Anti-Nazi-Shooter Nächstes "Wolfenstein"-Spiel erscheint auch in Deutschland mit Nazisymbolen

Das "Wolfenstein"-Spiel "Youngblood" wird auch hierzulande Hakenkreuze zeigen - zumindest in einer Version. Beim vorherigen Serienteil hatte der Umgang des Herstellers mit dem Thema für Empörung gesorgt.
Gegner mit Hakenkreuz am Arm: Eine Szene aus der internationalen Version von "Wolfenstein: Youngblood"

Gegner mit Hakenkreuz am Arm: Eine Szene aus der internationalen Version von "Wolfenstein: Youngblood"

Foto: Bethesda

Im kommenden Spiel der Shooter-Reihe "Wolfenstein" wird man auf virtuelle Nazis ballern können, die sich auch optisch als solche zu erkennen geben. Wie der Publisher der Reihe, Bethesda Softworks, am Mittwoch bekanntgab, wird der nächste Serienteil "Wolfenstein: Youngblood" erstmals nicht nur in einer speziellen deutschen, sondern auch in der internationalen Version in Deutschland veröffentlicht. Dasselbe gilt für den Virtual-Reality-Ableger "Wolfenstein: Cyberpilot".

Beide Varianten der Titel, die am 26. Juli auf den Markt kommen, hätten von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) die Alterskennzeichnung "ab 18" bekommen, heißt es ("Keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG."). Bethesda betont, dass die Action-Spiele "von künstlerischem Wert" seien und "sich klar gegen die Nazi-Ideologie wie etwa Nationalismus und Rassismus positionieren".

Bislang waren die internationalen Versionen von neuen "Wolfenstein"-Spielen in Deutschland nicht legal erhältlich. Sie zeigen anders als die auf den deutschen Markt angepassten Fassungen der Games Nazi-Symbole wie Hakenkreuze, sind aber ansonsten weitgehend inhaltsgleich.

Manch entscheidenden Unterschied gab es in der Vergangenheit aber doch: So hatte im Spiel "Wolfenstein II: The New Colossus" Adolf Hitler in der deutschen Version keinen Bart mehr, zudem wurde jede Spur des Themas Holocaust und jede Nennung der Juden aus dem Spiel gestrichen oder ersetzt. Diese Entscheidung Bethesdas sorgte Ende 2017 für Empörung und eine große Diskussion über den Umgang von Spielefirmen mit dem Nationalsozialismus und seinen Folgen.

Seit August 2018 ist die Ausgangslage anders

Mittlerweile gab es beim Thema Games und Nazi-Symbole aber größere Veränderungen. So gab die Prüfstelle USK im August 2018 bekannt, dass die sogenannte Sozialadäquanzklausel künftig auch für Videospiele geltend gemacht werden könne. Für Entwickler bedeutete diese Änderung, dass ihre Spiele fortan auch dann eine Altersfreigabe der USK erhalten konnten, wenn darin Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen auftauchen - was auch bereits bei manchen Spielen geschah. Entschieden wird aber je nach Einzelfall - es gibt für Entwickler keinen allgemeinen Freibrief zur Verwendung von Symbolen wie Hakenkreuzen.

"Durch die Änderung der Rechtsauffassung können Spiele, die das Zeitgeschehen kritisch aufarbeiten, erstmals mit einem USK-Alterskennzeichen versehen werden", erklärte USK-Geschäftsführerin Elisabeth Secker im August 2018. "Dies ist bei Filmen schon lange der Fall und auch im Hinblick auf die Kunstfreiheit richtigerweise jetzt auch bei Computer- und Videospielen."

Von Bethesda hieß es am Mittwoch, eine Umstellung von der deutschen Version von "Youngblood", die nur die deutsche Sprachausgabe erhält, auf die internationale Original-Version, die wiederum gar keine deutsche Sprachausgabe bietet, sei nicht möglich. Auch können Käufer der internationalen Version ihr Spiel nicht auf die deutsche Variante umstellen.

Da es sich bei der USK-Prüfung immer um eine Einzelfallentscheidung auf Basis des finalen Produktes handele, sei in der Entwicklung weiter an zwei Versionen pro "Wolfenstein"-Spiel gearbeitet worden, die nun zeitgleich veröffentlicht werden, schreibt das Unternehmen. Inhaltliche Unterschiede im Stile derer aus "Wolfenstein II" werde es bei "Youngblood" diesmal aber nicht geben, sagt Bethesda auf SPIEGEL-Anfrage.

Erscheinen wird das Spiel, in dem man in der Rolle einer von zwei jungen Frauen gegen das Nazi-Regime kämpft, für den PC, die Playstation 4, die Xbox One und Nintendos Switch. "Wolfenstein: Cyberpilot" kann man mit einer Virtual-Reality-Brille auf dem PC und der Playstation 4 spielen.

mbö
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