"GTA"-Fauxpas im türkischen Fernsehen Wenn Fiktion als Realität verkauft wird

Putsch-Nachricht oder Cheat-Code für ein Spiel? Eine türkische Reporterin vermochte nicht zwischen Wirklichkeit und Fiktion zu unterscheiden. Sie ist nicht die einzige.

Screenshot des TV-Beitrags

Screenshot des TV-Beitrags


Ein Zettel mit angeblich verschwörerischen Botschaften bringt einer türkischen Fernsehreporterin gerade viel Spott ein.

Auf einem Zettel, den die Journalistin den Zuschauern präsentierte, standen Cheat-Codes für das Spiel "Grand Theft Auto IV" (GTA IV). Damit kann ein Spieler schummeln und sich Vorteile im Spiel verschaffen.

Für einen Beitrag des Senders ATV hielt die Reporterin ein aus dem Müll gefischtes Notizbuch in die Kamera. Neben Zahlenkolonnen standen dort Worte wie "Gesundheit", "Waffe" und "Panzerung", berichtet unter anderem etwa das Tech-Blog "The Next Web".

Die Reporterin schloss daraus, dass es sich um geheime Codes türkischer Oppositioneller handelte, die für den Putschversuch gegen Recep Tayyip Erdogan verantwortlich sein sollen. Der Sender ATV ist dafür bekannt, sehr Erdogan-nah zu berichten. Tatsächlich war der Inhalt des Notizbuchs viel profaner: Es ging um Cheats, mit denen man sich Vorteile wie eben Waffen oder Panzerungen freischalten kann.

Game oder Fiktion? So mancher kommt durcheinander

Die Reporterin versuchte, sich auf Twitter zu rechtfertigen, die Tweets wurden aber Stand Donnerstagnachmittag offenbar gelöscht. Ob es sich um einen ehrlichen, wenn auch peinlichen Fehler oder um gezielte Stimmungsmache gegen Erdogans Gegner handelte, lässt sich nicht beurteilen. Sollte es sich um eine bewusst gestreute falsche Information handeln, erfolgte die Umsetzung jedenfalls extrem amateurhaft.

In Zeiten, in denen Computerspiele mit extrem guter Grafik überall präsent sind, kann es aber in der Tat manchmal schwer sein, zum Beispiel bei Bildern zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden - oder es wird zumindest versucht, die Bilder aus den Spielen als echte Fotos zu verkaufen. Hier sind einige Beispiele:



insgesamt 46 Beiträge
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der_unbekannte 04.08.2016
1. Sehr komisch
Wenn ich mich kritisch zu Videospielen äußere, vor allem zu gewalttätigen Spielen, wirft man mir oft vor, die Leute könnten immer zwischen Fiktion und Realität unterscheiden. Offenbar ist dem nicht so. Irgendwann werden Schusszenen aus GTA 6 und Co. in den Nachrichten als Realität verkauft. Hat nicht sogar Nordkorea aus einem Call of Duty Spiel ein Propagandaclip gedreht? Das kann in Zukunft noch lustig werden ;-).
tartarosnemesis 04.08.2016
2. Erstaunlich
Wenn man die grafische Entwicklung der Computerspiele und die CGI Sequenzen in Filmen betrachtet kann man sicher davon ausgehen das solche Vorfälle in Zukunft zunehmen werden. Vielleicht wird man irgendwann darüber nachdenken müssen entsprechende Aufnahmen mit einer Art Wasserzeichen zu versehen. Ich persönlich hoffe, dass sich die Medienschaffenden besser informieren um solche Peinlichkeiten zu vermeiden. Lustig ist es trotzdem.
der_ohli 04.08.2016
3. Das sind doch jetzt völlig unterschiedliche Dinge!
Einen Notizzettel mit irgendwelchen Kritzeleien dazu zu nutzen, um Oppositionelle zu diskreditieren hat doch eine ganz andere Qualität als virtuelle Inhalte zur Untermalung von Medienberichten zu nutzen. Hier hat sich doch offensichtlich die Reporterin eine Geschichte aus den Fingern gesogen, um schön nach oben zu buckeln und vielleicht sogar ihre Karriere zu fördern.
trojaner_ 04.08.2016
4. Türkische Medien...
...waren schon immer Inkompetent wenn es um Recherche, Glaubwürdigkeit oder Qualität geht. Fast jedes Medium ist desweiteren extrem parteiisch, unabhängige und objektive Medien gibt es nicht viele. Zu oft kommen auch leider "Zeitungsenten" vor. Deswegen schaue ich in meinem Land niemals fern, sondern lese ausschließlich vom SPIEGEL oder anderen westlichen Medien.
mlange8801 04.08.2016
5. Haben die Putschisten gecheatet?
Das wäre ja höchst unfair!
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