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Neue Erkennungs-App Clearview Das US-Unternehmen, das mit Ihrem Gesicht Geld verdient

Das Start-up Clearview hat offenbar Milliarden Fotos aus dem Netz gesammelt und bietet der Polizei Gesichtserkennungsmethoden an. Stoppen lässt sich die Technik kaum.
aus DER SPIEGEL 5/2020
Messebesucher auf der CES 2020 in Las Vegas

Messebesucher auf der CES 2020 in Las Vegas

Foto: Bridget Bennett/ Bloomberg/ Getty Images

Ein amerikanisches Start-up hat auch diesseits des Atlantiks Schockwellen ausgelöst: Die Firma Clearview AI verkauft laut "New York Times" eine fragwürdige Gesichtserkennungstechnologie an Hunderte Strafverfolgungsbehörden. Per App können Ermittler demnach das Bild einer gesuchten Person hochladen, das dann mit einer gigantischen Datenbank abgeglichen wird – mit einem privaten Gesichterverzeichnis aus zusammengeklaubten Fotos aus dem Internet. Drei Milliarden Bilder befinden sich nach Angaben der Firma inzwischen in ihrer Sammlung.

Das wirft Fragen auf, die weit über den Fall hinausgehen. Vor allem befeuert es die Diskussionen um ethische und gesetzliche Schranken einer Technologie, die weltweit Einzug in den Alltag der Menschen nimmt. Die Sache funktioniert so: Die App analysiert das Gesicht auf dem eingespeisten Foto, rechnet es in ein mathematisches Modell um und stellt dann weitere Fotos vor, deren mathematische Repräsentation sozusagen in der Nachbarschaft liegt, die also dieselbe Person zeigen könnten. Dazu gibt es den Link, wo im Internet das jeweilige Bild gefunden wurde. Clearview hat zuvor mithilfe einer Software nach eigenen Angaben Bilder aus dem Netz gezogen, die öffentlich zugänglich waren. Bilder aus Facebook-Profilen, die nicht auf "privat" gestellt waren, oder von anderen Websites – beispielsweise, wenn ein Arbeitgeber seine Mitarbeiter samt Foto vorstellt. Die Fotos können Ermittlern helfen, schnell den Namen eines möglichen Verdächtigen oder zumindest eine Spur zu finden.

Das Programm scheint so gut zu funktionieren, dass Polizeibehörden gern davon Gebrauch machen – statt sich an staatliche Datenbanken zu halten, die einen wesentlich kleineren Bestand haben. Das automatisierte Herunterladen der Fotos von Plattformen wie Facebook oder Twitter verstößt nämlich nicht nur gegen ethische Werte, sondern auch gegen die Nutzungsbedingungen der Firmen. Möglich ist es trotzdem.

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