Populäres Fake-News-Portal »Infowars« Amerikas oberster Verschwörungstheoretiker meldet Insolvenz an

Moderator Alex Jones unterstützte mit seiner Seite »Infowars« lautstark den ehemaligen Präsidenten Donald Trump. Erst kürzlich wurde er zu Schadensersatz verurteilt – und meldete nun Konkurs an.
Der rechte Verschwörungstheoretiker Alex Jones, Aufnahme von 2018.

Der rechte Verschwörungstheoretiker Alex Jones, Aufnahme von 2018.

Foto: JIM BOURG/ REUTERS

Die Website »Infowars« des rechten Verschwörungstheoretikers Alex Jones hat bei einem US-Gericht Konkurs beantragt. Wegen mehrerer Verleumdungsklagen gegen das Unternehmen sei ein Insolvenzverfahren nach Kapitel 11 beantragt worden. Das geht aus den am Sonntag im US-Bundesstaat Texas veröffentlichten Unterlagen hervor. Das Verfahren nach Kapitel 11 setzt alle zivilrechtlichen Streitigkeiten aus und ermöglicht es Unternehmen, Sanierungspläne bei laufendem Betrieb auszuarbeiten.

Jones ist ein lautstarker Unterstützer des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. »Der Mann, der Trump die Lügen ins Ohr setzt«, schrieb DER SPIEGEL in einer Reportage im Jahr 2017 über Jones, der als Moderator in seiner eigenen »Alex Jones Show« über Jahrzehnte vermeintliche Intrigen und Verschwörungen aufzudecken glaubte. So ist Jones der Überzeugung, dass sich die globalen Eliten gegen die USA verbündet haben, um das Land zu zerstören.

Mehrfach zu Schadensersatz verurteilt

Lange galt Jones mit seinen abstrusen Thesen, die er von Texas aus verbreitete, als eine irre Randfigur. Dann wertete ihn sein angeblich enger Kontakte zu Präsident Trump auf – und machte ihn und seine Website noch mehr Amerikanern bekannt. »Trump und ich haben seit der Wahl mehrfach gesprochen. Über die Freiheit und unser gemeinsames Ziel, unsere Gegner zu vernichten«, behauptete Jones schon Anfang 2017, nur wenige Monate nach Trumps überraschendem Wahlsieg. Seine Behauptung ließ sich anfangs kaum überprüfen, entwickelte sich aber schnell zu einer erfolgreichen Eigen-PR.

Jones' Aufstieg aus dem medialen Nischendasein in der Regierungszeit von Trump hatte Folgen: Spotify entfernte 2018 einige Episoden des Podcasts von »Infowars«, und Twitter sperrte den Account des rechten Verschwörungstheoretikers dauerhaft. Nach dem Regierungswechsel in Washington wurde Jones vom Ausschuss des Repräsentantenhauses vorgeladen, der den Sturm von Trump-Anhängern auf das US-Kapitol im Januar 2021 untersucht.

Im vergangenen Jahr holte Alex Jones zudem die Vergangenheit ein: In drei Verfahren wurde er zu Schadensersatz verurteilt, nachdem er schon vor Jahren fälschlicherweise behauptet hatte, das Schulmassaker von Sandy Hook Newtown im US-Bundesstaat Connecticut im Jahr 2012 sei eine »Ente« gewesen. Die Schießerei, bei der 20 Kinder und sechs Schulangestellte ums Leben kamen, sei von den Befürwortern strengerer Waffengesetze und den etablierten Medien erfunden worden.

Die Familien von Sandy Hook lehnten Ende März Jones' Angebot zur Beilegung ihrer Verleumdungsklage ab. Jones hatte angeboten, jedem der 13 Kläger 120.000 Dollar zu zahlen. Wie er das hätte finanzieren können, bleibt rätselhaft und widerspricht zumindest seinen eigenen Angaben im Insolvenzantrag: Gerichtsunterlagen zufolge gab »Infowars« ein geschätztes Vermögen zwischen 0 und 50.000 US-Dollar an – bei geschätzten Verbindlichkeiten von einer bis zehn Millionen Dollar.

cgu/rtr