Zwischendurch-Spiele Ein rohes Steak kämpft für die Liebe

Neue Helden braucht die Gamesbranche: Ein Stück Fleisch hüpft durch ein Jump'n'Run-Szenario, Tröpfchen jubeln in Physik-Rätseln - Casual Games sind oft ungewöhnliche Spiele für Zwischendurch. Wir haben da vier Empfehlungen.

Das kostenlose Horror-Spiel "suteF" zeigt wunderbar, was vermeintlich kleinen Spielen für Zwischendurch gelingen kann: Mit arg beschränkten technischen Mitteln schafft der Designer Ted Lauterbach eine beängstigende Atmosphäre: Die Spielfigur erwacht in einem düsteren Verließ, in dem die Naturgesetze nicht so ganz und vor allem nicht immer gelten.

Verlässt man einen Raum am linken Bildschirmrand, betritt man ihn sogleich wieder von rechts, manchmal scheinen mehrere Zeitebenen parallel abzulaufen und ab und an läuft man an der Decke entlang und verlässt Räume durch einen Fernsehschirm, der einen toten Kanal zeigt.

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Das Flackern und Rauschen eines toten Kanals unterbricht auch immer wieder das Spiel, wir sehen Halluzinationen (oder Erinnerungen?) der Spielfigur - Blut, Schneeflocken, Leichen. Das alles ist so grob gepixelt, dass man das Spiel für ein Relikt aus den frühen 90er Jahren halten könnte, wenn die Anmutung sich nicht so stimmig in die Unwirklichkeits-Ästhetik fügen würde.

Spielerisch setzt das atmosphärisch dichte "suteF" einige vertraute Mechanismen geschickt ein. Man muss aus jedem Raum einen Weg an tödlichen Fallen vorbei finden. Dabei zählt nicht so sehr die Geschwindigkeit, wichtiger sind logisches und räumliches Denken - wohin schiebt man welche Kiste, um Lichtbögen zu unterbrechen?

Ach ja, der Entwickler dieses kleinen Meisterwerks ist Anfang 20 und lebt in einer Kleinstadt in Wisconsin.

Ted Lauterbach: suteF, kostenlose Download-/Browser-Version für PCs 

"Super Meat Boy" - das Steak ist der Held

Im Grunde genommen ist "Super Meat Boy" ein klassisches Jump'n'Run: Der Held hüpft über Schluchten hinweg und an Kreissägen vorbei zum Ziel - seiner Freundin, die warum auch immer Bandage Girl heißt und von einem Fiesling immer wieder entführt wird. Da der Held "Super Meat Boy" heißt, hinterlässt er auf diesem Weg eine Blutspur und kommt mit einem satten Platschen an den Wänden auf, wie es ein rohes Stück Fleisch nun mal von sich gibt.

Das klingt bizarr und ist es auch. Wenn man über so etwas lachen kann, ist "Super Meat Boy" aberwitzig genug, um einen bei Laune zu halten, wenn "Super Meat Boy" zum fünften Mal in einen Salzhaufen fällt und man wieder von vorne beginne muss, weil Salz einem Fleischstück schlecht bekommt.

Die Musik ist großartig, die Figuren sind bizarr und niedlich zugleich, das Spiel ist richtig schwierig. Wer das mag, wird sehr viele Stunden mit "Super Meat Boy" verbringen - mehr als 300 Level gehören zum Paket. Man kann sogar einen Tofu-Helden spielen (das macht aber alles noch schwieriger).

Edmund McMillen, Tommy Refenes: "Super Meat Boy", Download für PC über Steam-Plattform  6,99 Euro (derzeit, sonst 13,99 Euro), Xbox-Version als Download  800 Xbox Live Points

"World of Goo" - Tröpfchen lotsen

Goo - das heißt übersetzt so viel wie klebriges Zeug. Kleine Tröpfchen dieser Glibbermasse sind die Helden von "World of Goo". Sie rollen mit ihren großen Augen und machen lustige Geräusche, wenn man sie durch die Gegend zieht. Herumziehen muss man die Tröpfchen, weil nur so das Ziel in "World of Goo" zu erreichen ist: Man muss die Tröpfchen so zu Pyramiden stapeln, zu Brücken zusammenketten oder zu Gerüsten verbinden, dass sie in jedem Spielabschnitt zu einem erstmal unerreichbar erscheinendem Goo-Absaugrohr gelangen. Die Bauwerke wanken und kippen auch schon mal - je nach Wind und Bodenbeschaffenheit der Spielwelt.

Das erinnert ein wenig an "Lemmings". In der Tat hat "World of Goo" die besten Elemente des Spielklassikers übernommen: Man muss nicht eine einzige vorab definierte Lösung finden, um einen Abschnitt durchzuspielen - es gibt viele unterschiedliche Wege und es gibt zudem (anders als bei "Lemmings") verschiedene Erfolgsgrade. Man muss eine bestimmte Mindestanzahl von Goo-Tröpfchen zum Ausgang lotsen, um zu gewinnen. Je weniger kleine Goos man beim Fluchtwegbau verliert, desto besser schneidet man ab - man sucht also nach effizienteren Lösungen und verwirft schon mal die erstbeste Konstruktion.

Die nun erschienene iPad-Version von "World of Goo" ist wesentlich angenehmer zu steuern als die alte Wii-Variante. Die Steuerung per Touchscreen passt aber auch besser zum Spiel als die Maussteuerung der PC- und Mac-Version. Das Spiel ist den Preis wert - der Reiz hält lange an, es kommen immer wieder neue Herausforderungen dazu. Man muss immer neue Hindernisse überwinden oder mit neuen Goo-Unterarten arbeiten - einige schweben in die Luft, andere klammern sich fest aneinander und so weiter. Klang und Grafik des Spiels sind so liebevoll durchdacht und entworfen, dass man die Goo-Welt schnell ins Herz schließt. Nicht schlecht für ein Physik-Rätselspiel.

2dboy: "World of Goo", Download für Windows, Mac und Linux  ab 8,99 Euro (bei Steam), eingeschränkte Version kostenlos, iPad 7,99 Euro

"The Dream Machine" - das Adventure aus der Wolke

Wer früher stundenlang Möchtegern-Piraten und Hasen durch Lucas-Arts-Adventures klickte, wird "The Dream Machine" mögen. Die Rätsel in diesem schwedischen Browser-Spiel sind so logisch aufgebaut wie in den Klassikern des Genres. Es ist beeindruckend, wie gut Browserspiele aussehen können. Die zwei schwedischen Spielentwickler hinter "The Dream Machine" haben die Kulissen aus Karton und Knetmasse aufgebaut, fotografiert und digitalisiert. Diese Mühe sieht man.

Die erste Episode des Spiels kann man kostenlos durchspielen. Wenn man sich registriert, lässt sich das Spiel von überall über den Browser an der Stelle fortsetzen, an der man es zuletzt verlassen hat. Vier weitere Episoden wollen die Entwickler produzieren, die sollen dann Geld kosten.

Anders Gustafsson, Erik Zaring: " The Dream Machine ", browserbasiert (Flash), erstes Kapitel kostenlos, fünf Kapitel 13,75 Euro

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