Rückkehr aus Dubai Influencer sagen plötzlich »Du-bye!«

Mehrere YouTube- und Instagram-Stars, die erst kürzlich nach Dubai auswanderten, kündigen ihre Rückkehr nach Deutschland an. Das Netz spekuliert über Steuerprobleme – doch es gibt wohl andere Gründe.
Skyline von Dubai: »Das ist die Wüste«

Skyline von Dubai: »Das ist die Wüste«

Foto: Markus Mainka / imago images / Aviation-Stock

Grimassen, Ausrufezeichen, Produktplatzierungen: Die Vorschaubilder auf deutschen YouTube-Kanäle sind sich, wie auch viele Instagram-Profile, oft zum Gähnen ähnlich. Allerdings kam in den vergangenen Wochen zu dem üblichen Influencer-Brei ein weiterer Trend hinzu: der große Abschied aus dem Emirat. »BYE BYE, Dubai«, tönte die YouTuberin Paola Maria Koslowski. »ES GEHT ZURÜCK«, schrieb der Moderator Sami Slimani. Und die dauerfilmende Influencer-Familie »Team Harrison« garnierte die Deutschlandflagge mit einem begeisterten »WIR SIND WIEDER DA«.

Im Netz ist die Häme groß, zumal der Abschied aus Deutschland bei den meisten gar nicht lange her ist: Gerade einmal vier Monate hielten es die Koslowskis in der Wüste aus, ein knappes halbes Jahr packten es die Harrisons. Mit seinen zwei vollen Jahren in Dubai wirkt Sami Slimani dagegen beinahe wie ein Einheimischer. Warum dieser überraschende, etwas überstürzt wirkende Abschied? Wer die Managements der Promis fragt, erhält einen ganzen Strauß an möglichen Gründen zur Antwort.

Moderator Sami Slimani bei einer Fashion Show in Berlin: Urlaub in Deutschland

Moderator Sami Slimani bei einer Fashion Show in Berlin: Urlaub in Deutschland

Foto: Nicole Kubelka / imago images/Future Image

Reue, Urlaub, Familientreff?

Er sei »wirklich nur zu Urlaubszwecken« nach Deutschland gefahren, heißt es über Sami Slimani – und dass er ansonsten weiterhin in Dubai lebe. Man wolle die Familie besuchen, erklärt das Management der Harrisons: »Selbst Einheimische, aber auch die meisten Expats, reisen in diesen Monaten in ihre Heimatländer.« Nur Paola Maria Koslowski hat die Vereinigten Arabischen Emirate wohl tatsächlich hinter sich gelassen, in einem YouTube-Video spricht sie von einem »Fehler«. Dubai habe sich nicht wie ein Zuhause angefühlt, »sondern wie ein Dauerurlaub«.

YouTuberin Paola Maria Koslowski: »Wie ein Dauerurlaub«

YouTuberin Paola Maria Koslowski: »Wie ein Dauerurlaub«

Foto: Andreas Rentz / Getty Images

Die Erklärungen klingen plausibel, doch in den sozialen Netzwerken hat sich längst eine andere These durchgesetzt. Könnte es sein, dass der plötzliche Aufbruch der Influencer etwas mit den Steuer-CDs zu tun hat, die Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) vor rund einem Monat ankaufen ließ? Rund zwei Millionen Euro gab man nach SPIEGEL-Informationen für Hinweise auf mögliche Steuersünder aus – und kurz darauf reisen die Influencer ab wie die Zugvögel. Zufall?

Zu schön, um wahr zu sein

Die These mag gut klingen, sie hat es – gepaart mit einer ordentlichen Portion Schadenfreude – in zahlreiche Schlagzeilen geschafft. Aber es spricht vieles dafür, dass sie nicht stimmt. Dafür reicht schon ein Blick in die Instagram- und YouTube-Blase: Zwar kündigten die Inhaber dreier großer Accounts ihre vorübergehende Rückkehr an – viele andere lassen die angeblichen Steuersünden aber völlig kalt. TV-Sternchen Georgina Fleur postet weiterhin Fotos aus Dubai, ebenso die Schauspielerin Fiona Erdmann und das Prank-Pärchen Simon Desue und Enisa Bukvic. Andere YouTuber, etwa die Streamer Bossio und Benji (NoHandGaming) kündigten erst vor wenigen Tagen ihren Umzug nach Dubai an. Von einer groß angelegten Rückwanderung kann bisher keine Rede sein.

Plausibel wäre sie erst recht nicht. Warum sollte ein Influencer, der sich vor einem Steuerverfahren fürchtet, ausgerechnet in jenes Land flüchten, das ihn wegen des mutmaßlichen Vergehens verfolgt? Hinzu kommt: Steuer-CDs, wie sie zuletzt durch das Bundesfinanzministerium angekauft wurden, enthalten meist Daten, die Jahre zurückliegen. Auch das passt nicht zu den Auswanderern, von denen nur Slimani vor 2020 seinen Wohnsitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte.

Keine Immobilien für Influencer

Und dann ist da die Sache mit den Immobilien. Von den Steuer-CDs betroffen sind laut SPIEGEL-Informationen Tausende Deutsche, die unter anderem über Grundstücke und Immobilien in dem Golfemirat verfügen. Auf die meisten Influencer trifft das aber wohl gar nicht zu. Auf ihren Accounts schmücken sich zwar viele YouTuber mit Villen in Toplagen – die sie als Ausländer jedoch in aller Regel nicht erwerben dürfen.

»Die meisten Influencer schließen nach meiner Erfahrung lediglich Mieten ab«, sagt Barbara Rössle. Die 49-Jährige ist Managing Partner bei EmiratesSetup, einer Agentur in Abu Dhabi, die nach eigenen Angaben jährlich Hunderten Personen aus dem deutschsprachigen Raum eine Ausreise nach Dubai ermöglicht, unter ihnen auch Influencern. Eine Flucht aus Steuergründen hält sie für nahezu ausgeschlossen: »Solange unsere Kunden auch in Dubai leben, ist die Steuerfreiheit völlig legal«, sagt Rössle.

Zwischen 7000 und 8000 Euro müsse ein Influencer oder eine Influencerin in der Regel für einen Umzug ins Emirat berappen, dafür gebe es neben einem dreijährigen Visum und einer Business-Lizenz auch eine Firma, über die die Einkünfte nahezu steuerfrei aufs Konto fließen können. Probleme habe es damit nie gegeben, sagt Rössle, und: »Bis jetzt hatten wir erst einen, der zurückgekommen ist.«

Das Rückflugticket schon gebucht

Team Harrison, die Influencer-Familie auf Deutschlandbesuch, gehört offenbar auch nicht zu den Heimkehrern. Der derzeitige Aufenthalt sei »lediglich vorübergehend« und das Rückflugticket bereits gebucht, heißt es. Im Übrigen habe man bereits Anfang des Jahres auf die anstehende Deutschlandreise hingewiesen – also Monate vor den Meldungen über irgendwelche Steuer-CDs.

»Der Familie Harrison ist erst durch Ihre Anfrage bekannt geworden, dass anscheinend Steuerdaten durch die Bundesrepublik Deutschland eingekauft worden sind«, schreibt das Management auf SPIEGEL-Anfrage. Beide Partner hätten einen ordentlichen Wohnsitz in Dubai, außerdem einen gültigen Aufenthaltstitel. Nur die angeblich verpflichtende Influencer-Lizenz mit Knebelvertrag habe das Paar nie beantragt – »da auch überhaupt nicht nötig«.

Influencer-Paar Dominic und Sarah Harrison: Heimweh oder Bürokratie?

Influencer-Paar Dominic und Sarah Harrison: Heimweh oder Bürokratie?

Foto: Matthias Balk / picture alliance/dpa

Was war dann der Grund für die Sommerfrische in Deutschland? Heimweh oder Bürokratie? Weder noch, sagt das Management. Das Team Harrison müsse ein paar TV-Jobs erledigen. Außerdem sei das mit der Kinderbetreuung in der Heimat leichter, schließlich hätten Schulen und Kindergärten in Dubai derzeit geschlossen. Der wichtigste Grund aber sei die unerträgliche Hitze, die Familie wolle den »hohen sommerlichen Temperaturen« entfliehen. Mag nach einer Ausrede klingen, wäre aber verständlich: Mindestens zwei der drei angeblichen Auswanderer sind im Coronawinter 2020 ins Emirat gezogen, bei angenehmen Höchsttemperaturen von 26 Grad.

Im Sommer sieht das Leben in Dubai anders aus. »Man darf nicht vergessen: Das ist die Wüste«, sagt Daniel van Kampen, Manager von Simon Desue. »Da hat’s schon mal 43 Grad, es brennt richtig, sogar der Wind ist da nur noch heiß.« Und auch bei der Auswanderer-Agentur kennt man die Nöte der Influencer. Barbara Rössle, die den Rest des Jahres in Abu Dhabi auf Kundenfang geht, hat sich vor Kurzem in die Heimat abgesetzt. »Im Sommer sind wir eigentlich immer in Salzburg«, sagt sie. Einmal kurz durchatmen und die kühle Luft genießen, bevor es im Herbst wieder zurück in die Monarchie geht. »So wie bei allen anderen auch.«

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