Neuer Taktik-Shooter "Valorant" Bereit für den Wettkampf

Mit "League of Legends" dominiert Riot Games den E-Sport-Markt, nun will das Studio einen weiteren großen Titel etablieren. Die Erwartungen an den "Counter-Strike"-Konkurrenten "Valorant" sind hoch.
"Valorant": Eine Mischung aus Geschick, Taktik und Kreativität

"Valorant": Eine Mischung aus Geschick, Taktik und Kreativität

Foto: Riot Games

Zur Feier der Veröffentlichung seines neuen Onlinespiels "Valorant" hat Riot Games gleich ein Turnier ausgerufen. Teams aus aller Welt können dabei um insgesamt 200.000 Dollar (etwa 180.000 Euro) Preisgeld spielen. "Valorant" ist ein Spiel speziell für den Wettbewerb, das scheinen die Entwickler von Anfang an klarmachen zu wollen.

Der Taktik-Shooter ließ sich zuvor bereits in einer Testphase ausprobieren. Die ist seit dem 28. Mai beendet - seit diesem Dienstag ist "Valorant" offiziell für alle verfügbar. Und direkt am Erscheinungstag können gute Spielerinnen und Spieler nun dem ganzen Internet zeigen, wie talentiert sie sind, denn für das Turnier kooperiert Riot Games mit der Streamingplattform.

Das Kräftemessen der Pioniere ist aber nur der Anfang. "Valorant" ist darauf ausgelegt, seinen Spielern dauerhaft und auf jedem erdenklichen Niveau kompetitive Strukturen zu bieten. Ähnlich wie bei Riot Games' Aushängeschild "League of Legends" finden die Matches in einem im Spiel implementierten System aus Amateurligen statt. Mit "Valorant" soll so ein Spiel, vor allem aber eine E-Sport-Disziplin etabliert werden, die vom Spielgefühl her am ehesten "Counter-Strike" ähnelt.

Twitch sehr bewusst eingesetzt

Dass das Interesse an "Valorant" enorm ist, zeigten die bisherigen Streamingzahlen. Auf Twitch war das Spiel über Wochen der meistverfolgte Titel. "Anstatt es über alle Kanäle zu streuen, wollten wir das Spiel dort einführen, wo die Aufmerksamkeit von Gamern liegt", sagt dazu "Valorant"-Entwicklungschef Joe Ziegler dem SPIEGEL. Beliebte Streamer und E-Sport-Profis erhielten nach und nach Zugang und führten dem Publikum live vor, welche Möglichkeiten das Gameplay bietet. "Sobald die Leute das gesehen hatten, waren sie davon besessen, das Spiel immer besser zu beherrschen", sagt Ziegler. "Genau das wollten wir erreichen."

Viele reichweitenstarke Streamer stellten ihr Programm zeitweise komplett auf "Valorant" um, aus einem einfachen Grund: Riot Games stellte Twitch-Nutzern, die besonders intensiv "Valorant"-Streams schauten, Zugänge zur Testphase in Aussicht. Wer das Spiel streamte, konnte daher mit besonders viel Aufmerksamkeit rechnen. Laut Ziegler kam "Valorant" so bereits in der Testphase auf etwa drei Millionen regelmäßige Nutzer.

Wann müssen die Entwickler eingreifen?

Spannend zu beobachten wird sein, wie sich das Gameplay des Spiels, das in Fünferteams gespielt wird, nun weiterentwickelt. Denn anders als bei "Counter-Strike", dem seit vielen Jahren führenden Titel im Taktik-Shooter-Genre, sind die Möglichkeiten, in den Kampf einzugreifen, nicht nur auf herkömmliche Waffen und Granaten beschränkt. In "Valorant" steuert jeder Spieler einen individuellen Charakter, der neben den Schusswaffen spezifische Fähigkeiten hat. Einige Figuren können sich teleportieren, andere können gefallene Mitspieler wiederbeleben. Ein Charakter kann Kameras auf der Karte verteilen, ein anderer sich in einer riesigen Rauchwolke verstecken.

Für Riot Games bedeutet diese Vielzahl an Möglichkeiten, dass es die Balance des Spiels im Auge behalten muss, damit es stets fair bleibt. Wenn etwa ein Charakter mit seinen Fähigkeiten übermächtig wirkt, stellt sich die Frage, ob ein Update hermuss - oder auch nicht. Laut Ziegler besteht die Herausforderung für sein Team darin, zu erkennen, ob ein Eingriff nötig ist oder die Spielerschaft bloß mehr Zeit benötigt, "um zu lernen, wie man gegen diesen Charakter spielt".

Zum Problem für das Wettbewerbsgleichgewicht könnte aber nicht nur Spielbalance werden. Besonders in Shooter-Titeln sind Betrüger ein großes Problem. Zum Unmut fairer Spieler kommt es immer wieder vor, dass Einzelne zu Cheats greifen, also digitalen Schummeleien wie automatischen Zielhilfen oder Röntgenblicken durch Wände. Üblicherweise setzen Entwickler deshalb Anti-Cheat-Software ein, die auf den Servern aktiv ist und die Nutzer auf unerlaubte Mittel überprüft.

Bei "Valorant" heißt diese Software Vanguard. Sie ist eine eigene Anwendung, die auf dem Rechner installiert wird und schon beim Hochfahren aktiv wird. Dabei hat die Software Zugriff auf den Betriebssystemkern, wo sonst nur das Betriebssystem selbst agiert. So sollen auch hardwaregesteuerte Cheats ausgebremst werden.

Für die Funktionsweise von Vanguard wurde Riot Games, das dem chinesischen Konzern Tencent gehört, unter anderem von Datenschützern stark kritisiert. Die Software sei invasiv, ein zu starker Eingriff in die digitale Privatsphäre. Riot Games entgegnete dem vor allem, man könne die Software ja deinstallieren  - wenngleich dann das Spiel nicht mehr läuft.

Es gibt noch Verbesserungspotenzial

Von Spielerseite aus gibt es derzeit auch noch Beschwerden über die Zusammenstellung von Partien. Wer allein die Teilnahme an einem Match anfordert, muss sich unter Umständen mit vier Fremden gegen ein koordiniert spielendes Fünferteam behaupten, das sich geschlossen angemeldet hat. Für "wirklich faire Wettkampfbedingungen" müsste es dort eine separate Warteschlange für Spieler geben, die sich allein melden, schrieb etwa der E-Sport-Reporter Rod Breslau.

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Riot Games wird also auch nach der Veröffentlichung weiter an "Valorant" feilen müssen, damit es sich im Amateurbereich durchsetzt. Denn nur wenn dieser funktioniert und wächst, so zeigen es andere Titel, kann "Valorant" zu einem professionellen E-Sport werden. Beim nächsten Schritt, der Entwicklung einer Profiszene, will Riot Games laut eigenen Aussagen nichts forcieren, sondern auf organisches Wachstum setzen.

"Durch kompetitive Spiele entstehen Wettkämpfer und diese Wettkämpfer sind im Grunde Menschen, die sportlichen Ehrgeiz haben", sagt Joe Ziegler. Sobald diese Basis groß genug ist, wachse das Verlangen nach professionellen Wettbewerben, so Ziegler, ebenso wie das potenzielle Publikum: "Denn man will das höchste Niveau sehen, auf dem die Leute innerhalb des Spiels unglaubliche Dinge vollbringen".

Ganz dem Zufall überlassen will Riot Games die Zukunft von "Valorant" im E-Sport aber natürlich nicht. Eine Abteilung des Unternehmens steht Ziegler zufolge schon dafür bereit, um am Aufbau einer Profiszene mitzuwirken.

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