Hackergruppe zu Angriff auf US-Pipeline »Unser Ziel ist, Geld zu machen«

Das FBI macht Darkside für die Cyberattacke auf die wichtigste US-Ölleitung verantwortlich – nun hat sich die Hackergruppe auf ihrer Website geäußert. Sie will mit keiner Regierung in Verbindung stehen.
Tanks im Pipepline-Netzwerk von Colonial

Tanks im Pipepline-Netzwerk von Colonial

Foto: JIM LO SCALZO / EPA

Nach ihrem Angriff auf eine der wichtigsten Kraftstoff-Leitungssysteme in den USA, hat sich die als Darkside bezeichnete Hackergruppe auf ihrer Website zu Wort gemeldet. »Unser Ziel ist, Geld zu machen und nicht Probleme für die Gesellschaft«, teilten die Mitglieder am Montag (Ortszeit) in einem Statement mit. Sie fügten hinzu, unpolitisch zu sein, und dass Beobachter sie mit keiner bestimmten Regierung in Verbindung bringen sollten.

In der Erklärung gab es keine Hinweise darauf, wie viel Geld die Gruppe von Colonial Pipeline verlangt. Die Hackergruppe reagierte bisher nicht auf Anfragen der Nachrichtenagentur Reuters nach einem Kommentar zu dem Fall.

Auch die US-Bundespolizei FBI hat Darkside für den Cyberangriff verantwortlich gemacht. Bei der Hackerattacke sei die Ransomware von Darkside eingesetzt worden, erklärte das FBI am Montag. Mit einem solchen Schadprogramm versuchen Hacker, Computersysteme zu sperren oder zu verschlüsseln und von den Nutzern Geld für die Freigabe der Daten zu erpressen.

Eine ranghohe Vertreterin des Weißen Hauses, Elizabeth Sherwood-Randall, erklärte, Präsident Joe Biden werde regelmäßig über den Zwischenfall unterrichtet. Bislang sei kein Schaden bekannt geworden, und es gebe keinen Benzinmangel.

Erste Auswirkungen auf die Flugpläne

Allerdings erklärte die US-Fluggesellschaft American Airlines, aufgrund von Treibstoffmangel nach dem Hackerangriff ihrer Langstreckenflüge zwischenlanden zu lassen. Wie das Unternehmen mitteilt, soll der Flug von Charlotte, im US-Bundesstaat North Carolina, nach Honolulu auf Hawaii in Dallas einen Tankstopp einlegen.

Dort werden die Passagiere das Flugzeug wechseln, bevor sie nach Honolulu weiterfliegen. Der Flug von Charlotte nach London soll in Boston zwischenlanden, um zusätzlichen Treibstoff zu tanken.

Colonial Pipeline mit Sitz im Bundesstaat Georgia hatte am Samstag erklärt, zum Ziel einer Hackerattacke geworden zu sein. Nach dem Angriff wurde das gesamte Rohrleitungsnetz der Firma vorübergehend stillgelegt. Colonial Pipeline erklärte am Montag, das Netz werde schrittweise wieder in Betrieb genommen. Eine Rückkehr zum normalen Betrieb werde aber dauern.

Gigantische Mengen an Ölprodukten pro Tag

Die Leitung ist gemessen am transportierten Volumen die größte Pipeline der USA. Jeden Tag fließen mehr als 2,5 Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) an Benzin, Diesel, Kerosin und anderen Erdölprodukten durch die Rohrleitungen. Die Pipeline, die sich zum Großteil unterirdisch auf 5500 Meilen (rund 8.850 Kilometer) erstreckt, verbindet hauptsächlich an der Küste am Golf von Mexiko liegende Raffinerien mit dem Süden und Osten der USA.

Das Unternehmen transportiert etwa 45 Prozent aller an der Ostküste verbrauchten Kraftstoffe und beliefert mehr als 50 Millionen Amerikaner. Zu den Abnehmern gehören auch die US-Streitkräfte. Nach dem Hackerangriff rief die US-Regierung am Sonntag den regionalen Notstand aus.

jok/Reuters