Videospielmesse Das Beste und Wichtigste von der E3

Die Xbox wird zum Sportfernseher und gehorcht aufs Wort, "Gran Turismo 5" kommt noch vor Weihnachten, Nintendos DS kann jetzt 3D, und Micky Maus bekommt endlich das Spiel, das er verdient: SPIEGEL ONLINE hat die wichtigsten und schönsten Neuigkeiten von der Electronic Entertainment Expo gesammelt.
Bewegung ist das Motto der E3: Spiele steuert man mit Körpereinsatz

Bewegung ist das Motto der E3: Spiele steuert man mit Körpereinsatz

Foto: GUS RUELAS/ REUTERS

Die Spieleflut der E3 2010 ist nahezu unübersehbar, und natürlich gibt es Fortsetzungen der großen Serien wie "Call of Duty", "Medal of Honour", "Need For Speed". Es gibt neue "Sonic"-Spiele, ein neues "Zelda" für Nintendos Wii und Sportspiel-Verfeinerungen zu Dutzenden.

Doch abseits all der Mainstream-Ware sind auch ein paar echte Perlen und Kleinode in den Messehallen in Los Angeles versteckt - und natürlich gab es Ankündigungen von weitaus größerer Tragweite. Obwohl die alte Hardware-Generation längst nicht abgelöst ist, machen zentrale Neuerungen die aktuellen Spielkonsolen zu ganz neuen, vielseitigeren Geräten.

SPIEGEL ONLINE hat die wichtigsten Neuerungen und ein paar Highlights der besonderen Art von der Electronic Entertainment Expo, der wieder einmal wichtigsten Videospielmesse der Welt in diesem Jahr, für Sie zusammengestellt:

"Child of Eden" - der "Rez"-Schöpfer bastelt ein interaktives Kunstwerk

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Child of Eden: Ein interaktives Kunstwerk

Foto: MARIO ANZUONI/ REUTERS

"Rez" hat im Herzen vieler Videospieler auch noch nach zehn Jahren einen ganz besonderen Platz. Das fast vollkommen abstrakte Spiel aus Vektorgrafik, Bewegung und Musik machte alles anders als das, was die Branche sonst so produziert. "Rez"-Schöpfer Tetsuya Mizuguchi ist eine Art Renaissance-Mann der Videospielbranche, einer, der die Geschichte, die visuelle und akustische Ebene seiner Werke möglichst vollständig kontrollieren will.

Im Zeitalter von Blockbuster-Produktionen mit Entwicklungsteams, die aus Hunderten von Menschen bestehen, ist das ein charmanter Anachronismus. Nun ist Mizuguchi wieder da, mit "Child of Eden" hebt er das "Rez"-Prinzip in die Gegenwart, ein abstraktes, hochauflösendes Feuerwerk von Farbe, Form und Sound wird auch dieses Spiel werden, diesmal aber gesteuert mit den bloßen Händen.

Auf so etwas wie Microsofts Kinect habe er gewartet, sagt Mizuguchi, nun kann der Spieler wirklich wie ein Dirigent mit der magisch wirkenden Spielwelt aus elektronischen Klängen und leuchtenden, zuckenden, schwebenden, tanzenden Objekten interagieren. Im ersten Quartal 2010 soll "Child of Eden" auf den Markt kommen und eine Geschichte über die Erinnerungs-Archive der Menschheit erzählen, die von einer Verseuchung durch fiese Viren befreit werden müssen.

"Epic Mickey" - Die berühmteste Maus der Welt auf der Wii

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Epic Mickey: Virtuelles Revival einer Trickfilm-Ikone

Den Sprung auf den Videospielbildschirm hat Micky Maus (Original: "Mickey Mouse") bislang noch nicht so recht geschafft. Ein paar zaghafte Versuche und Gastauftritte gab es, aber der seltsamen, multiplen Persönlichkeit des Mäusemannes ist das Medium Videospiel bislang noch nicht gerecht geworden.

Star-Spieldesigner Warren Spector ("Deus Ex") schickt sich nun an, das zu ändern: In "Epic Mickey" wird die Maus mit dem Wii-Controller durch eine Welt gesteuert, die aus den Sedimenten und vergessenen Helden des ganzen Disney-Universums besteht. Mickey-Klassiker wie der allererste Mäusefilm "Steamboat Willie" werden als Spiel-Level wiederbelebt (im konkreten Fall natürlich in Schwarzweiß und 2D). Zahllose Figuren, Orte und sogar Vergnügungspark-Attraktionen aus dem Disney-Universum haben ihren Auftritt.

Die Maus selbst kämpft mit den Waffen eines Comiczeichners: Farbe und Farbverdünner lassen verschwundene Objekte erscheinen oder bringen bestehende zum Verschwinden. Doch wer nur löscht, statt neu zu schaffen, muss auch die Konsequenzen tragen. "Epic Mickey" kommt rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft für Nintendos Wii.

"Gran Turismo 5" - endlich ist es soweit

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Gran Turismo: Der Raserei fünfter Teil

Es war einer der Momente, in denen wirklich gejubelt wurde im Publikum der Pressekonferenz von Sony: Endlich, nach Jahren des Wartens und zahlreichen Vertröstungen, gibt es ein offizielles Veröffentlichungsdatum für den fünften Teil der "Gran Turismo"-Reihe von Autofanatiker Kazunori Yamauchi.

Gran Turismo ist nicht einfach irgendein Autorennspiel - sondern eine extrem detaillierte Simulation mit Hunderten von Originalfahrzeugen, vom Muscle Car über Oldtimer bis hin zu Boliden von Ferrari, mit denen man über malerische Strecken in aller Welt und natürlich auch die großen Renn-Kurse brettern darf. Und diesmal, das ist neu, kann man die Blechfetische sogar beschädigen - zumindest ein bisschen. Und wer ein paar tausend Euro für einen neuen Fernseher übrig hat, wird "Gran Turismo 5" sogar in 3D spielen können. Im November 2010 hat das Warten ein Ende.

Welt aus Stoff - Nintendo hüllt "Kirby" in ein neues Gewand

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Bestrickend: Der Held aller Schneider und Näherinnen

So eine Spielwelt hat man noch nie gesehen: Die Wände sind aus Seide, Baumwolle oder Filz, Knöpfe, Bordüren, Schnüre treten auf. "Kirby", ein kleiner, kugelförmiger Kerl aus Nintendos Universum seltsamer Kreaturen, wird wieder einmal auf die Reise geschickt, im Retro-Schick, sprich, als zweidimensionaler Sidescroller.

Kirby schwingt ein Stück Nähgarn, um sich durch diese seltsame Welt zu bewegen, zieht Stoffbahnen zusammen, um Dahinterliegendes freizulegen, oder kämpft mit seinem Zwirnlasso gegen Ungeheuer, die wie er selbst nur aus einem Stückchen Schnur bestehen. "Kirby's Epic Yarn" - ein traumhafter Stoff, im wahrsten Sinne des Wortes.

Kinect - Microsoft verbindet Gestensteuerung mit einer neuen Xbox

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Games-Messe: Fuchtel-Steuerung, Ethnokitsch und eine neue Konsole

Foto: Michal Czerwonka/ AFP

Nintendo hat die Spielkonsole zum Fitnessgerät gemacht, und Microsoft nimmt den zu Sportlern gewordenen Spielern nun auch noch den Controller aus der Hand, gemeinsam mit allen großen Software-Herstellern. Künftig sollen Menschen in ihren Wohnzimmern Yoga, Tai Chi oder Kickboxen üben, stets instruiert, kontrolliert und korrigiert vom unbestechlichen Trainer aus Silizium und Strom.

Aber die auf Kameras und Mikrofonen basierende Bewegungssteuerung Kinect kann noch mehr: Natürlich lassen sich herkömmliche Spiele damit spielen - auch wenn die Auswahl derzeit noch etwas dürftig daherkommt. Nicht zuletzt aber erlaubt Kinect es in Verbindung mit Microsofts Online-Dienst Xbox Live, vom Sofa aus mit Gesten oder gesprochenen Kommandos eine Mediensammlung zu dirigieren. Filme lassen sich mit bloßen Händen vor- und zurückspulen, wenn das Telefon klingelt, reicht ein deutlich gesprochenes "Xbox: Pause", um den gerade laufenden Song zu unterbrechen. Vorausgesetzt, man verwahrt Filme, Fernsehserien und Musik auf der Konsolen-Festplatte. Am besten, geht es nach Microsoft, indem man sie im hauseigenen Online-Shop einkauft.

Auch Live-Sport soll sich künftig mit einem Handwedeln auf den Fernseher zaubern lassen, allerdings vorerst nur in den USA. In Deutschland verhandelt der Xbox-Konzern nach Informationen von SPIEGEL ONLINE gerade mit Sky, Maxdome und der Telekom, um auch hier TV-Programme ins Konsolennetz zu bringen. Und damit der Mediengenuss nicht durch einen laut föhnenden Lüfter gestört wird, hat Microsoft seine Xbox 360 in einer kleineren und leiseren Version neu aufgelegt.

3DS - Nintendo bringt 3D ohne Brille für die Hosentasche

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3D ohne Brille: Nintendos neue Spielkonsole 3DS

Foto: DAVID MCNEW/ AFP

Nintendos Mobilkonsole DS ist ein Phänomen: Das Gerät verkauft sich rund um den Globus hervorragend, und das gilt auch für jedes Technik-Update, das der Hersteller seinen Kunden gönnt. Zuerst wurde der DS kleiner und leichter, dann bekam er eine Kamera, dann wurde eine XL-Variante aufgelegt, um einen größeren Bildschirm bieten zu können - und nun ist der DS die erste Mobilkonsole, auf der man Spiele und Filme mit Tiefenwirkung wird konsumieren können.

Und zwar ohne Spezialbrille: Der obere Bildschirm der Miniaturkonsole ist mit einer raffinierten, aber eigentlich altbekannten Technik ausgerüstet, die auf einem ähnlichen Prinzip basiert wie Wackelbilder, die ihr Aussehen je nach Blickwinkel ändern. Aus diesem Grund funktioniert der 3-D-Effekt auch nur, wenn man frontal auf den Bildschirm blickt - aber das ist bei einem tragbaren Spielgerät in der Regel ohnehin der Fall. Für TV-Geräte würde die Technik also kaum taugen.

Damit man die 3-D-Fähigkeiten auch voll ausschöpfen kann, spendierte der Konzern dem 3DS auch noch eine Stereokamera für 3-D-Fotos. Wann der neue DS allerdings auf den Markt kommt und was er dann kosten wird, wurde noch nicht verraten. 3D war auch ansonsten ein großes Messethema. Vor allem Sony setzt auf Tiefeneindruck auch in Videospielen, nicht zuletzt weil man sich davon einen Absatzschub für die hauseigenen Bravia-Fernseher verspricht.

Sonys Move - "Es hat Knöpfe"

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Immer in Bewegung: Sonys Spiel-Controller Move

Foto: VALERIE MACON/ AFP

Obwohl beide sich großzügig bei Nintendo bedient haben, was Ideen und auch was die ersten Softwaretitel angeht - das zentrale Schlachtfeld in Sachen Bewegungssteuerung lag auf dieser E3 zwischen Microsoft und Sony. Die Japaner stichelten in ihrer Pressekonferenz offen gegen die Konkurrenz aus den USA.

Bemängelt wurde nicht zuletzt, dass Microsofts Kinect ganz puristisch ohne jede Art von Controller auskommt - das aber, glaubt man bei Sony, werde gerade Hardcore-Gamern nicht gefallen. Schließlich brauche man zum Spielen eines Shooters dann ja doch einen Abzug. Für einen simulierten Golfschläger oder ein Spiel-Schwert sei es doch wohl besser, wenn man wenigstens noch einen Griff in der Hand halte.

In einem Punkt ist Sony Microsoft in jedem Fall voraus: Was "Move" kosten wird, ist schon bekannt. Ein einzelner Move-Controller wird in Europa 40 Euro kosten, ein Paket mit Controller, der für das System notwendigen Kamera Playstation Eye und einer "Starter Disk" mit Demoversionen und Mini-Spielen 60 Euro. Den Zusatz-Controller mit Analogstick für die zweite Hand, den man für einige Spiele wie etwa Shooter dringend brauchen wird, gibt es für nochmals 30 Euro pro Stück. Wer also eine Mehrspieler-Ausrüstung besitzen möchte, wird mindestens 160 Euro für Sonys Move ausgeben müssen.

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