Chats auf der Xbox Microsoft will den Hass herausfiltern

Einen Fluch-Leitfaden gibt es schon länger, jetzt kündigt Microsoft die Einführung von Textfiltern gegen Hassrede auf seiner Spieleplattform Xbox Live an. Eines Tages könnten sie Sprachchats beeinflussen.

Xbox-One-Controller: Beim Gaming wird es oft hitzig - und es kommt zu verbalen Grenzüberschreitungen
Future via Getty Images

Xbox-One-Controller: Beim Gaming wird es oft hitzig - und es kommt zu verbalen Grenzüberschreitungen


  • "Der Schuss ging aber nach hinten los. Ich mach dich kaputt."
  • "Billiger Sieg. Komm auf mich zu, wenn du tatsächlich fahren kannst, ohne Autos zu Schrott zu fahren."

Solche Sprüche hält Microsoft für "akzeptable Blödelei", wenn man gemeinsam Videospiele spielt. Das geht es aus den Community-Standards für die Online-Spieleplattform Xbox Live hervor. Dort finden sich auch Beispiele für Sprüche, die nicht mehr okay und damit potenziell sanktionsfähig wären, wie: "Billiger Sieg. Das habe ich von einem [rassistische Beleidigung] erwartet".

Auch wenn so ein Regelwerk stellenweise unfreiwillig komisch wirkt: Man sollte es Microsoft zugute halten, dass der Konzern versucht, seine Standards so anschaulich und nachvollziehbar wie möglich zu machen. Denn Hass und Hetze auf Gaming-Plattformen sind Probleme, bei deren Bekämpfung viele Spielefirmen wenig engagiert wirken. Microsoft dagegen nimmt das Problem verhältnismäßig ernst - das zeigt sich zum Beispiel am Meldesystem des Unternehmens und an einer Vielzahl unterschiedlicher Strafen bei Verstößen.

Diesen Montag nun hat Microsoft eine neue Funktion vorgestellt, die zunächst Teilnehmern des Fanprogramms Xbox Insider zur Verfügung steht, "im Laufe des Herbsts" aber auch normalen Nutzern. Sie zielt weniger darauf ab, Hass zu verhindern, als darauf, dessen Ausbreitung zu stoppen. In Aussicht gestellt wurden Textfilter, durch die Spieler zum Beispiel Anfeindungen von Dritten gar nicht erst zu sehen bekommen sollen. Dabei geht es auch, aber nicht nur, um Privatnachrichten.

Als problematisch erkannte Inhalte sollen laut Microsoft durch einen Platzhalter-Text im Stil von "[Potenziell beleidigende Nachricht versteckt]" ersetzt werden. Zumindest "authentifizierte volljährige Spieler" sollen die Nachrichten auch in diesem Fall auf Wunsch noch einsehen können.

Verschiedene Filterstufen

"Wir möchten den Spielern die Kontrolle darüber geben, welche Nachrichten sichtbar sind und welche nicht", erklärt Microsoft das auf verschiedene Arten einstellbare und ganz deaktivierbare System. "Die Filterintensität unterscheidet sich in vier Stufen: Friendly, Medium, Mature and Unfiltered."

Durch die Stufen erkenne man an, "dass manche Erwachsene beim Spielen gröber miteinander kommunizieren als Eltern es für ihre Kinder als angemessen empfinden würden", schreibt Microsoft. "Ebenso gibt es Unterschiede zwischen der alltäglichen Sprache, die du mit deinen Freunden benutzen würdest, und Beleidigungen, die Menschen außerhalb deines Freundeskreises verletzen würden."

Wer die Einstellung "Unfiltered" wählt, muss also auch in Zukunft keine Sorge haben, dass eigentlich geschätzter Trash-Talk zwischen Kumpels plötzlich von Microsoft eingeschränkt wird. Zudem gibt es die Option, das Filtern für Nachrichten von Freunden auszustellen, es für Nachrichten von Fremden aber zu aktivieren. Kinderkonten würden standardmäßig auf die höchste Filterstufe, also "Friendly", eingestellt, heißt es.

Erklärvideo von Microsoft

Finden lassen sollen sich die Einstellungen im Konsolen-Menü künftig unter Einstellungen > Allgemein > Online-Sicherheit & Familie > Nachrichtensicherheit. Die gewählte Konfiguration soll mit den Xbox-Apps für Windows 10, iOS und Android synchronisiert werden.

Der Alltagstest steht noch aus

Wie gut Microsofts Filtersystem funktioniert - Filtertechnik hat bekanntlich ihre Hürden, etwa was den Kontext von Aussagen betrifft -, wird sich im Spiele-Alltag zeigen müssen. Anlässe zur Einführung eines solchen Systems gibt es genug, obwohl die Masse der Spieler mutmaßlich respektvoll miteinander umgeht. Xbox-Manager Dave McCarthy berichtet in einem Interview mit "The Verge" aber auch von "Geschichten von afroamerikanischen Spielern, die in Multiplayer-Sessions zum Lynchen freigegeben wurden" sowie von Spielerinnen, die belästigt werden.

Da beim Spielen nicht nur schriftlich kommuniziert wird, plant Microsoft schon den nächsten Schritt auf dem Weg zu einer möglichst hassfreien Spielumgebung. So deuteten Dave McCarthy und ein weiterer Xbox-Manager im Gespräch mit "The Verge" an, dass man versuche, das Textfilter-System auch für Xbox-Live-Audiochats nutzbar zu machen. Langfristig könnte es denkbar sein, bestimmte Aussagen in Chats durch einen Piepton zu ersetzen, so wie es im US-Fernsehen geschieht. "The Verge" weist aber darauf hin, dass viele Nutzer eine Echtzeit-Auswertung von Sprachchats als Eingriff in ihre Privatsphäre und als Angriff auf die Meinungsfreiheit sehen könnten.

"Wenn wir in Echtzeit Sprache in Text übersetzen und wir diese Textfilterfunktionen haben, was können wir dann tun, um Kommunikation in einer Sprachumgebung zu blockieren?", beschreibt Dave McCarthy die Technik, mit der der Konzern über die jetzige Ankündigung hinaus experimentiert. McCarthy betont aber auch, dass das Xbox-Team im Bereich Audiochats erst am Anfang stehe: "Wir lassen uns Zeit, um es richtig zu machen."

mbö



insgesamt 3 Beiträge
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jerkrussel 15.10.2019
1. Ich bin Online-Gamer
Im Gruppen-Duell hat WG/WOT seit einiger Zeit den Chat auf die Kommunikation mit den Mitspielern im eigenen Team beschränkt und auch dort geht es oft noch rüde zu. Was allerdings im seinerzeit noch erlaubten Chat mit der gegnerischen Gruppe abging, lässt sich hier nicht im Ansatz darstellen. Die gegenseitigen Beleidigungen und Bedrohungen waren so haarsträubend, menschenverachtend, diffamierend, brutal und oft gekennzeichnet von komplett fehlender Bildung. Beruhigend war, dass die Bedrohungen aufgrund der eigenen Anonymität nicht wirklich gefährlich waren, es sei denn, man nutzte seinen realen Vor- und Zunamen, aber dennoch waren diese Auswüchse höchst unangenehm.
schaeuferla22 15.10.2019
2. Richtig nicht zögerlich
Was man manchmal lesen muss, von frustrierten Menschen, die versuchen ihre Gedanken in sprachliche Tatsachen zu wandeln, ist unterirdisch. Ich hoffe es ist einfach, simpel zu verstehen und die Reaktion der Plattformbetreiber ist konsequent. Teamkilltrolle hatte man schneller im Griff, als Wortbildungskünster a'la Kinski.
elli1965 15.10.2019
3. Grundsätzlich ein guter Ansatz.
Ein vorhandener Filter, der auch vom Spieler nach seinen Bedürfnissen angepasst werden kann halte ich für sinnvoll; mancher Chat-Troll kann dann gerne gegen die Softwarewand anrennen wie es ihm beliebt. Allerdings halte ich eine Sanktionsmöglichkeit für geboten, ein Benutzerkonto sollte dann nach mehreren wiederholten Verfehlungen gesperrt werden, bei gravierenden und strafrechtlichen Beleidigungen sogar permanent. Bei den heutigen Spieleplattformen wie Steam, U-Play etc. wäre damit auch jegliche erworbene Software plötzlich nicht mehr verfügbar. Einige Spielehersteller sollten hier mehr nachbessern, rassistische und sexistische Beleidigungen gehören vor Gericht, nicht in Spielechats.
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