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Netzabschaltungen in Indien Kaschmir darf wieder ein bisschen online

Fast sechs Monate lang konnten viele Bewohner der Himalaya-Region Kaschmir nicht mehr online gehen. Jetzt wird die Dauersperre gelockert. Wichtige Dienste bleiben gesperrt - und das Netz ist langsam.
Nutzer eines "Internet-Kiosks" in der Stadt Srinagar: Während der Sperre ließ sich nur an ausgewählten Orten wie diesem auf das Internet zugreifen

Nutzer eines "Internet-Kiosks" in der Stadt Srinagar: Während der Sperre ließ sich nur an ausgewählten Orten wie diesem auf das Internet zugreifen

Foto: TAUSEEF MUSTAFA/ AFP
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Sie gilt als die längste Internetsperre, die es je in einem demokratischen Staat gab: Viele Bewohner der Himalaya-Region Kaschmir mussten fast sechs Monate lang ohne regulären Internetzugang auskommen - bis jetzt. Ab Samstag soll das Mobilinternet im indischen Unionsterritorium Jammu und Kaschmir bis auf Weiteres wieder verfügbar sein, wenn auch mit erheblichen Einschränkungen.

Zuvor hatte Indiens oberster Gerichtshofs klargestellt, dass er dauerhafte Abschaltungen des Internets für unzulässig hält. Die Freiheit, das Internet nutzen zu können, sei ein Grundrecht, hieß es Anfang Januar von Richter Nuthalapati Venkata Ramana.

Die am 5. August vorgenommene Abschaltung des Internets war von den Behörden damit gerechtfertigt worden, dass nur so die Ordnung in der Krisenregion aufrechterhalten werden könnte. Es bestehe sonst die Gefahr, dass es zu gewaltsamen Protesten komme. Kritiker argumentierten dagegen, dass eher mehr Unruhe entstehe, wenn Menschen zum Beispiel keinen Zugang zu Online-Informationen mehr hätten.

Die indische Regierung von Narendra Modi hatte dem Bundesstaat Jammu und Kaschmir, der Ende Oktober in zwei Unionsterritorien namens Jammu und Kaschmir sowie Ladakh aufgeteilt wurde, im August die Autonomie entzogen. Im Zuge dessen wurden Tausende Soldaten ins Kaschmirtal verlegt. 

Social-Media-Apps bleiben offline

In einer Ankündigung der Regierung von Jammu und Kaschmir hieß es am Freitagabend, der Zugang zum Netz sei zunächst auf rund 300 Websites beschränkt. Zudem soll die Internetgeschwindigkeit niedrig bleiben, sprich: Sie wird künstlich gedrosselt. Die Rede ist von langsamem 2G-Internet . In Indien wird das Internet vom Großteil der Menschen mobil, also mit Smartphones genutzt.

Zu den für die Regierung von Jammu und Kaschmir akzeptablen Seiten zählen laut der Nachrichtenagentur Reuters Bank- und Bildungsseiten, die Websites von Essenslieferdiensten und Such- und E-Mail-Dienste von Yahoo und Google, aber auch einzelne Entertainment-Websites. Social-Media-Apps seien nach wie vor nicht verfügbar, heißt es - betreffen dürfte das auch den in Indien sehr beliebten Chat-Dienst WhatsApp. Am 31. Januar wolle die Regierung die jetzt getroffene Entscheidung prüfen.

Indiens Behörden setzen angesichts politischer Demonstrationen und Unruhen immer wieder auf Internetabschaltungen, auch in anderen Teilen des Landes. Keine Region war jedoch auch nur annähernd so hart und dauerhaft von einer Sperre betroffen wie Kaschmir. Aus der Gegend gab es etwa Berichte von Onlinehändlern, deren Geschäft stagnierte, und von Pendlern, die nur deshalb mit dem Zug woandershin fuhren , um dort endlich online gehen zu können.

In einigen Regionen von Jammu und Kaschmir hatte es bereits seit einigen Tagen wieder Internetzugang gegeben. In Städten hatten die Menschen während der Dauersperre auch die Möglichkeit, sogenannte "Internet-Kioske" zu besuchen und dort ins Netz zu gehen.

mbö/Reuters