25 Jahre "Worms" Im Land der Raketenwürmer

Diese Würmer gewinnen jeden Krieg im Spielzimmer und stellten mit ihrem Mehrspieler-Modus Freundschaften auf die Probe: Was fasziniert Spieler seit 25 Jahren am 2D-Actionspiel "Worms"?
Von Olaf Bleich und Benedikt Plass-Fleßenkämper
"Worms" beherrschte schon 1995 die Berechnung vom Wind und der Geschwindigkeit der Geschosse - im hier abgebildeten Mars-Level auch mit einer veränderten Schwerkraft

"Worms" beherrschte schon 1995 die Berechnung vom Wind und der Geschwindigkeit der Geschosse - im hier abgebildeten Mars-Level auch mit einer veränderten Schwerkraft

Foto: Mobygames.com

Sie sind klein, gemein und bis an die Zähne bewaffnet. Während in Kampfspielen jener Zeit oft klassische Actionhelden als Protagonisten dienten, beharken sich im Klassiker "Worms" kämpfende Würmer: mal mit der Bazooka, mal mit einem Karateschlag, mal mit einem explodierenden Schaf.

Das vor 25 Jahren veröffentlichte Actionspiel ist ein Phänomen. Es war weder grafisch fortschrittlich, noch bietet es ausgefuchste Geschichten wie die damals populären Adventures aus dem Hause LucasArts. Hier dominieren dank schräger Waffen und ulkiger Helden die unfreiwillige Komik und vor allem die Mehrspielerdynamik, die zunächst off- und später auch online immer wieder für hitzige Diskussionen vor dem Bildschirm sorgte. Realistische Physikeffekte und anhand von zuvor festgelegter Parameter zufällig generierte Levels garantierten eine schier unberechenbare Spielerfahrung.

Mehrspieler - das bedeutete für Besitzer des legendären Commodore Amiga im Oktober 1995 nicht etwa LAN-Partys oder das Spielen per Internet. Damals versammelten sich die Teilnehmer noch gemeinsam vor einem Bildschirm, im sogenannten Hot Seat wechselten sich bis zu vier Mitspieler reihum ab. Doch genau diese Konstellation bescherte den Spielern unvergessliche Momente.

Vom Taschenrechner auf den Amiga 

Dabei hätte "Worms" eigentlich zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt auf den Markt kommen können. Mitte der Neunzigerjahre ging der Stern der 3D-Games auf: "Doom" sorgte 1993 für die Action-Revolution der Spielewelt und gilt als Wegbereiter für Meilensteine wie Valves Story-Shooter "Half-Life" oder die Macho-Ballerei "Duke Nukem 3D"

Die Qualitäten von "Worms" verbargen sich indes tiefer, weit unter der pixeligen 2D-Grafik und den recht schnöden Hintergründen. Seine Ursprünge fand es 1990 als Fingerübung des 17-jährigen Software-Entwicklers Andy Davidson auf einem Casio-Taschenrechner. Bei dem sehr frühen Prototyp handelte es sich noch um ein Artilleriespiel mit Panzern, das die Levels zufällig berechnete. Schon damals konnte man den Winkel und das Tempo der abgefeuerten Geschosse bestimmen.

Doch die Rechenleistung eines Taschenrechners reichte für ein Spiel wie "Worms" nicht aus. Deshalb stieg Davidson später auf den Commodore Amiga um und ersetzte Panzer durch die charakteristischen Würmer. Mit dem inzwischen "Total Wormage" getauften Actionspiel nahm Davidson an einem Entwicklerwettbewerb einer Amiga-Zeitschrift teil und ging damit auch bei möglichen Vertriebspartnern hausieren. Anfangs ohne Erfolg. Erst auf der Londoner Elektronikmesse ECTS (European Computer Trade Show) wurde der britische Publisher Team17 im September 1994 auf das Projekt aufmerksam und nahm Davidson noch vor Ort unter Vertrag.

Was "Worms" so besonders macht

Team17s Würmer starteten 1995 auf dem Amiga einen wahren Siegeszug durch die deutschen Kinder- und Computerzimmer. Bis heute erschienen "Worms"-Ableger für zahlreiche Plattformen. In dem rundenbasierten Strategiespiel bekämpften sich bis zu vier Teams bestehend aus mindestens vier Würmern. Ziel war es, die Gegner entweder von den Karten und ins Wasser zu kicken oder deren Lebensenergie durch Attacken auf null zu bringen.

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25 Jahre Worms

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Das Spiel beherrschte bereits damals die korrekte Berechnung von Wind, Geschwindigkeit und Abschusswinkel auf bestimmte Geschosse. Außerdem durchlöcherten die Würmer die Karten wie einen Schweizer Käse. Die Zerstörbarkeit der Umgebung war vor 25 Jahren noch etwas vollkommen Neues. Gerade in der Verbindung mit den zufällig generierten Levels entstand so eine schier unendliche Vielzahl an Möglichkeiten.

"Worms" sah zwar niedlich aus, war aber überraschend fordernd und jederzeit für einen Lacher gut. Die kleinen Würmchen quietschten bei Stürzen, purzelten wild durcheinander oder beschimpften sich im Kampf gegenseitig.

Seinen Kultstatus aber verdankt "Worms" vor allem dem robusten Mehrspielermodus. Kaum ein Titel stellte Freundschaften derart auf die Probe und ließ die Emotionen so hochkochen. Das verrückte Waffenarsenal trug sein Übriges dazu bei und wurde das Markenzeichen der Serie. Wo sonst stieß man seinen Schulfreund mit Bruce Lees Dragon-Punch von der Klippe oder schickte ein fröhlich mähendes Schaf auf die Reise und sprengte es auf Tastendruck in einer gewaltigen Explosion?

"Worms" spielte mit Action-Klischees und Popkulturreferenzen. In dem später veröffentlichten Director's Cut tauchte etwa die aus Monty Pythons "Die Ritter der Kokosnuss" bekannte Heilige Handgranate  auf. Nur echt mit Drei-Sekunden-Timer, ehe sie alles um sich herum in die Luft jagt. 

Mit den 3D-Versionen kam der Misserfolg

Der Erfolg von "Worms" zeigt sich auch in der Langlebigkeit der Serie. 1997 erschien bereits der Nachfolger mit einer neuen Grafiktechnologie und knuffigem Comic-Look. Darauf folgten "Worms Armageddon" (1999) und "Worms World Party" (2001), die den Mehrspielermodus stärker ausbauten. Damals blieb noch alles bei der gewohnten 2D-Optik, die eher an eine Ameisenfarm als an ein Actionspiel erinnerte.

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Das sollte aber nicht lange so bleiben. Mit dem 2003 veröffentlichten "Worms 3D" geriet die Serie auf dreidimensionale Abwege. Das Spiel behielt zwar sein Grundkonzept bei, trotzdem haperte es in Sachen Kameraführung.

Auch Ausritte in andere Genres wie in "Worms Forts: Unter Belagerung" (2004) blieben erfolglos. Und genau deshalb ist auch fraglich, ob das für Ende 2020 für PS4, PS5 und PC angekündigte Actionspiel "Worms Rumble"  an alte Erfolge anknüpfen kann. 

Manche Spiele funktionieren eben am besten in 2D.

Der Klassiker ist als "Worms United" nebst dem Add-on "Worms Reinforcement" auf der Downloadplattform GOG.com  erhältlich. 

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