Fotostrecke

Angespielt: "Wolfenstein: The Old Blood"

Foto: Bethesda

"Wolfenstein: The Old Blood"  Sinnfreier Spaß vor bizarrdeutscher Kulisse

"Wolfenstein"-Spiele haben sich schon immer durch ihre Absurdität ausgezeichnet, und das neue "The Old Blood" macht da keine Ausnahme. Paderborn liegt in den Alpen, es gibt Superwaffen und Zombies. Das tut dem Spaß keinen Abbruch.

War klar, dass es schiefgeht. Dass ich nicht die Akte von Helga von Schabbs' Schreibtisch in den Händen halte, sondern blutend in einem Gefängnis liege, tief unten in den Eingeweiden der Burg Wolfenstein, irgendwo in den Alpen. Zum Glück hilft mir ein Stück Rohr als Universalwerkzeug und lässt mich die ersten Gegner halbwegs einfach aus dem Weg räumen. Bis ich die erste richtig große Waffe habe. Und "Wolfenstein: The Old Blood" richtig losgeht. Mit Roboterhunden, elektrischen Soldaten und Zombies.

Wer "Wolfenstein" spielt, bekommt einen Ego-Shooter mit Super-Nazis als Gegnern und einer bizarrdeutschen Kulisse voller Burgen, Gasthäuser und Marktplätze, auf denen sich die Gegner tummeln. Da heißt ein Bergdorf Paderborn und eine Kleinstadt Wulfburg. Alles in allem ein großer und ziemlich sinnfreier Spaß.

"Wolfenstein 3D" von id Software gilt als einer der ersten Ego-Shooter und ist neben dem vom gleichen Studio stammenden "Doom" der wohl einflussreichste. In Deutschland waren die Spiele der Reihe immer umstritten. Nicht nur wegen des Gewaltgrades, sondern vor allem wegen der Nazi-Symbolik, schließlich waren die Spiele mit Hakenkreuzen zugepflastert, Adolf Hitler selbst hatte einige Gastauftritte. Ob das rechtlich erlaubt ist, ist bis heute nicht abschließend geklärt, hängt aber vor allem an der Frage, ob Spiele wie Filme oder wie Spielzeug zu behandeln sind. Die Verlage gehen lieber auf Nummer sicher und achten sehr darauf, dass in der deutschen Version nichts zu sehen ist, was strafrechtliche Folgen haben könnte. Weshalb in "The Old Blood" die Bösen "das Regime" sind und Hakenkreuze gegen ein stilisiertes "W" ausgetauscht wurden. Was egal ist, schließlich weiß sowieso jeder, was gemeint ist.

So subversiv wie Heavy Metal

Die Handlung der Spiele lässt sich kurz zusammenfassen: Amerikanischer Superheld metzelt sich durch eine imaginäre Führungsriege des "Dritten Reiches" und beendet so geheime übersinnliche Waffenprogramme. Das ist zwar albern, aber aus amerikanischer Sicht ungefähr so heikel, wie Außerirdische zu erschießen. Etwa so subversiv wie Heavy Metal und auch ähnlich absurd.

"The Old Blood" fügt sich da hervorragend ein. Als Erweiterung und Prequel zu dem im letzten Jahr erschienenen "The New Order" konzipiert, lässt es den Protagonisten BJ Blazkowicz gegen Rudi Jäger und seinen Lieblingsschäferhund Greta antreten und danach noch Helga von Schabbs jagen, die mit ihren Ausgrabungen unter einer Kirche Nazi-Zombies und ein Supermonster geweckt hat. So zerfällt "The Old Blood" in zwei Teile, die sich deutlich unterscheiden. Ist bei der Jagd nach Jäger eine Kombination aus Schleichen und Schießen noch eine gewinnbringende Taktik, so sind im zweiten Teil fast ausschließlich die Gewehre gefragt. Und zwar die wirklich dicken. Nur so lassen sich die Zombiehorden eindämmen.

"Wolfenstein: The Old Blood" erfindet den Ego-Shooter nicht neu, ist aber in seiner Absurdität origineller als viele andere Titel. Auch wenn ich die Handlung kurz nach dem letzten Kampf - natürlich gegen ein Supermonster - schon fast wieder vergessen habe: Es gibt so viele kleine Details, so viele Anspielungen auf die Geschichte der Reihe und kleine Verneigungen vor anderen Spielen zu entdecken, dass ich fast versucht bin, die knapp sieben Stunden noch einmal zu spielen.


"Wolfenstein: The Old Blood". Von Bethesda, Download für PC, Playstation 4 und Xbox One, ab 15. Mai auch als Disc; USK: Ab 18 Jahren