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"The Magic Circle" angespielt: Unfertig und extrem originell

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"The Magic Circle" angespielt Kaputter Trip in die Entwicklungshölle

Spiele zu entwickeln ist nicht leicht - man will schließlich Kunst abliefern, aber auch Geld verdienen. Einen Blick hinter die Kulissen bietet nun "The Magic Circle", ein angenehm unfertiges Spiel.

Ich versuche, eine Tür zu öffnen, hinter der ich ein Geheimnis erwarte. Stattdessen blinkt ein Hinweis auf, dass dieser Teil des Spiels noch nicht fertig ist. Womöglich wird er auch nie abgeschlossen, das Budget wird es nicht hergeben, so zumindest tönt es aus dem Himmel. Die Nebenaufgabe wird gestrichen, die Spur führt ins Nichts - wie so vieles in "The Magic Circle", einem spielerischen Bericht aus der Entwicklungshölle, einem kaputten Spiel über Spiele.

"The Magic Circle" ist das Debüt des kleinen kalifornischen Entwicklerstudios Question, gegründet von Leuten, die maßgeblich an Spielen wie "Bioshock" oder "Dishonored" beteiligt waren und die danach mit den großen Studios brachen, um allein etwas auf die Beine zu stellen.

So spielt sich "The Magic Circle" auch wie eine satirische Abrechnung mit der Spieleentwicklung, mit Entwicklern, die sich wie Götter benehmen. Gleichzeitig beleuchtet es aber auch viele Arbeitsprozesse. Es ist ein Metaspiel nicht nur für Entwickler, die ihren Frust abbauen, sondern auch für Spieler, die erahnen wollen, was eigentlich bei der Entwicklung alles schieflaufen kann.

Ich übernehme dabei die Rolle eines Spieletesters, der nach Fehlern im Programm suchen soll und bald darin gefangen ist. Ich lausche dem Streit zwischen Autor und Gameplay-Entwickler. Bekomme große Schwerter in die Hand, die mir umgehend weggenommen werden, wandele durch eine Fantasy-Kulisse, die nur halb fertiggestellt ist, und biege dann auf ein Raumschiff ab, dass in alter "Doom"-Grafik unter dem Spiel verborgen liegt.

Ich lerne, Gegner rechtzeitig aus ihrer Umgebung zu isolieren, ihnen Eigenschaften abzunehmen und sie umzuprogrammieren, so wie ich es möchte. Ich lasse Ratten Pilze angreifen, weil ich sehen möchte, ob das funktioniert. Ich gebe Leichen einen Namen und sammele eine kleine Armee von Tierchen - einfach, weil es geht.

"The Magic Circle" gibt mir Macht über das Spiel, wie ganz früher, als man noch leicht in den Code von Spielen eingreifen und Hindernisse entfernen oder Gegner entschärfen konnte. Nebenbei wird in irrsinnigen Dialogen die Entstehung eines Spiels erklärt. "The Magic Circle" zeigt Machtverhältnisse auf und macht immer wieder klar, dass Spieleentwicklung ein schmaler Grat zwischen Kunst und Wirtschaftlichkeit ist und dass Genie und Wahnsinn auch hier eng beieinander liegen.


"The Magic Circle"  von Question, für PC, Mac, Linux und Playstation 4; circa 20 Euro