Expertin über Arbeit im Homeoffice »Richtig arbeiten würde ich weder im Bett noch am Küchentisch«

Viele Menschen sollen die nächsten Wochen im Homeoffice verbringen. Damit das körperlich nicht zu belastend wird, gibt eine Wissenschaftlerin Tipps zu Monitor, Maus und der richtigen Beleuchtung.
Ein Interview von Jörg Breithut
Mit Nackenschmerzen am Rechner: Welcher Monitor eignet ich - und wie muss er eingestellt sein?

Mit Nackenschmerzen am Rechner: Welcher Monitor eignet ich - und wie muss er eingestellt sein?

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

SPIEGEL: Frau König, Sie arbeiten am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung. Während der Corona-Pandemie sitzen viele Angestellte im Wohnzimmer vor dem Rechner. Welche Fehler passieren beim Umzug ins Homeoffice?

König: Problematisch ist es, wenn man sich einfach irgendwo hinsetzt und gar nichts anpasst. Man sollte darauf achten, dass man die eigene Arbeitsumgebung so einrichtet, wie man es aus dem Büro kennt. Eine falsche Körperhaltung und ein falsches Sehverhalten kann zu brennenden Augen, Kopfschmerzen und Rückenproblemen führen.

SPIEGEL: Wie kann man eine falsche Körperhaltung vermeiden?

König: Im Optimalfall erlaubt es der Arbeitgeber einige Arbeitsmittel wie Tastatur, Bürostuhl und externen Monitor mitzunehmen. Auf diese Weise kann man sich zu Hause so einrichten, dass eine falsche Körperhaltung vermieden wird.

SPIEGEL: Reicht der Laptop nicht aus?

König: Nein, der reicht nicht aus, wenn man acht Stunden am Tag am Computer arbeitet. Dafür ist der Monitor meist zu klein. Das ist auf Dauer schlecht für die Augen. Außerdem kann man den Laptop nicht in der Höhe anpassen.

SPIEGEL: Wie groß sollte ein Bildschirm denn sein?

König: Das kommt auf den Job an. Bei herkömmlicher Arbeit mit Textprogrammen und E-Mail-Anwendungen reicht ein 24-Zoll-Monitor. Bei mehreren Anwendungen, die gleichzeitig bearbeitet werden müssen, brauchen Beschäftigte eher einen größeren Bildschirm. Man muss allerdings beachten, dass man umso mehr Abstand halten sollte, je größer der Monitor ist. Bei 24 Zoll sollte man schon einen Meter entfernt sitzen.

SPIEGEL: Das ist ganz schön weit weg.

König: Ja, das ist aber wichtig. Denn wenn der Bildschirm zu nahe dran ist, kann man nicht mehr alles mit den Augen erfassen, sondern muss den Kopf bewegen.

SPIEGEL: Zur richtigen Höhe des Monitors gibt es unterschiedliche Ansagen. Sollte der Blick gerade oder nach unten auf den Monitor gerichtet sein?

König: Das ist bei jedem anders. Aber man kann es ganz leicht testen. Dazu setzt man sich vor den Bildschirm und schließt die Augen. Indem man den Kopf in immer kleiner werdenden Bewegungen nach oben und unten neigt, findet man irgendwann die ideale Position heraus. Wenn man die Augen öffnet, sollte sich der Blick dann auf das obere Drittel des Monitors richten.

SPIEGEL: Ändert sich der Fixpunkt nicht immer mal wieder?

König: Wo der Kopf und die Augen bei diesem Selbsttest stehen bleiben, ist kein Zufall. Studien haben gezeigt, dass Testpersonen immer wieder die gleiche Kopfhaltung einnehmen und im Durchschnitt eine Blickneigung von 20 Grad nach unten günstig ist.

»Eine Maus ist schon besser«

SPIEGEL: Im Homeoffice kommt es auch mal vor, dass Mitarbeiter ihre E-Mails im Bett lesen oder den Laptop am Küchentisch aufklappen. Ist das okay?

König: Wenn es sich aufs kurze E-Mail-Checken beschränkt, ist das unproblematisch. Aber richtig arbeiten würde ich weder im Bett noch am Küchentisch. Dort kann man den Arbeitsplatz einfach schlecht einstellen. Wenn man kein Zimmer als Büro nutzen kann, würde ich mir lieber einen Schreibtisch in eine ruhige Ecke stellen. Das kann auch ein Klapptisch an der Wand sein.

SPIEGEL: Welche Kriterien muss der Esstisch erfüllen, damit ich unbesorgt daran arbeiten kann?

König: Ruhig sollte es dort sein. Außerdem sollte der Tisch so hoch sein, dass die Ellenbogen im rechten Winkel angelegt sind, wenn die Unterarme mit hängenden Schultern auf der Tischplatte liegen. Außerdem sollten auch die Beine im rechten Winkel unter dem Tisch stehen. Aber es ist viel sinnvoller, mit dem Stuhl zu beginnen und dann erst die passende Tischhöhe zu bestimmen. Denn die richtige Tischhöhe hängt von der Stuhlhöhe ab.

SPIEGEL: Worauf sollte man beim Stuhl achten?

König: Man sollte die Haltung beim Arbeiten immer wieder ändern. Unbequeme Armstützen oder starre Rückenlehnen führen beispielsweise zu einer Zwangshaltung, da man die Sitzposition nicht verändern kann. Die Lehne sollte daher auf jeden Fall locker eingestellt sein, die muss sich bewegen können. Es hilft auch, immer wieder mal im Stehen zu arbeiten.

SPIEGEL: Liegen Gymnastikbälle als Bürostuhl noch im Trend?

König: Davon ist man weggekommen, weil man nicht kontrollieren kann, wie weit man mit der Hüfte zur Seite kippt. Außerdem kann man die Höhe nicht einstellen. Es gibt allerdings Bürostühle, die das Verhalten von Gymnastikbällen simulieren und an der richtigen Stelle stoppen.

SPIEGEL: Genügt es, das Trackpad am Laptop zu benutzen, oder sollte es schon eine Maus oder sogar eine Vertikalmaus sein?

König: Eine Maus ist schon besser. Da kann man die Hand lockerer halten als bei einem Trackpad. Wer sehr viel mit der Maus arbeitet, wie etwa technische Zeichner, sollte eher eine spezielle Vertikalmaus benutzen.

SPIEGEL: Würden Sie ergonomische Tastaturen empfehlen, auf denen die Hände leicht schräg aufliegen?

König: An solche Tastaturen muss man sich erst einmal gewöhnen. Wichtig ist generell, dass die Tastatur flach auf dem Tisch liegt, damit die Hände nicht nach oben abknicken. Auch sollte die Tastatur immer eine helle Farbe haben. Der Kontrast schwarzer Zeichen auf hellem Hintergrund sorgt dafür, dass die Ziffern und Buchstaben viel besser zu erkennen sind. Außerdem sind die meisten Schreibtische hell. Liegt dann eine dunkle Tastatur darauf, dann müssen die Augen den Kontrastunterschied ständig ausgleichen.

SPIEGEL: Wie sieht es mit dem Licht im Homeoffice aus? Worauf sollte man achten?

König: Das Homeoffice ist häufig falsch ausgeleuchtet. Oft ist es zu dunkel. Es ist falsch zu glauben, dass der Monitor hell genug ist. Da haben wir dann wieder das Kontrastproblem. Es ist extrem anstrengend für das Auge, wenn es immer wieder von einem dunklen Hintergrund auf den hellen Bildschirm wechseln muss. Es reicht in der Regel aus, die Zimmerlampe einzuschalten, damit alles gleich ausgeleuchtet ist und nichts blendet.

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