25 Jahre USK "Wir waren sozusagen die ersten Let's-Player"

Für Spielefans lange ein Ärgernis, inzwischen akzeptiert: Die USK sorgt seit 25 Jahren dafür, dass es ein verlässliches System zur Altersfreigabe von Games gibt. Zu ihrer Geschichte gehört auch lila Blut.

Büro der USK in Berlin: Hier wird über die Altersfreigaben von Videospielen entschieden
Britta Pedersen / DPA

Büro der USK in Berlin: Hier wird über die Altersfreigaben von Videospielen entschieden


Umgefärbtes Blut und Roboter, die Liegestütze machen oder von Killerviren niedergestreckt werden: Die Auseinandersetzung mit dem Jugendschutz hat in Deutschland bei Videospielen immer wieder absurde Formen angenommen. Mittlerweile aber sind skurrile Anpassungen für den deutschen Markt selten geworden. Branche und Jugendschützer scheinen einen Weg gefunden haben, der die Interessen beider Seiten zusammenbringt. Dafür sorgt auch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), die die Altersfreigaben für Spiele vergibt und jetzt ihr 25-jähriges Bestehen feiert.

"Inzwischen ist Gewalt in Spielen nicht mehr das große Thema", sagt Marek Brunner, der seit ihrer Gründung bei der USK arbeitet und mittlerweile den Testbereich leitet.Die 'Killerspiel'-Debatte haben wir zum Glück lange hinter uns gelassen."

Seit vielen Jahren USK-Tester: Marek Brunner
Julia Naue / TMN

Seit vielen Jahren USK-Tester: Marek Brunner

Rotes Blut wird lila

Brunner muss lachen, wenn er sich an merkwürdige Ideen erinnert, mit denen Studios einer Indizierung ihrer Spiele in Deutschland entgehen wollten.

  • In "Half-Life" etwa gab es Wissenschaftler, die nicht tot auf dem Boden lagen, sondern debil kopfschüttelnd auf dem Boden saßen.
  • Bei "Tom Raider 3" bluteten Gegner bei Treffern nicht rot, sondern lila.
  • Und bei "Command & Conquer: Generals" wurden eigentlich menschliche Einheiten komplett in Roboter umgewandelt.

Es waren hilflose Ideen von Studios, die zu spät in der Produktion gemerkt haben, dass ihr Spiel in Deutschland Probleme mit dem Jugendschutz bekommen könnte.

"Wir waren sozusagen die ersten Let's-Player"

Die Studios sind nicht die einzigen, die lange gebraucht haben, um den deutschen Jugendschutz zu verstehen und umzusetzen. Auch die USK hat eine Weile gebraucht, bis ihre Prüfverfahren wirklich gut funktionierten. "Am Anfang haben wir gespielt, kommentiert und das auf Videokassetten aufgenommen," sagt Brunner: "Wir waren sozusagen die ersten Let's-Player." Die Aufnahmen wurden geschnitten und der Prüfkommission gezeigt.

Schnell haben sich die ersten Probleme gezeigt. Prüfer wollten bestimmte Szenen sehen, haben Stellen vermisst, die Tester mussten zurück an den Schneidetisch. Das Verfahren wurde daher bald geändert. Seitdem spielen Tester live vor den Prüfern. Fragen können schnell geklärt werden, brenzlige Stellen direkt angesprungen und von verschiedenen Seiten betrachtet werden.

Kuriose Szenen gab es dabei immer wieder, sagt Brunner: "Manchmal hatten wir Aufpasser der Spielefirmen hier, die das Spiel und die Tester im Auge behalten sollten. Am schönsten war das dann, wenn die Aufpasser mit Handschellen an die Vorab-Hardware gefesselt waren. Wir mussten dann immer den Test unterbrechen, wenn die auf die Toilette mussten."

Was wäre mit einem "GTA: Marzahn"?

Die Diskussion über Spiele-Freigaben ist mit den Jahren entspannter geworden - auch weil sich Kriterien zur Beurteilung von Spielen immer mehr denen von Filmen annähern, was zu mehr Vergleichbarkeit führt. Für diese Annäherung steht auch die Anerkennung von Spielen als Kulturgut.

Was früher ab 18 Jahren freigegeben oder gar indiziert wurde, ist heute oft ab 16 Jahren erhältlich. Es gehe nicht mehr nur um Gewalt an sich, sagt Brunner, sondern darum, "wie sie eingesetzt und im Spiel bestraft wird". Auch wie nah an der Lebenswirklichkeit von Spielern sich das Szenario bewegt, werde untersucht. "Dämonen auf dem Mars wie in 'Doom' sind nicht so gefährlich wie es ein 'GTA: Marzahn' wäre."

Ein weiteres wichtiges Kriterium für die USK ist die Perspektive. Ein Spiel mit einer Sicht von oben vermittelt einen anderen Eindruck als ein Spiel, in dem die Kamera hinter dem Rücken einer Figur positioniert ist. Am unmittelbarsten allerdings wirkt die Ego-Perspektive, weshalb Shooter mit Ego-Perspektive am häufigsten keine Jugendfreigabe bekommen.

Spätestens seitdem Spiele auch bei der Verwendung verfassungswidriger Symbole mit Filmen gleichgestellt wurden und je nach Einzelfall Hakenkreuze gezeigt werden dürfen, wenn es nicht der Glorifizierung dient, haben sich die meisten Spieler aber mit den Entscheidungen der USK arrangiert.

Die nächsten Diskussionen über Jugendschutz zeichnen sich aber bereits ab. "Heutzutage wollen die Eltern eher wissen, wie sie In-App-Käufe technisch kontrollieren können, was Lootboxen sind oder wie Kinder im Chat und in Multiplayer-Partien geschützt werden können," sagt Marek Brunner.

In den Alterskennzeichen bildet sich das noch nicht ab, weiß Brunner. "Da muss erstmal die Glücksspielkommission ran und entscheiden, ob zum Beispiel Lootboxen Glücksspiel sind oder nicht." Erst dann könne die USK Kriterien entwickeln. "Dennoch reagieren wir darauf natürlich und bieten Ratgeber für Eltern an - und auch für Kinder", sagt Brunner. "Die sollen in ihrer Sprache verstehen, wo Gefahren sind und wie sie am besten reagieren können."

Der beste Jugendschutz aber ist es, so Brunner, "wenn Eltern gemeinsam mit den Kindern spielen und die möglichen Probleme besprechen."

insgesamt 6 Beiträge
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xysvenxy 24.09.2019
1. Command & Conquer
Nicht nur 'Generäle' (waren da überhaupt Roboter? Ich hab damals nur das Original 'Generals' gespielt) sondern vor allem auch schon C&C 1 (Der Tiberiumkonflikt) war von der USK Zensur betroffen. Damals schrien getötete Soldaten nicht (wie in der englischsprachigen Version), wenn sie überfahren wurden gab es das Geräusch einer überfahrenen Konservendose und statt rotem Blut kam schwarzes Öl aus ihnen heraus.
qoderrat 25.09.2019
2.
Eine mutige Aussage, dass die USK in Spielerkreisen akzeptiert wird. Die die eigentlich geschützt werden sollten, haben früher mit hohem finanziellen Aufwand die ungekürzten und nicht kaputtoperierten Spiele per Versandhandel aus dem Ausland bezogen, oftmals aus Österreich da dort vielen ungeschnitten aber in Deutsch verfügbar war. Das war aufwendig und teuer. Heute geht das einfacher, das Klientel hat längst gelernt wie man mit einer VPN-Verbindung einen Zugang im Ausland vortäuschen und damit diese Massnahmen günstig und effizient umgehen kann. Das was Hr. Görig als Akzeptanz interpretiert, ist lediglich Desinteresse, da die Massnahmen der USK schlicht grösstenteils ins Leere laufen und unwirksam sind. Die USK ist in der Realität nicht viel mehr als ein Feigenblatt um moralische Ideologien zu befrieden, in der Sache aber schlicht wert- und nutzlos. Aber wenn es zur Beruhigung der besorgten Nichtspieler nutzt, an anderer Stelle wird mehr Geld sinnlos zum Fenster rausgeworfen, da kann ich mit leben.
frietz 25.09.2019
3.
Zitat von qoderratEine mutige Aussage, dass die USK in Spielerkreisen akzeptiert wird. Die die eigentlich geschützt werden sollten, haben früher mit hohem finanziellen Aufwand die ungekürzten und nicht kaputtoperierten Spiele per Versandhandel aus dem Ausland bezogen, oftmals aus Österreich da dort vielen ungeschnitten aber in Deutsch verfügbar war. Das war aufwendig und teuer. Heute geht das einfacher, das Klientel hat längst gelernt wie man mit einer VPN-Verbindung einen Zugang im Ausland vortäuschen und damit diese Massnahmen günstig und effizient umgehen kann. Das was Hr. Görig als Akzeptanz interpretiert, ist lediglich Desinteresse, da die Massnahmen der USK schlicht grösstenteils ins Leere laufen und unwirksam sind. Die USK ist in der Realität nicht viel mehr als ein Feigenblatt um moralische Ideologien zu befrieden, in der Sache aber schlicht wert- und nutzlos. Aber wenn es zur Beruhigung der besorgten Nichtspieler nutzt, an anderer Stelle wird mehr Geld sinnlos zum Fenster rausgeworfen, da kann ich mit leben.
Danke! Genauso ist es. Ich habe nichts gegen Jugendschutz, aber: wenn es für Jugendliche nicht geeignet ist, wird das Spiel ab 18 freigegeben, damit die Erwachsenen nicht durch diese Massnahmen gegängelt werden. In der heutigen Zeit mit Internet und VPN hat der JS an Bedeutung verloren, weil sie kaum was machen können. In Österreich bekomme ich viele der in Deutschland indizierten oder gar beschlagnehmten Filme und Spiele im Mediamarkt direkt neben den Kinder-DVDs. Wann gab es nochmal den letzten Amoklauf in Österreich? Wie Sie schrieben: ein Feigenblatt der Ideologie
wiispieler 25.09.2019
4.
Ich empfinde den deutschen Jugendschutz im Bereich Spiele aber auch bei Filmen als Gängelung von Erwachsenen. Es kann nicht sein, dass ich als mündiger Bürger, Medien im Internet bzw. auf speziellen Messen/Börsen kaufen muss, damit Jugendliche sie nicht zu Gesicht bekommen. Ab 18 sollte ab 18 heißen. Es sollte keine Indizierungen geben. Es wird zu viel Rücksicht auf einen kleinen Teil der Bevölkerung gegeben.
xineohp 25.09.2019
5. Seit viel zu viele Kinder und Jugendliche ...
... völlig unbegleitet im Netz unterwegs sind, ist die USK faktisch tot. Schade, - war eine gute Einrichtung, an der sich Eltern einst orientieren konnten :-)
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