Nach Abstimmung über Russland Hacker legen Website des EU-Parlaments lahm

Stundenlang ist die Website des EU-Parlaments am Mittwochnachmittag nicht oder nur sehr eingeschränkt erreichbar. Dahinter steckt offenbar ein DDoS-Angriff. Daten sollen nicht abgeflossen sein.
EU-Parlamentsgebäude in Straßburg: Angriff ist technisch nicht komplex

EU-Parlamentsgebäude in Straßburg: Angriff ist technisch nicht komplex

Foto: JULIEN WARNAND / EPA

Wer den Internetauftritt des Europäischen Parlaments am späten Nachmittag des 23. November besucht, fand nur eine Fehlermeldung statt aktuelle Informationen: Wie mehrere Mitglieder des Parlaments berichteten, wurde die Website durch eine DDoS-Attacke vorübergehend außer Betrieb gesetzt.

Die Präsidentin des Parlaments, Roberta Metsola, teilte um 16:45 auf Twitter mit : »Das Europäische Parlament ist Opfer eines raffinierten Cyberangriffs geworden. Eine kremlnahe Gruppe hat sich dazu bekannt«. Der Ausfall sei erfolgt, nachdem das Parlament Russland in einer Abstimmung als staatlichen Sponsor des Terrorismus bezeichnet hatte. Metsola schrieb weiter: »Meine Antwort: #SlavaUkraini«

DDoS-Attacken sind keine Hackangriffe

Wie der Parlamentssprecher Jaime Duch auf Twitter mitteilte, werde die Website »derzeit von außen durch ein hohes Maß an externem Netzwerkverkehr beeinträchtigt«. Dieser Verkehr stehe »in Verbindung mit einem DDOS-Angriff (Distributed Denial of Service).« Technische Teams des Parlaments würden sich aktuell um den Vorfall kümmern. In mehreren Tests zwischen 17 und 18 Uhr war die Website von Deutschland aus nicht erreichbar. Um 18:30 Uhr ist sie nur sehr eingeschränkt nutzbar.

Bei DDoS-Angriffen bombardieren Angreifer Websites mit Anfragen und Datenpaketen und überlasten vorübergehend die Server, sodass eine Website zeitweise nicht mehr angesteuert und geladen werden kann. DDoS-Angriffe sind technisch nicht allzu komplex und richten keinen Schaden in Netzwerken an, da sie nicht in diese eindringen. Es fließen auch keine Daten ab.

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Tatsächlich bekannte sich kurz nach dem Ausfall der Website auf Twitter eine Gruppe aus Hacktivisten zu dem Angriff, die der russischen Regierung nahestehen soll. Sie soll bereits mehrere private und staatliche Internetangebote in Norwegen attackiert und teils vorübergehend lahmgelegt haben. Allerdings ist nicht bestätigt, dass diese Gruppe auch tatsächlich hinter dem Ausfall der Parlamentsseite steckt.

Ausfall direkt nach Abstimmung, die Russland verurteilte

Metsola fügte in ihrem Tweet hinzu, dass die Website ausfiel, »nachdem wir Russland zum staatlichen Förderer des Terrorismus erklärt hatten«. In einer einseitigen Abstimmung mit 494 zu 58 Stimmen bei 48 Enthaltungen versuchte das EU-Parlament in seiner Sitzung am Mittwoch, den Druck auf Moskau zu erhöhen. In der Abstimmung wurde geurteilt, dass Moskaus Militärschläge gegen zivile Ziele wie Energieinfrastruktur, Krankenhäuser, Schulen und Wohneinheiten gegen das Völkerrecht verstießen. Der Schritt ist weitgehend symbolisch und hat für Russland keine rechtlichen Konsequenzen.

Gleichzeitig hat die EU wegen Russlands Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar bereits beispiellose Sanktionen gegen Russland verhängt. Ob ein direkter Zusammenhang zu der aktuellen Abstimmung besteht, ist jedoch nicht klar. Die EU sowie die 27 Mitgliedstaaten hatten den Einmarsch sowie einzelne Vorfälle und Methoden des russischen Angriffskriegs bereits zuvor wiederholt als Kriegsverbrechen bezeichnet.

loc/AFP/Reuters
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