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Spieleklassiker: So sah "Wing Commander III": Heart of the Tiger" aus

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"Wing Commander III" wiederentdeckt Als Hollywood beim PC anklopfte

Vor 25 Jahren war "Wing Commander III" eines der ersten Computerspiele, in dem bekannte Schauspieler mitwirkten - und für unseren Autor ein prägendes Erlebnis. Wie spielt sich der Klassiker heute?

Wer mit Videospielen nichts anfangen kann, denkt beim Namen Chris Roberts allenfalls an den 2017 verstorbenen Schlagersänger. Mir kommt hingegen ein Mann in den Sinn, der ab 1990 ein Star unter den Spieledesignern war: Denn damals erschien sein Weltraumaction-Meilenstein "Wing Commander", der meine Vorstellungskraft, was mit leistungsstarker PC-Hardware möglich ist, radikal veränderte.

Während die aufwendigen Zwischensequenzen für eine ungewohnt atmosphärische Rahmenhandlung sorgten, schlug die revolutionäre Spielgrafik alles bis dahin Gekannte. Auf den Erfolg von "Wing Commander" folgte Ende 1991 eine gute Fortsetzung, die mir vor allem wegen der cleveren Story gefiel.

Chris Roberts Größenwahn zeigte sich indes drei Jahre später mit "Wing Commander III: Heart of the Tiger", als er die gezeichneten Pixelfiguren durch reale Schauspieler ersetzte.

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Spieleklassiker: So sah "Wing Commander III": Heart of the Tiger" aus

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Für die Rolle des Protagonisten Christopher "Maverick" Blair konnte das Entwicklungsstudio Origin Systems Mark Hamill verpflichten, der mit der Rolle des Luke Skywalker in den "Star Wars"-Filmen Weltruhm erlangt hatte. Darüber hinaus stiegen Hollywoodgrößen wie John Rhys-Davies ("Indiana Jones", "Der Herr der Ringe"), Malcolm McDowell ("Uhrwerk Orange") und Tom Wilson ("Zurück in die Zukunft") mit ein. Mit Ginger Lynn Allen war sogar ein Ex-Pornostar der Achtzigerjahre dabei.

Schon vor der Veröffentlichung war mir klar: "Wing Commander III" würde das Medium verändern, das musste ich spielen. Zwar gab es damals diverse Multimediaprojekte, in denen gefilmte Menschen mitwirkten, die wirkten aber meist unfreiwillig komisch. Chris Roberts hingegen versprach eine ausgereifte Kombination aus klassischem Computerspiel und interaktivem Film.

And the Oscar goes to...?

Ich war damals 17 und von "Wing Commander III" völlig fasziniert; rüstete meinen Rechner mit einem teuren Pentium-Prozessor auf, damit das Spiel nicht mehr ruckelte. Als Filmliebhaber träumte ich davon, dass Computerspiele eines Tages den Status von Hollywoodproduktionen erreichen und für einen Oscar nominiert werden können.

25 Jahre später kann ich über diese Gedanken nur leise kichern. Auch wenn die gefilmten Szenen von "Wing Commander III" zu ihrer Zeit überragend waren, nach heutigen Maßstäben wirken sie antiquiert. Ein Fan des Spiels hat sie auf YouTube zu einem Film zusammengeschnitten.

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Die Geschichte von "Wing Commander III" ist simpel, die Dialoge liegen auf Soap-Opera-Niveau. Mark Hamills Spiel beschränkt sich meist auf einen von zwei Gesichtsausdrücken. Ab und an darf ich, wie im Netflix-Experiment "Bandersnatch", die Handlung beeinflussen, indem ich in einem Gespräch eine von zwei möglichen Antworten auswähle. Zum Beispiel beim Flirt mit Mechanikerin Rachel (Ginger Lynn Allen). Auf die Handlung haben diese Entscheidungen jedoch selten Auswirkungen.

Doch solche Schwächen werden bei mir von Nostalgie übertüncht. Es ist, als würde ich eine alte "Star Trek"-Folge ansehen. Beim zwölfminütigen Intro  erinnere ich mich an Eigenheiten wie den französischen Akzent von Pilotin "Angel" (Yolande Gilot) und das überhebliche Gehabe von Admiral Tolwyn (Malcolm McDowell). Auch großartig: Tom Wilson in der Rolle des angeberischen "Maniac".

Das Spiel selbst mäandert zwischen altbacken und innovativ. Mit wechselnden Flügelmännern an meiner Seite zerstöre ich Raumschiffe der generischen Kilrathi, beschütze Frachter und mein Trägerschiff, die TCS Victory. Zwischen den Einsätzen über ich am Simulator, hänge in der Bar ab und führe Smalltalk mit der Besatzung.

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Die Weltraumaction ist heute noch gut spielbar und unterhaltsam, erinnert sehr an die Vorgänger. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Raumschiffe in "Wing Commander III" aus Polygonen und bunten Texturen bestehen. Das war damals neu und erzeugte mehr Räumlichkeit.

Zudem darf ich einzelne Geschütze anvisieren und zerstören, um große Gegner Stück für Stück zu schwächen. Was mir auffällt: Die ständig gleichen Funksprüche meiner Flügelmänner haben mich früher nicht so genervt.

Erben gesucht

"Wing Commander III" lebt bis heute von der Tatsache, dass es kaum echte Alternativen gab. 1996 schob Chris Roberts einen brauchbaren Nachfolger hinterher, bevor er sich 1999 als Regisseur am "Wing Commander"-Film versuchte - und krachend scheiterte.

Moderne Weltraum-Actionspiele wie "Elite: Dangerous" oder "No Man's Sky" stellen die Erforschung des Universums in den Vordergrund. Einzig das kostenlos erhältliche, spielerisch aber eher simulationslastige Fanprojekt "Wing Commander Saga: The Darkest Dawn"  atmet den Geist des Klassikers.

Roberts kehrte vor sieben Jahren in die Spieleindustrie zurück und bastelt seitdem an "Star Citizen", das so etwas wie die eierlegenden Wollmilchsau für Fans von Weltraumspielen werden soll. Die an "Wing Commander" angelehnte erste Version  wurde aber immer wieder verschoben. Frühestens im Frühjahr 2020 soll der Betatest beginnen.

Somit bleibt mir vorerst nichts anderes übrig, als gelegentlich "Wing Commander III" anzuwerfen, ein paar Einsätze zu fliegen und in wohliger Nostalgie zu schwelgen, wenn Blair und Rachel mal wieder in der Bar der TCS Victory flirten .

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