativität. Kurzum: Das Remake von "Zelda: Link's Awakening" hat so viel Charme, strahlt so viel Lust am Spiel aus, dass auch die alten Spielmechaniken wie kostbare Relikte wirken, nicht wie lange überholtes Spieldesign.

Für Neueinsteiger und Nostalgiker

Als ich nun das Remake spielte, wurde mir aber auch bewusst, dass ich mich an vieles aus dem Original kaum mehr erinnerte. Es war ein Wiederentdecken von Dungeons, ein Wiederfinden von Lösungen, bei denen mir meine Schwester vor 23 Jahren noch hilfreich zur Seite stand.

Doch hätte ich mir das Spiel besser eingeprägt, wäre mir vieles im Remake bekannt gewesen. Denn inhaltlich hat sich nichts geändert. Daher wendet sich die moderne Version wohl vor allem an ein neues "Zelda"-Publikum, geprägt vom jüngsten Serienteil "Breath of the Wild", das nun die Anfänge der Reihe kennenlernen möchte.

Aber auch das "Ich erinnere mich"-Gefühl kann ja ein schönes sein. Diese nostalgische Verklärung, mit der man an die Lebenssituation zurückdenkt, in der man ein Videospiel zum ersten Mal gespielt hat. An die Verwandten und Freunde, die daneben saßen. An die Erfahrungen, die einen als Spieler geprägt haben. Und so ist das Remake von "Zelda: Link's Awakening" sicherlich auch geeignet für jene, die das Game-Boy-Spiel noch auswendig kennen.

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Wenig ist wirklich neu

Ihnen bietet Nintendo immerhin noch die neue Möglichkeit, eigene Dungeons zu bauen - was sich aber schnell als eine bestenfalls nette Dreingabe entpuppt. Zudem ist ein Extra-Dungeon im Spiel, der in Originalversion nicht vorhanden war, sondern erst in der Überarbeitung für den Game Boy Color.

Technisch tut sich das neue "Link's Awakening" mitunter schwer, in Form von Problemen mit der Framerate. So gerät das Spiel gelegentlich ins Stottern, gerade im Handheld-Modus. Und das, obwohl Nintendo eine Tiefenunschärfe über das Spiel gelegt hat, die den oberen und unteren Rand verschwimmen lässt.

Weiterspielen wollte ich trotzdem immer. "The Legend of Zelda: Link's Awakening" ist ein schönes, ein Nostalgie weckendes Spiel. Eines, das wie ein Pfeiler im modernen Spiele-Wirrwarr steht, mit der Aufschrift "Weißt du noch? So waren Spiele mal."

Meine Schwester hat unseren Wettstreit damals übrigens gewonnen: Sie beendete das Spiel schneller als ich, obwohl sie mir sogar half. Ein wenig gewurmt hat mich das schon.



insgesamt 2 Beiträge
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Lamirah 21.09.2019
1. Nostalgische Gefühle
Dss Original war mein liebstes Spiel der Kindheit und ich habe es zig Mal durchgespielt. Obwohl ich es auswendig kann und im Remake vieles wiedererkenne, beinträchtigt das meinen Spielspaß keineswegs, im Gegenteil. Hoffentlich wagt sich Nintendo auch an weitere Neuauflagen!
Jor_El 21.09.2019
2. "Oh, Führe mich nicht in Versuchung"
Ich bin am Überlegen. Das Problem ist, ich müßte eine Nintendo Switch-Konsole kaufen, nur für dieses Spiel. Wenn Nintendo aber "A Link To The Past" so "remaken" würde, gebe es garantiert kein Halten mehr.
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