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Zeitreise nach Deutschland: So sieht es in "Trüberbrook" aus

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Computerspiel "Trüberbrook" im Test So aufregend ist die Provinz

Das Adventure "Trüberbrook" entführt ins Deutschland der Sechzigerjahre. Hier warten schrullige Charaktere und Dorfatmosphäre, Idylle und Irrsinn.

Freiherr von Sülz sitzt in seinem Rollstuhl vor der Pension Waldeslust und meckert. Über das Städtchen, in dem er lebt, über die Katze, die ihm weggelaufen ist - und eigentlich ein Fuchs ist -, über den Tisch, der vor ihm steht und einfach nicht aufhören will zu wackeln. Er meckert. Was für eine deutsche Szene, was für ein deutsches Spiel.

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Zeitreise nach Deutschland: So sieht es in "Trüberbrook" aus

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"Trüberbrook" spielt irgendwo in Westdeutschland im Jahre 1967. Es zeigt die deutsche Provinz, die so in jedem Teil Deutschlands existieren könnte - ruhig, urig und ziemlich austauschbar. Entwickelt wurde das Spiel von einem kleinen Studio in Berlin, das zur bildundtonfabrik gehört. Die sitzt in Köln und ist verantwortlich für Fernsehproduktionen wie etwa Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale". Böhmermann ist auch involviert in "Trüberbrook": Er hat eine Sprecherrolle übernommen.

Das Besondere: Deutschland

Hans Tannhauser kommt aus den USA nach Trüberbrook, um zur Ruhe zu kommen. Der Quantenphysiker möchte hier an einer Abhandlung arbeiten, die ihm aber direkt in der ersten Nacht gestohlen wird. Zusammen mit Gretchen, die er in dem Städtchen erst kennengelernt hat, macht er sich nun auf die Suche nach dem Dieb. Was als beschauliche Kriminalgeschichte beginnt, wird schnell zum Plot um Aliens, Verschwörungstheorien und Verrat.

"Trüberbrook" ist ein Adventure, gehört also zu einem Genre, das so alt ist wie PC-Spiele selbst. Der Spieler bewegt sich per Klick, sammelt und kombiniert Gegenstände, die er nutzt, um Rätsel zu lösen. Ein Beispiel: An einer Stelle gilt es, ein Boot wieder in Schuss zu bringen. Das Leck lässt sich mit klumpiger Bratensauce schließen, die sich wiederum auf einem unappetitlichen Buffet in der Pension findet. Wie so oft in "point and click"-Adventures gilt auch hier mitunter das Trial-and-Error-Verfahren, also so viele Kombinationen ausprobieren, bis man die richtige gefunden hat.

Mit dem Genre macht "Trüberbrook" an der Oberfläche also nichts Neues. Wer schon ein Adventure gespielt hat, wird sich zurechtfinden. Besonders macht das Spiel aber die Substanz: die schrulligen Charaktere, die Atmosphäre der Provinz - das Deutsche. Da ist die derbe Trude, die die Pension führt. Blonde Haare, Schleife im Haar, poliert stets das gleiche Glas. Im Sanatorium Paradiso trifft der Spieler auf den Arzt Römmler, der in aller deutscher Genauigkeit Tests an Hans Tannhauser vornimmt. Und in der Metzgerei des Orts liegt eine Schlachterplatte im Schaufenster aus.

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Einflüsse aus aller Welt

Nun ist es auch ziemlich deutsch, dass sich die kulturellen Erzeugnisse an internationalen Vorbildern orientieren. So auch bei "Trüberbrook". Hans Tannhauser spricht in sein Aufnahmegerät, ganz genauso wie es Agent Cooper in der Serie "Twin Peaks" tut. Es gibt Querverweise zu alten "Lucas Arts"-Adventures, besonders in Bezug auf den schrulligen Humor. Und die Ästhetik des Spiels erinnert teilweise an Filme wie "The Royal Tenenbaums". In einem Rätsel gilt es, die Wandmalereien verschiedener Kulturen in eine chronologische Reihenfolge zu bringen. Aus der Einordnung von germanischer, lateinischer oder altägyptischer Kultur wird die Lösung eines Rätsels. Ein wenig so fühlt sich "Trüberbrook" auch an. Aus verschiedenen Vorbildern und Anleihen ist ein Spiel mit eigener Atmosphäre und Aussage entstanden.

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30.11.2022 20.57 Uhr

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Immer wieder gibt es auch kleine Bezüge zum Jetzt. So tritt etwa ein Verschwörungstheoretiker auf, der im Baumhaus wohnt, einen Alu-Hut trägt und sich von der Regierung verfolgt fühlt. Genau diese Brüche sind es, die zu den besten Eigenschaften von "Trüberbrook" gehören. Wenn die vermeintliche Idylle plötzlich dem Irrsinn weicht - das Mysteriöse plötzlich in die Ruhe hereinbricht. Dann, wenn die Tradition, das Althergebrachte sich mit dem Fortschritt reibt.

"Trüberbrook" macht ein Stück des Charmes und der Skurrilität der deutschen Provinz spielbar. Es mag spielerisch zwar nichts Neues sein, aber sein Blick auf Heimat macht das Spielerlebnis dann eben doch zu etwas Besonderem.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Jan Böhmermann habe das Spiel "über seine Sendung bekannt gemacht". Das stimmt nicht, wir haben den Satz entfernt. Böhmermann hat zwar auf das Spiel aufmerksam gemacht , jedoch nicht in seiner Sendung.

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